Ermittlungen wegen Anstiftung zum Selbstmord – VIDEO

Unfassbare Tragödie: Neunjähriger erhängt aufgefunden

Mittwoch, 27. Januar 2021 | 08:00 Uhr

Bari – In einer Wohnung in der süditalienischen Stadt Bari ist am Montag ein neunjähriger Bub erhängt aufgefunden worden. Da der schreckliche Verdacht besteht, dass der Bub gleich wie das zehnjährige Mädchen aus Palermo Opfer einer tödlichen Challenge geworden war, eröffnete die Staatsanwaltschaft von Bari gegen Unbekannt ein Verfahren wegen Anstiftung zum Selbstmord. Auf Anordnung des ermittelnden Staatsanwalts wurden alle in der Wohnung benutzten elektronischen Endgeräte beschlagnahmt.

APA/APA (dpa/Tobias Hase)

Laut ersten Ermittlungsergebnissen der Polizei wurde der Neunjährige, der bewusstlos an einer Kordel hing, von seinen Eltern entdeckt. Die Mutter, die selbst Ärztin ist, leitete bis zum Eintreffen des Notarztes Wiederbelebungsmaßnahmen ein. Aber sowohl ihre als auch die Bemühungen des Notarztes waren vergeblich. Der kleine Bub starb noch auf dem Weg ins Krankenhaus. Laut ersten Erkenntnissen der Polizei, die zusammen mit dem Notarztteam am Tatort eintraf, handelt es sich um einen Fall von Selbstmord. Um jedoch die genaue Todesursache feststellen zu können, wurde vonseiten der Staatsanwaltschaft eine Autopsie angeordnet.

YouTube/Tele Sveva

Da der schreckliche Verdacht besteht, dass der Bub gleich wie das zehnjährige Mädchen aus Palermo Opfer einer tödlichen Challenge geworden war, eröffnete die Staatsanwaltschaft von Bari gegen Unbekannt ein Verfahren wegen Anstiftung zum Selbstmord. Auf Anordnung der ermittelnden Staatsanwältin Angela Maria Morea wurden alle in der Wohnung benutzten elektronischen Endgeräte – darunter Smartphones und Computer, aber auch eine Playstation – beschlagnahmt. Alle Geräte sowie alle von ihnen im Netz hinterlassenen Spuren werden derzeit auf Hinweise auf eine mögliche Teilnahme des kleinen Buben, der von Zeugen als „ruhig und heiter“ beschrieben wird, an einer tödlichen Challenge untersucht. Im Mittelpunkt steht dabei das Smartphone der Mutter, das der Bub ab und zu benutzt hatte, um auf das Internet zuzugreifen.

APA/APA (dpa/Archiv)/Jens Kalaene

Ersten durchgesickerten Ermittlungsergebnissen zufolge sollen die Geräte und der Verlauf der angeklickten Webseiten bisher aber keine Hinweise auf die Teilnahme des Buben an einem „tödlichen Spiel“ erbracht haben. Zudem soll auf dem Smartphone der Mutter nicht die Applikation des Videoportals und sozialen Netzwerks TikTok, die das zehnjährige Mädchen aus Palermo benutzt hatte, um sich an der sogenannten „Blackout Challenge“ zu beteiligen, installiert sein. Die Zehnjährige hatte sich bei dieser tödlichen „Mutprobe“ bewusstlos stranguliert.

Aufgrund des Tods des Mädchens ordnete der Garant für die Sicherheit der persönlichen Daten eine bis zum 15. Februar dauernde faktische Sperre von TikTok an. Experten geben aber nicht nur den sozialen Netzwerken die Schuld. Sie warnen Eltern davor, Kindern, die jünger als zwölf Jahre alt sind, unbeaufsichtigt Smartphones oder einen anderen Zugang zum Internet zu überlassen. In diesem Sinne nehmen sie daher auch die Eltern in die Pflicht, ihre Kinder erzieherisch an die verantwortungsbewusste Nutzung des Internets heranzuführen.

APA/APA (dpa)/Tobias Hase

Einen negativen Einfluss wird aber auch der Corona-Notlage zugeschrieben. „Das Problem hat sich durch die Pandemie verschärft, weil sich viele Jugendliche – unter ihnen vor allem Heranwachsende – in sich selbst zurückgezogen haben. In der Folge sind sie mit sich selbst und mit anderen aggressiv geworden. Die Fälle, in denen Kinder und Jugendliche sich mit Rasierklingen an Armen und Beinen selbst Schnittverletzungen zufügen, haben ebenso wie Suizidversuche, die immer öfter jüngere Altersgruppen betreffen, zugenommen“, so die traurige Bestandsaufnahme des Jugendstaatsanwalts von Bari, Ferruccio De Salvatore.

Von: ka

Kommentare

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24 Kommentare auf "Unfassbare Tragödie: Neunjähriger erhängt aufgefunden"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Trina1
Trina1
Superredner
29 Tage 9 h

Na so traurig ormes Kind. Es wird Zeit, dass Kinder nicht mehr unbeaufsichtig das Handy benützen dürfen. Ruhe in Frieden Bubele 😔

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
29 Tage 8 h

Die Tragödien passieren in der scheinbaren Sicherheit der Wohnung. In der Kindheit wurde uns eingebläut “Fremden nicht die Tür aufmachen”, “Finger weg vom Gasofen”… Reicht heute leider nicht mehr.
Liebe (Groß-)Eltern, sperrt die IT kindersicher.

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Universalgelehrter
29 Tage 8 h

Da braucht es eine aktuelle Version vom “Struwelpeter”-Buch

Allerdings wieviele Eltern lesen ihren Kindern noch Bücher vor ? Smartphone in die Hand ohne sich zu überlegen was die Kids damit anfangen…

Neumi
Neumi
Kinig
29 Tage 7 h

Wer den Artikel aufmerksam gelesen hat, weiß, dass man bisher KEINEN Bezug zum Handy oder irgend einer Plattform gefunden hat.

Faktenchecker
29 Tage 7 h

“Skandal- und Meisterwerk eines Nervenarztes

Im Jahr 1844 macht sich der Vater des Struwwelpeters, der Kinder- und Nervenarzt Dr. Heinrich Hoffman, auf die Suche nach einem Weihnachtsgeschenk für seinen dreijährigen Sohn. Er sucht nach einem Buch, das Kindern in diesem Alter Freude macht. ”
https://www.planet-wissen.de/kultur/literatur/kinderliteratur_von_den_anfaengen_bis_heute/pwiederstruwwelpeter100.html

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
29 Tage 5 h

@Neumi
Ist richtig, dass laut Artikel TikTok nicht auf dem Handy gefunden wurde.
Signal… oder WhatsApp ? “In Deutschland verschickte der Account mit einem Horror-Profilbild bislang „nur“ einen Kettenbrief. Wie zahlreiche Youtube-Videos belegen wollen, soll „Momo“ auch Nachrichten, Bilder und Videos verschicken, wenn man mit dem WhatsApp-Profil in Kontakt tritt. Und: „Momo“ soll sogar schon WhatsApp-Nutzer angerufen haben.”
https://www.merkur.de/multimedia/momo-challenge-bei-whatsapp-polizei-warnt-vor-selbstmord-spiel-zr-10088255.html

Server
Server
Superredner
29 Tage 5 h

@Faktenchecker
Heinrich Hoffman war – wie von Ihnen geschrieben – Kinder- und Nervenarzt. Richtig geraten Psychiater, den bräuchten heute aber die meisten Eltern!

Neumi
Neumi
Kinig
29 Tage 1 h

@ Hustinettenbaer Alles richtig, dem kann (und will) ich gar nichts entgegensetzen. Momo ist so ein überflüssiges Unding (die Kids von heute wissen gar nicht mehr, dass die ursprüngliche Momo die Hauptfigure eines Romans von Michael Ende war, Kulturbanausen!).

Sobald die entsprechenden Nachrichten auf dem Handy gefunden wurden, können wir dem Handy oder Momo die Schuld geben. Bis dahin nicht.

Halleluja123
Halleluja123
Neuling
28 Tage 12 h

@6079_Smith_W na so schlimm 😱 offt sigsch richtig : es kind schreit oder mocht a aufstond… Zag es handy geben und die soch hot sich….
Wos isch des fir a Bildung tschuldigung

Trina1
Trina1
Superredner
28 Tage 7 h

@Halleluja123 du hast recht, aber kannst du mir sagen wie die Kinder aufwachsen? Das ungesunde Verhalten mit dem Handy und Internet sehen die Kinder bei den Eltern. Brauchst nur auf der Strasse schauen, wieviel Menschen siehst du ohne Handy in der Hand.

PuggaNagga
29 Tage 8 h

Warum wird solcher Scheiss nicht zensiert?
Jede kritische Äusserung wird von Facebook und Co. gelöscht.
Aber solche geistige Ausscheidung geht ungehindert den Weg durch soziake netzwerke?

Hudy17
Hudy17
Tratscher
29 Tage 9 h

na wos ischen mit dei kinder lous? uenfoch lei tragisch

Trina1
Trina1
Superredner
29 Tage 7 h

@ Hudy frag dich was mit uns Eltern los ist !

bislhausverstond
bislhausverstond
Superredner
29 Tage 6 h

Und die pandemie trog ihrigs dozua bei….die kindor wearn jo direkt ins internet gezwungen, olls ondere isch bold verbotn

sunshine
sunshine
Superredner
29 Tage 9 h

Furchtbar! 😭

bislhausverstond
bislhausverstond
Superredner
29 Tage 6 h

Uanfoch lei schlimm so epas…..de orme familie

bubbles
bubbles
Universalgelehrter
29 Tage 5 h

Auch Kinder können Depressionen haben..

Trina1
Trina1
Superredner
28 Tage 22 h

@ bubbles, stimmt allerdings sollte man das merken!

meimei
meimei
Neuling
28 Tage 20 h

@Trina1
Keine chance das zu bemerken….

ahjo
ahjo
Neuling
28 Tage 23 h

Ma tschuldigung obo wie behindert sein monche eltern. Wos hot a kind in dem olter alloan auf soziale medien verloren? Tiktok miesat ob 13 wenn net sogor 16 sein, warum hot der nor an akkount?!

meimei
meimei
Neuling
28 Tage 20 h

Fwäre es ein unterschied wenn das kind 13 jahre alt wäre?
Kinder müssen langsam wieder raus und sozialkontakte wahrnehmen. Sonst geht es so weiter…..

Evi
Evi
Universalgelehrter
29 Tage 5 h

Ruhe in Frieden 🙏
Der Familie viel Kraft.

Roger01
Roger01
Grünschnabel
28 Tage 22 h

Wenn das die Zukunft vom Internet ist und die Folgen dann stimmt vieles nicht mehr in unsererGesellschaft…

Sag mal
Sag mal
Kinig
28 Tage 11 h

Egoismus predigen ,Antiautoritäre Erziehung u.s.w.da hatts so Was jedenfalls nicht gegeben.

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