Von: mk
Bozen – Eine Anfrage des SVP-Landtagsabgeordneten Franz Locher zeigt es deutlich: Die Situation der Tierärzte in Südtirol entwickelt sich zunehmend zu einem strukturellen Problem für Landwirtschaft und Tierhaltung. Für Locher ist damit eines klar: „Aktuelle Zahlen zeigen, dass in den kommenden Jahren ein erheblicher Mangel an Großtierpraktikern und Betriebstierärzten droht. Wer sorgt also künftig noch für die Kuh?“
Derzeit sind in Südtirol 75 Betriebstierärzte registriert. Elf davon stehen allerdings keiner Gemeinde aktiv zur Verfügung. Gleichzeitig sind laut Tierärztekammer der Provinz Bozen zwar 71 Tierärzte als Großtierpraktiker eingetragen, effektiv tätig sind jedoch nur 65. Hinzu kommt eine unbekannte Zahl freiberuflicher Tierärzte, deren Tätigkeit in Südtirol nicht meldepflichtig ist und daher statistisch nicht erfasst wird. Besonders alarmierend ist die Altersstruktur der aktiven Tierärzte. In den kommenden zehn Jahren könnten zahlreiche erfahrene Veterinäre in Pension gehen. Im Bezirk Bozen sind fünf Tierärzte über 60 Jahre alt, im Bezirk Brixen ebenfalls fünf über 60, im Bezirk Bruneck sechs und im Bezirk Meran sind es sogar neun Tierärzte, die in wenigen Jahren das Rentenalter erreichen.
Die Lage ist in mehreren Gemeinden bereits angespannt: In Gargazon, St. Ulrich, St. Christina und Wolkenstein steht derzeit kein Betriebstierarzt zur Auswahl. Die tierärztliche Betreuung erfolgt dort teilweise nur noch durch freiberufliche Tierärzte. „Um dem drohenden Mangel entgegenzuwirken, wurden in den vergangenen Jahren zwar verschiedene Initiativen gestartet, sie können das bereits heute entstandene Vakuum an Tierärzten in der Peripherie aber nur schwer ausgleichen“, sagt Locher. Südtirol hat beispielsweise sämtliche tierärztlichen Fakultäten Italiens sowie Universitäten in Deutschland und die Veterinärmedizinische Universität Wien kontaktiert, um auf die Berufschancen im Land aufmerksam zu machen. Gleichzeitig wirbt eine Delegation Südtiroler Tierärzte jährlich direkt bei Studierenden in Wien für eine Tätigkeit im Land. Auch der Südtiroler Bauernbund versucht gegenzusteuern und unterstützt angehende Veterinärmediziner mit speziellen Vorbereitungskursen für den Aufnahmetest an der Veterinärmedizinischen Universität Wien.
Locher schätzt diese Bemühungen, glaubt aber, dass noch mehr getan werden muss. „Es ist zwar ein guter Ansatz, dennoch bleiben wesentliche Herausforderungen bestehen. Besonders die Anerkennung ausländischer Studientitel dauert viel zu lange und ist bürokratisch aufwändig.“ Für ihn zeigen die aktuellen Entwicklungen deutlich, dass sich ohne weitere zusätzliche Maßnahmen die tierärztliche Versorgung in Südtirol verschlechtern wird – mit möglichen Folgen für Tierwohl, Landwirtschaft und die Versorgungssicherheit im ländlichen Raum.




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