„Schwangere sollen geimpft werden, um Antikörper zu übertragen„ – VIDEO

Traurig: Zwei Neugeborene an Keuchhusten gestorben

Freitag, 03. August 2018 | 08:06 Uhr

Bergamo – Im Krankenhaus von Bergamo starben zwei weniger als zwei Monate alte Neugeborene an Keuchhusten. Vonseiten des Krankenhauses Papa Giovanni XXIII von Bergamo wies man aber darauf hin, dass es sich um keine Epidemie handle. Die beiden neugeborenen Mädchen stammten aus zwei voneinander weit entfernten Orten der Provinz Bergamo und der Zeitpunkt des Ausbruchs der Krankheit lag bei den beiden Fällen mehr als einen Monat auseinander.

Ansa/Daniel Dal Zennaro

Das erste Mädchen wurde von den Eltern ins Krankenhaus gebracht, wo eine Behandlung mit Antibiotika begonnen wurde. Da sich der Zustand des kleinen Mädchens nicht besserte, wurde das Neugeborene am 17. Juni in das Krankenhaus Papa Giovanni XXIII von Bergamo verlegt. Aber alle Bemühungen waren vergebens. Am 23. Juni erlag das Mädchen der schweren Infektionskrankheit.

Das zweite Mädchen hingegen – ein Monat und drei Tage alt – wurde nach einer ersten stationären Aufnahme in Treviglio, wo die Antibiotikabehandlung begonnen worden war, in das Krankenhaus Papa Giovanni XXIII verlegt. Auch in diesem Fall wurde das Neugeborene allen möglichen Therapien unterzogen. In einem letzten, verzweifelten Versuch, das Leben der Kleinen zu retten, wurde das Mädchen an eine Maschine angeschlossen, welche das Herz und die Lunge ersetzt. Aber auch in diesem Fall waren die ärztlichen Bemühungen vergeblich. Am 30. Juli starb das kleine Mädchen im Krankenhaus.

ANSA

Keuchhusten ist eine hochansteckende, von Bakterien ausgelöste und über Tröpfcheninfektion übertragene Infektionskrankheit. Besonders für kleine Kinder und Neugeborene kann die Krankheit schwere Formen mit mitunter bleibenden Schäden am Zentralnervensystem annehmen, weil infolge der Hustenanfälle das Blut zu wenig mit Sauerstoff angereichert wird. Andere mögliche Komplikationen sind Konvulsionen sowie Kehlkopf- und Lungenentzündungen. Während der ersten beiden Lebensjahre beträgt die Mortalität 0,2 Prozent.

Der tragische Tod der beiden Neugeborenen führte in der italienischen Öffentlichkeit zu heftigen Diskussionen. Auch der bekannte Arzt und Impfbefürworter Roberto Burioni meldete sich zu Wort. „Schwangere sollen geimpft werden, damit sie Antikörper bilden und sie auf den Fötus übertragen können“, so Roberto Burioni.

Alcuni vaccini proteggono per sempre, altri forniscono un'immunità limitata nel tempo. Questo è il caso del vaccino…

Pubblicato da Roberto Burioni, Medico su Giovedì 2 agosto 2018

„Bis in die 90er Jahre hinein wurde gegen Keuchhusten ein sehr schlagkräftiger Impfstoff verwendet, der allerdings von einigen nicht unbedeutsamen Nebenwirkungen belastet war. Dann ging man zu einem sogenannten „azellulären“ Impfstoff über, der zwar sehr sicher, aber weniger stark ist. Diese Impfung, die heute im Sechsfachimpfstoff enthalten ist, ist in fast 90 Prozent der Geimpften wirksam. Allerdings schwächt sich mit der Zeit die Immunität ab, sodass die Geimpften zwar vor schweren Krankheitsverläufen geschützt sind, aber als gesunde Träger Bakterien im Rachenraum beherbergen, und somit eine Infektionsquelle für andere darstellen“, so Roberto Burioni in einem Facebook-Beitrag.

„Aufgrund der geringeren Wirksamkeit des neuen Impfstoffs und aufgrund fehlender Impfungen häufen sich die Fälle von Keuchhusten“, unterstreicht der Virologe und Infektionsmediziner Roberto Burioni.

Facebook/Roberto Burioni, Medico

„Das Unglück ist groß, weil Keuchhusten für kleine Kinder sehr gefährlich ist. Zudem ist die Immunität gegen diese Infektion immer sehr schwach, sodass die Mütter nicht dazu imstande sind, ihren Kindern während der Schwangerschaft die benötigte Menge von Antikörpern zu übertragen. Daher sind die Neugeborenen sehr angreifbar. Wir können sie aber schützen, indem wir die Schwangeren impfen, damit sie Antikörper bilden und sie auf den Fötus übertragen können“, so abschließend der Virologe und Infektionsmediziner.

Die Meinung und Ratschläge des angesehenen Arztes lösten eine heftige Debatte aus. Gleich wie man zur Meinung von Roberto Burioni stehen mag, so liegt es doch auf der Hand, dass bei einer Mehrung der Fälle von Keuchhusten unbedingt Maßnahmen ergriffen werden müssen.

 

Von: ka