40-jährige Frau wird ein zweites Mal zum Opfer – VIDEO

Skandal: Rachepornoopfer nach Anzeige wegen „Imageschaden“ entlassen

Donnerstag, 20. Februar 2020 | 07:05 Uhr

Brescia – Die Entlassung einer 40-jährigen Freiberuflerin, die Opfer eines Rachepornos geworden war und deswegen Anzeige erstattet hatte, führte in der italienischen Öffentlichkeit zu einem Skandal. Bis hinauf ins Parlament wurde die Entscheidung des Arbeitgebers, nach einigen Anrufen „interessierter Männer“ das Arbeitsverhältnis mit der Frau nicht mehr zu verlängern, hart kritisiert.

Der Leidensweg der 40-jährigen Frau begann nach dem Ende der Beziehung zu einem Mann. Bald nach dem endgültigen Scheitern der Beziehung fing ihr Ex-Freund an, von ihr selbst gedrehte, intime Bilder und Videos, die sie ihm vor mehreren Jahren geschickt hatte, über die sozialen Netzwerke wie WhatsApp zu verbreiten. Von ihrem ehemaligen Lebenspartner und zwei seiner Freunde ausgehend fanden die von Chat zu Chat weitergereichten intimen Bilder und Videos immer größere Verbreitung. Über das Netz gelangten die schlüpfrigen Bilder und Videos sogar bis ins Ausland. Um den „Racheporno“ noch bösartiger und hinterhältiger zu gestalten, legte der Täter den Bildern und Videos auch die Telefonnummer seiner ehemaligen Lebensgefährtin bei. In der Folge wurde das Leben der 40-jährigen Frau, die als Freiberuflerin für mehrere Studios arbeitet, zur Hölle. Die Frau erhielt immer wieder Anrufe von Männern – ein Anruf erreichte sie sogar aus Südamerika – die sie „kennenlernen“ wollten.

Die zutiefst verunsicherte Frau erstattete gegen ihren Ex-Freund Anzeige. In einer Beilage zur Anzeige gab die 40-Jährige weitere Namen an, die an der Weiterverbreitung der Fotos und Videos mitgewirkt hätten. Zudem legte die Frau mehrere Screenshots von Chats von Polizisten und Carabinieri bei, in denen die Videos gesehen und kommentiert worden wären, aber wo niemand eingegriffen hätte, um die Verbreitung der Bilder und Videos zu unterbinden. Auf die Anzeige der 40-Jährigen hin, trug die Staatsanwaltschaft von Brescia ihren ehemaligen Lebensgefährten sowie zwei seiner Freunde in das Ermittlungsregister ein. Nach der Strafverschärfung im letzten Sommer riskieren die drei Männer eine Haftstrafe von sechs Monaten bis zu sechs Jahren.

In der Zwischenzeit erreichte die Frau zu allem Schaden aber auch noch die Hiobsbotschaft, dass einer der Studios, für das die Frau freiberuflich tätig war, beschlossen hatte, das Arbeitsverhältnis nicht mehr zu verlängern. Ihr mittlerweile ehemaliger Arbeitgeber teilte mit, dass im Studio mehrere anrufende Männer ohne ein Motiv anzugeben und ohne eine Telefonnummer zu hinterlassen, den „eindeutigen“ Wunsch geäußert hätten, die Freiberuflerin persönlich zu treffen. Dadurch, so der Arbeitgeber, hätte das Studio einen „Imageschaden“ erlitten, was ihn dazu bewogen hätte, das Arbeitsverhältnis zu beenden.

Der Beschluss, die Frau praktisch „doppelt zu bestrafen“, löste einen Skandal aus. Bis hinauf ins Parlament wurde die Entscheidung des Arbeitgebers, nach einigen Anrufen „interessierter Männer“ das Arbeitsverhältnis mit der Frau nicht mehr zu verlängern, hart kritisiert.

„Es ist absurd, dass eine Frau, die den Mut gefunden hat, diejenigen anzuzeigen, die ihr schweren Schaden zugefügt haben, indem sie privates Bild- und Videomaterial im Internet verteilt haben, von ihrem Arbeitgeber wegen eines angeblichen ‚Imageschadens‘ entlassen wird. Ich drücke ihr meine volle Solidarität aus. Mit dem Gesetz zur Bekämpfung und Bestrafung des Phänomens des Rachepornos haben wir den Grundstein dafür gelegt, den Opfern größere Sicherheit zu bieten. Auf der anderen Seite ist es aber klar, dass noch viel getan werden muss, um jenen kulturellen Wandel herbeizuführen, der zur Bekämpfung dieser Art von Verbrechen erforderlich ist. Frauen, die die Kraft finden, die Täter anzuzeigen, müssen nicht nur vom Gesetz, sondern auch von der Gesellschaft beschützt werden“, so die Sprecherin der Fünf-Serne-Bewegung in der Justizkommission der italienischen Abgeordnetenkammer, Elisa Scutellà.

Die meisten italienischen Männer und besonders die meisten Frauen dürften die Meinung von Elisa Scutellà teilen.

 

Von: ka