Trientner Finanzpolizei schlägt zu - VIDEO

Online-Handel mit gefälschter Markenware: Elf Personen in Haft

Donnerstag, 22. November 2018 | 12:50 Uhr

Trient – Insgesamt 36 Personen hat die Finanzpolizei von Trient im Verlauf der Operation „Agorà“ angezeigt. Elf Personen landeten mittels Vollstreckungsbefehl des Ermittlungsrichters von Rovereto in U-Haft: Während fünf in den Hausarrest überstellt wurden, endeten sechs hinter Gittern. Ins Visier der Ordnungshüter war eine kriminelle Bande geraten, die sich auf den Verkauf gefälschter Markenkleidung und Accessoires verlegt hatte.

Rund 100 Ordnungshüter sind seit den frühen Morgenstunden im Einsatz. Ähnliche vorgegangen wurde in zehn weiteren Regionen Italiens. So hat etwa auch die Finanzpolizei von Neapel Durchsuchungen durchgeführt und Personen festgenommen. In der Gegend von Neapel soll die kriminelle Organisation auch ihren Sitz gehabt haben – mit Verzweigungen in ganz Italien.

Die Untersuchung war heuer im April ins Rollen gekommen. Die Finanzpolizei von Trient ist auf die 51-jährige G. A. aus Sardinien aufmerksam geworden. Die Frau vertrieb auf ihrem Online-Profil der Facebook-Plattform „Marketplace“ gefälschte Markenartikel. Die Ware, die aus Lagerhallen in der Gegend von Neapel stammte, wurde im Trentino-Südtirol verkauft. G. A. soll auch mit der Bande persönlich in Kontakt gestanden sein.

Die Ermittler, die auf Abhörtechniken zurückgriffen und Personen beschatteten, kamen den Online-Handel mit gefälschten Artikeln vermeintlicher Modelabels recht schnell auf die Schliche. Wie aus abgehörten Telefongesprächen hervorging, hatte G. A. vor allem engen Kontakt mit dem 48-jährigen S. A. aus Neapel, der die Produkte wiederum von mehreren illegalen Fabriken aus der Gegend rund um den Vesuv erstand. Per Post verschickte er die Waren an Kunden, die er über das Internet kontaktiert hatte.

Die Beziehung zu S. A. fand allerdings im Juni 2018 ein abruptes Ende, als sich G. A. über eine gefälschte Gucci-Tasche beschwerte, die kaputt gegangen war und ihr eine verärgerte Endkundin zurückgeschickt hatte. G. A, wandte sich in der Folge an T. A. (42 Jahre) und N. E. (46), ein Pärchen aus Ancerra in der Provinz Neapel, das wegen Markenfälschung bereits vorbestraft war, und wurde deren Geschäftspartnerin, um ihren Handel fortzusetzen.

T.A. und N.E. gingen viel vorsichtiger ans Werk: Sie benutzten gefälschte Namen und Telefonwertkarten, die auf Dritte ausgestellt waren, und sie waren in der Lage, eine regelrechte Flut gefälschter Markenartikel aus China, der Türkei und aus Vietnam zu managen. Dabei arbeiteten sie mit einer weiteren Gruppe aus Kampanien zusammen, die von S. U. (51 Jahre) und S. A. (50) angeführt wurde.

Die beiden führten ein “Familienunternehmen”, dem sechs weitere Personen angehörten – S.C. (27 Jahre), S.G. (38 Jahre), S.B. (53 Jahre), M.P. (51 Jahre), C.A. (52 Jahre) und S.G. (52 Jahre). Auch diese Personen sind bereits einschlägig vorbestraft und waren in der Lage, sowohl gefälschte Taschen teurer Modelabels herzustellen als auch Handel mit ihnen zu treiben. Die Bande nutzte dabei verschiedene Appartements und Räumlichkeiten in Neapel und schaffte es, rund 160 Stücke am Tag zu produzieren.

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Rohmaterial wurde erworben, die Arbeit wurde in Turnussen aufgeteilt, teilweise arbeiteten die Mitglieder auch von zu Hause aus. G. A. managte in erster Linie den Online-Handel. Sie beschrieb die Produkte und verwies auf deren Vorzüge, wodurch sie einen florierenden illegalen Markt aufbaute. Dabei verkaufte die Frau nicht nur an Endkunden, sondern auch an Personen, die die gefälschte Ware wiederum weiter verkauften. Unter anderem erwarb sie gelegentlich gefälschte Rolex-Uhren um 500 Euro, die sie um 900 Euro weiter verscherbelte. Einem jungen Ägypter, der in der Provinz Brescia lebt, drehte sie in einer Woche gleich 1.000 Stück an.

