Von: APA/Reuters
Ferraris erstes vollelektrisches Auto “Luce” hat nach seiner Vorstellung am Montag in Rom zunächst keine Begeisterung an den Finanzmärkten ausgelöst. Während das neue Elektrofahrzeug am Dienstag auch dem italienischen Staatspräsidenten Sergio Mattarella präsentiert wurde, verlor die Aktie des Sportwagenherstellers Ferrari an der Mailänder Börse 7,2 Prozent und fiel auf 287,7 Euro.
Kritik kam auch vom früheren Ferrari-Präsidenten Luca Cordero di Montezemolo, der am Dienstag vor möglichen Imageschäden durch ein elektrisches Modell der Luxusmarke warnte. Es bestehe das Risiko einer “Zerstörung eines Mythos”, sagte Montezemolo, der den Konzern von 1991 bis 2014 geführt hatte, laut Medienangaben. “Wenn ich sagen würde, was ich denke, würde ich Ferrari schaden”, so der Unternehmer. Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass zumindest das “Cavallino rampante”, das berühmte Pferde-Emblem, nicht auf dem Modell “Luce” verwendet werde.
Ferrari wagt strategischen Kurswechsel
Mit dem Modell “Luce” wagt Ferrari einen strategischen Kurswechsel. Während Wettbewerber wie Porsche und Lamborghini ihre Elektropläne angesichts schwächerer Nachfrage zuletzt teilweise zurückgefahren haben, setzt Ferrari dennoch auf den Einstieg in die Elektromobilität. Der Preis für das Modell liegt bei rund 550.000 Euro, die Auslieferung soll im vierten Quartal beginnen.
Ferrari-Vorstandschef John Elkann sieht die Entwicklung hingegen positiv. Er bezeichnete das erste vollelektrische Modell des Herstellers als zukunftsweisenden Schritt. “Luce” sei ein Auto der Zukunft, sagte Elkann. Das Modell bekräftige, was Ferrari seit jeher auszeichne: den Mut, die Grenzen des Möglichen neu zu definieren. Für die Entwicklung sei ein neuer kreativer Ansatz notwendig gewesen, den die Designgruppe LoveFrom eingebracht habe. An dem Projekt beteiligt waren zudem der frühere Apple-Designer Jony Ive sowie der Designer Marc Newson.
Der viertürige “Luce” ist zugleich der erste Fünfsitzer in der Geschichte Ferraris und richtet sich mit einem 600 Liter großen Kofferraum auch an wohlhabende Familien. Zudem soll das Modell eine technikaffine Kundschaft ansprechen und die Marktchancen in Regionen wie China verbessern, wo große Verbrennerfahrzeuge hoch besteuert werden.
“Luce” beschäftigt” Politik
Der ehemalige italienische Industrieminister Carlo Calenda bezeichnete “Luce” als “ästhetische und technologische Beleidigung” für alle Fans der Marke Ferrari. “Glückwunsch an John Elkann, der nach der teilweisen Zerschlagung oder dem Verkauf von Magneti Marelli, Comau, Iveco, Fiat, Alfa Romeo, Maserati, Lancia, der Scuderia Ferrari, von Juventus FC sowie der Zeitungen La Repubblica und La Stampa nun offenbar auch Ferrari selbst ruinieren will. Und das war nicht einfach”, kommentierte Calenda.




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