Pfeil und Bogen im Trentino bald erlaubt

Robin-Hood-Jagd auf Wildschweine: Heftige Diskussionen

Sonntag, 12. Juli 2026 | 07:38 Uhr

Von: luk

Trient – Im Trentino sorgt eine neue Regelung zur Bekämpfung der Wildschweinpopulation weiter für heftige Diskussionen.

Ab 2027 dürfen – wie berichtet – speziell ausgebildete Jäger Wildschweine unter bestimmten Voraussetzungen auch mit Pfeil und Bogen erlegen. Während die italienische Umweltbehörde ISPRA grünes Licht für die Maßnahme gegeben hat, sprechen Tierschutzorganisationen von einer “schockierenden” Entscheidung und warnen vor unnötigem Tierleid.

Von der neuen Regelung profitieren zunächst rund 100 Trentiner Jäger, die bereits für die Bogenjagd qualifiziert sind und diese bislang nur in anderen Regionen Italiens oder im Ausland ausüben konnten. Voraussetzung für den Einsatz ist eine zusätzliche Zulassung durch den Wildtierdienst der Provinz. Diese erhalten nur sogenannte Kontrolljäger, die seit mindestens drei Jahren im Trentino jagdberechtigt sind. Vorgesehen ist zudem ein etwa 20-stündiger Ausbildungskurs.

Die Verordnung schreibt auch technische Mindestanforderungen für Bögen und Pfeile vor. Erlaubt sind ausschließlich leistungsstarke Jagdbögen mit festgelegter Zugkraft sowie spezielle Jagdspitzen. Zudem darf nur aus einer maximalen Entfernung von 50 Metern auf die Tiere geschossen werden. Nach Angaben des Trentiner Jagdverbandes soll dadurch die Sicherheit für Spaziergänger gewährleistet werden. Die Jagd findet überwiegend nachts statt, wenn Wildschweine besonders aktiv sind.

Die staatliche Umweltbehörde ISPRA befürwortet den Einsatz von Pfeil und Bogen unter strengen Auflagen. Demnach ermögliche die kurze Schussdistanz eine sichere Identifizierung der Tiere. Voraussetzung seien erfahrene Schützen mit guter Ortskenntnis, die von einem festen Ansitz aus jagen.

Scharfe Kritik kommt hingegen von der Tierschutzorganisation OIPA. Deren Wildtierexperte Alessandro Piacenza bezeichnet die Regelung als “erschütternden Vorschlag”, der das Risiko langer Todeskämpfe der Tiere erhöhe.

Die neue Verordnung sieht außerdem ein gezieltes Wildschweinmanagement unter Leitung der Forstbehörden vor. Ein Forstbeamter darf dabei höchstens acht Kontrolljäger gleichzeitig beaufsichtigen.

Erlaubt sind auch Nachtsicht- und Wärmebildgeräte. Zudem dürfen Wildschweine mit Futter angelockt werden, um die Bejagung zu erleichtern. Verboten bleibt hingegen eine Fütterung, die den Bestand der Tiere dauerhaft fördern würde.

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