Für die gefälschten Taschen, die G. A. aus Neapel erhielt, verlangte sie durchschnittlich 45 bis 65 Euro, bei höherer Qualität konnten es aber auch 200 Euro sein. Monatlich nahm die Frau laut Berechnungen der Finanzpolizei rund 2.000 Euro ein.

Die Kunden waren in ganz Italien verstreut. Neben Trient führte die Finanzpolizei auch Durchsuchungen in den Provinzen Mailand, Bergamo, Cremona, Venedig, Vicenza, Triest, Pordenone, Florenz, Rom, Viterbo, Neapel, Caserta, Taranto, Catanzaro, Cosenza, Vibo Valentia und Siracusa durch.

Im Gefängnis wegen des Vorwurfs der Bildung einer kriminellen Vereinigung zum Zweck des Imports, der Produktion, des Handels und des Verkaufs gefälschter Markenartikel landeten S.U. (51 Jahre) und S.A. (50), S.B.( 53), C.A. (52), S.G. (52) und T.A. (42), während in den Hausarrest wegen des Vorwurfs der Hehlerei und der Aushändigung gefälschter Markenartikel die 51-jährige G.A., N.E. (46 Jahre), S.C. (27 Jahre), M.P. (51) und S.G. (52) überstellt wurden.

Außerdem hat die Finanz mehrere 1.000 Euro in bar, Bankkonten und Wertkarten beschlagnahmt. Rund 40 Kunden, die die gefälschte Ware erworben haben, wurden identifiziert und wegen Hehlerei angezeigt.

Im Verlauf der Durchsuchungen wurden rund 10.000 gefälschter Markenartikel beschlagnahmt – darunter Jacken, Pullover, T-Shirts sowie Accessoires wie Schuhe, Taschen und Gürtel. Bei den Labels, die kopiert wurden, handel es sich um “Moncler”, “Armani”, “Prada”, “Napapijri”, “Woolrich”, “Gucci”, “Fendi”, “Burberry”, “Timberland”, “Dolce &Gabbana”, “Versace”, “Moschino”, “Adidas”, “Luis Vuitton”, Liu Jo”, “Puma”, “Nike” und andere. Auch fünf gefälschte Rolex-Uhren wurden beschlagnahmt.

Außerdem wurden illegale Produktionswerkstätten ausgehoben, zwei davon in Neapel und eine in Volla. Stoffe, Maschinen und Handwerksmaterial wurden beschlagnahmt, ebenso wie 21 Handys, zwei Laptops und sechs Prepaid-Karten für Geldtransaktionen.

Von: mk

Kommentare

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4 Kommentare auf "Online-Handel mit gefälschter Markenware: Elf Personen in Haft"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Staenkerer
24 Tage 14 h

guate orbeit!
wer unbedingt moant das er teure markenware braucht solln im fochhondel einkafn,

FC.Bayern
FC.Bayern
Superredner
23 Tage 21 h

völlig deiner Meinung !!

Jefe
Jefe
Tratscher
24 Tage 17 h

dann weiß man wo man die teuren sachen ein kaufen soll……

offnzirkus
offnzirkus
Tratscher
24 Tage 10 h
In facebook im marketplace werden z.b. auch napapjiri jacken zum spottpreis von 50 euro angeboten. Angeblich alles legal und original. Habe mir erlaubt bei einem der vertreiber (Neapel und umgebung) nachzufragen weshalb die angepriesene ware so billig vertrieben wird und ob es sich wirklich um originalware handelt. Nach zwei minuten die antwort: wer dumme fragen stellt bekommt blöde antworten. Nach einer weiteren halben stunde wurde die anzeige aus dem marketplace genommen nachdem ich zu verstehen gab dass die postpolizei sehr interessiert ist die urheber dieser anzeige kennenzulernen. Solche verlockenden angebote entpuppen sich meistens als abzocke, zumal als einziges zahlungsmittel postepay… Weiterlesen »
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