Von: mk
Feltre/Belluno – Carlo Budel, der über Jahre die höchstgelegene Schutzhütte in den Dolomiten betrieb, lebt mittlerweile im Tal. Im Rifugio Punto Penia auf der Marmolata teilte er auf 3.343 Metern Höhe seine Leidenschaft für die Berge mit den Besuchern und ließ seinem Unmut über rüpelhafte Gäste freien Lauf – auch in den sozialen Medien, was ihm italienweit Bekanntheit verschaffte. Am 21. Mai feierte er ein besonderes Jubiläum: Er ist seit einem Jahr trocken.
„Es gibt keine laute Party, doch in meinem Inneren herrscht tiefes, stilles Glück“, erklärte Budel im Interview mit dem Corriere della Sera.
Der Moment der Wiedergeburt ist allerdings von neuen Sorgen überschattet. Sein eigener Körper hat ihn bitter hintergangen. Weil er von lähmender Erschöpfung geplagt war und innerhalb von zwei Monaten acht Kilo abgenommen hatte, suchte er einen Arzt auf. Dabei wurde eine erbliche, perniziöse Anämie diagnostiziert, die durch den Alkoholmissbrauch in der Vergangenheit gefährlich angefacht worden war.
Dank ärztlicher Behandlung kam er langsam wieder auf die Beine. Beinahe wäre es zu spät für ihn gewesen.
Sein persönliches Heilmittel fand er unterdessen in einem aufgelassenem Hof zwischen Feltre und Belluno, den er mit eigenen Händen saniert. Noch vor einem Jahr war das Steingebäude nicht mehr als ein einsturzgefährdeter Stall. Nun formt er sich daraus sein eigenes Nest. Mittlerweile gibt es ein Badezimmer, eine Stiege aus Lärchenholz, einen offenen Kamin sowie einen Tisch aus Zirbe.

Es ist ein trotziges Statement gegen den Konsumwahn in der heutigen Zeit: Alte Balken, die ihm eine Frau überlassen hat, verwertet er genauso wie gebrauchte Fenster, die niemand mehr haben will. „Ich baue ein wunderschönes Haus aus dem, was andere wegwerfen“, erklärt Budel stolz.

Wegen seiner ehrlichen Art erfährt er nach wie vor Unterstützung von der Comunity. Spendable Menschen schicken ihm von Geschirr, Leintücher und sogar Pakete mit Qualitätsprodukten aus Sizilien.
Zwar lehnt er fremde Arbeitshilfe auf der Baustelle aus Sorge vor Unfällen ab, dennoch hat er sich seine Gastfreundlichkeit bewahrt. Zwei Zimmer, wo insgesamt acht Besucher Platz haben, sind bereits fertig – und auch schon auf mehrere Jahre im Voraus ausgebucht. Wer hierherkommt, sucht keinen Luxus, sondern die raue Seele der Berge: das Abschalten vom Chaos, gemeinsame Grillabende an einer großen Tafel und das Teilen von ungeschönten Geschichten, die das Leben schreibt.




Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen