Für die Opfer von Crans-Montana stehen in der "Bank" fünf Quadratmeter Haut bereit – VIDEO

“Wir rekonstruieren die Haut von Verbrennungsopfern Stück für Stück”

Dienstag, 06. Januar 2026 | 07:57 Uhr

Von: ka

Mailand – Im Mailänder Krankenhaus Niguarda, in dem bereits elf schwerverletzte Verbrennungsopfer aus Crans-Montana behandelt werden, befindet sich eine der fünf italienischen „Hautbanken“. Für die Schwerverletzten, deren Körper ausgedehnte Verbrennungen aufweisen, stehen fünf Quadratmeter gespendete Haut bereit. Diese wird bei minus 80 Grad in einem speziellen Gefrierschrank gelagert, bis sie transplantiert wird. „Wir rekonstruieren die Haut von Verbrennungsopfern Stück für Stück“, wird der Verantwortliche der Gewebebank des Niguarda vom Mailänder Corriere della Sera zitiert.

Seit die elf Verbrennungsopfer aus Crans-Montana im Mailänder Krankenhaus Niguarda aufgenommen wurden, ist der Bedarf an Spenderhaut sprunghaft angestiegen. Die Haut wird derzeit von Chirurgen benötigt, um die Wunden der Brandopfer des Feuers in Crans-Montana in der Silvesternacht zu bedecken und zu heilen. Bei den chirurgischen Eingriffen wird die verbrannte Haut der Verletzten Zentimeter für Zentimeter entfernt und durch gespendete Haut ersetzt. Allein am Samstag wurden fünftausend Quadratzentimeter Haut zur Verfügung gestellt, am Sonntag folgten weitere zehntausend.

Das Krankenhaus Niguarda versorgt derzeit elf Patienten, die bei dem Brand im Lokal Le Constellation verletzt und zur Behandlung von der Schweiz nach Italien gebracht wurden. Einer der schwerstverbrannten Jugendlichen wurde von der Flugrettung Südtirol von der Universitätsklinik Zürich in die Mailänder Klinik geflogen.

Viele Brandopfer benötigen Gewebe aus der „Gewebebank” des Mailänder Krankenhauses, die zu den fünf Einrichtungen dieser Art in Italien gehört – die anderen befinden sich in Turin, Verona, Cesena und Siena. „Unser Vorteil ist, dass wir nur 20 Meter von den Operationssälen entfernt sind”, erklärt Giovanni Sesana, der Leiter der Abteilung „Banca dei Tessuti e Terapia Tissutale” (Gewebebank und Gewebetherapie, Anmerkung der Redaktion), in der acht Biologen und zwölf Chirurgen tätig sind. „Die Nähe ist ein logistischer, aber auch organisatorischer Vorteil. So ist es einfacher, auf die Anfragen der Kollegen zu reagieren und ihre Bedürfnisse zu kennen.“

Die Tätigkeit der Gewebebank gliedert sich in zwei Bereiche: Die Entnahme von Haut- und Bauchspeicheldrüsengewebe von Spendern sowie deren „Verarbeitung” im Labor. Was die Haut betrifft, so wird sie laut Sesana „von den unteren und oberen Gliedmaßen sowie vom Rücken entnommen, da diese Bereiche für die Wiederverwendung an jeder Stelle des Körpers des Empfängers am besten geeignet sind“. Anschließend wird die Haut in gleichmäßige Stücke von etwa 20 bis 30 Zentimetern Länge und fünf bis zehn Zentimetern Breite geschnitten.

ASST Grande Ospedale Metropolitano Niguarda/Giovanni Sesana

Im Gegensatz zu anderen Organen, die so schnell wie möglich transplantiert werden müssen, spielt Zeit bei Hautgeweben eine weit geringere Rolle. „Während wir bei einem Organ ein gewisses Risiko eingehen können, darf das bei der Haut nicht passieren. Daher durchläuft die Haut einen Prozess, in dem sie gereinigt und kontrolliert wird“, fährt der Verantwortliche fort.

Während der Reinigungsschritte im Labor werden alle potenziell infektiösen Mikroorganismen entfernt. Dieser Prozess findet in sterilen Räumen statt, in denen die Luft mithilfe spezieller Filterhauben sauber gehalten wird. „Es ist, als würde man in einem pharmazeutischen Labor arbeiten“, betont Sesana. Nach Abschluss der Kontrollanalysen und der sogenannten „Quarantäne“ ist die Haut für die Verwendung im Operationssaal bereit. Bis dahin wird sie in verpackten Umschlägen in Kühlschränken bei minus 80 Grad aufbewahrt.

Das auf diese Weise behandelte Hautgewebe dient dazu, die verbrannten Körperstellen zu bedecken und zu schützen. Andernfalls wären diese ungeschützt und somit anfällig für Infektionen. „Die Jugendlichen, die in den Brand in Crans verwickelt waren, haben tiefe Wunden. Die Haut muss so schnell wie möglich auf die Verbrennungen aufgebracht werden“, unterstreicht der Leiter der Gewebebank und Gewebetherapie.

Diese müssen jedoch vor dem Eingriff entsprechend vorbereitet werden. „Die Kollegen müssen die verbrannten Hautteile chirurgisch oder mit bestimmten Chemikalien entfernen. Erst dann kann die gespendete Haut aufgebracht werden.“ Dank der Verarbeitung im Labor verursacht diese keine Kompatibilitätsprobleme für die Patientin bzw. den Patienten.

Facebook/ASST Grande Ospedale Metropolitano Niguarda

Das als Abdeckung verwendete Gewebe baut sich nach und nach ab, während sich darunter neue Hautschichten bilden. Insbesondere in sehr komplexen Fällen, wie sie derzeit im Niguarda behandelt werden, kann die Regeneration lange dauern. Es ist nicht selten, dass weitere Eingriffe erforderlich sind. „Die ‚neue‘ Haut kann Narben aufweisen, was nicht nur ein ästhetisches, sondern auch ein funktionelles Problem ist, da Narbengewebe weniger elastisch ist und Bewegungen erschwert“, so Giovanni Sesana.

Derzeit verfügt die Mailänder Bank in ihrem „Tresor“ über 50.000 Quadratzentimeter gebrauchsfertiges Gewebe, zu dem in den nächsten Tagen weitere 10.000 hinzukommen werden. „Wir rechnen damit, dass unsere eigenen Reserven trotz der aktuellen Notlage genügen. Aber wir haben bereits andere Banken kontaktiert, die bereit sind, uns bei Bedarf zu helfen“, so Giovanni Sesana abschließend.

Die Chirurgen des Niguarda geben ihr Bestes, um die schwerverbrannten Jugendlichen zu retten und ihre Hautoberfläche mithilfe von Spenderhaut wiederherzustellen. Doch egal, in welcher Verfassung sie das Krankenhaus wieder verlassen und in ihr gewohntes Leben zurückkehren werden – die schreckliche Tragödie von Crans-Montana wird sie für immer zeichnen.

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