Von: ka
Entracque – Da für die Entnahme von „Problemwölfen” hohe Hürden bestehen, wird weiterhin heftig darüber diskutiert, wie Wölfe davon abgehalten werden können, Nutztiere zu reißen, ohne dass sie von Jägern erlegt werden müssen. Im Mittelpunkt der Debatte stehen Herdenschutzzäune, die Bewachung der Nutztiere durch Hirtenhunde und die Vergrämung der Wölfe durch Gummigeschosse.
Während das Trentino vor allem auf Herdenschutzhunde setzt und die Vergrämung der Wölfe durch Gummigeschosse nur in Einzelfällen Abhilfe schaffen kann, wird in einem Wildtierpark in den italienischen Seealpen ein neuer, innovativer Herdenschutzzaun getestet. Auch wenn die Testergebnisse noch ausstehen, vertreten viele Wildtierforscher die Meinung, dass vor allem ein Zusammenspiel mehrerer Schutzmaßnahmen Wölfe davon abhält, Nutztiere anzugreifen.

Seit der Herabstufung des Wolfs auf europäischer Ebene von einer „streng geschützten“ zu einer „geschützten“ Art im Juni 2025 ist es möglich, die Großraubtiere gegebenenfalls zu entnehmen. Ein Dekret aus dem Jahr 2026 sieht theoretisch Entnahmeraten zwischen drei und fünf Prozent des geschätzten Bestands vor, während auf Staatsebene von einer Obergrenze von maximal etwa 160 Wölfen die Rede ist, die in ganz Italien entnommen werden dürfen. Die Zuständigkeit liegt bei den Regionen und Autonomen Provinzen, vorbehaltlich des technischen Gutachtens des staatlichen Höheren Instituts für Umweltschutz und Umweltforschung ISPRA.
Die Entnahme erfolgt niemals willkürlich, sondern nach strengen Regeln. Unter anderem müssen die Antragsteller nachweisen, dass alle Präventivmaßnahmen – etwa das Aufstellen von Elektrozäunen oder die Bewachung der Nutztiere durch Herdenschutzhunde – fehlgeschlagen sind.
Eine Entnahme kann auch genehmigt werden, wenn es sich um „problematische” Wölfe handelt, die wiederholt Schäden verursacht haben und sich Wohngebieten nähern. In jedem Fall ist ein spezieller Erlass des Präsidenten der Provinz – in Südtirol des Landeshauptmanns – oder der Region erforderlich. Umweltschutzverbände, die der Herabstufung des Schutzstatus des Wolfes kritisch gegenüberstehen, beobachten diese Erlasse ständig und wenden sich häufig an den Staatsrat, um die Tötungen auszusetzen.

Daher wird weiterhin heftig darüber diskutiert, wie Wölfe davon abgehalten werden können, Nutztiere zu reißen, ohne dass sie von Jägern erlegt werden müssen. Im Trentino sind Hütehunde zu einem unverzichtbaren Mittel geworden, um das Vieh vor Wölfen und Bären zu schützen. Die Autonome Provinz Trient hat bereits die Finanzierung von über 100 Hunden dieser Rasse übernommen. Hauptsächlich wird die Rasse Maremmen-Abruzzen-Schäferhund eingesetzt, da diese selbstständig ist und über eine natürliche Verteidigungsfähigkeit verfügt.

Diese Hunde sind keine Haustiere, sondern Arbeitshunde, die darauf trainiert sind, in enger Verbindung mit der Herde zu leben. Ihre Aufgabe ist es, Schafe und Ziegen zu schützen. In jüngster Zeit wird auch ihr Einsatz für Freilandgeflügel, wie Hühner und Puten, erprobt.
Die Nutztierzüchter müssen an speziellen Schulungen teilnehmen, die von der Provinz organisiert werden. Dort lernen sie, wie sie die Hunde richtig führen, insbesondere in touristischen Gebieten. Die Provinz finanziert den Kauf der Hunde und oft auch deren Unterhaltung, beispielsweise Futter- und Tierarztkosten, um die landwirtschaftlichen Betriebe zu unterstützen.

Was die Vergrämung „zu zutraulicher“ Wölfe durch Gummigeschosse anbelangt, hat die ISPRA erst unlängst einen entsprechenden Antrag der Autonomen Region Aosta genehmigt. Hauptsächlich Pietro Genovesi, der Leiter des Instituts für Wildtiere, sprach sich dafür aus: „Wir sind für den Einsatz. Die Wirksamkeit ist zwar sehr begrenzt, aber es gibt keinen Grund, es nicht zu versuchen. In einigen Fällen kann es funktionieren.“ Die Bedenken hängen auch damit zusammen, dass Gummigeschosse im Trentino zwar zulässig sind, aufgrund von Anwendungsschwierigkeiten aber seit einem Jahr nicht mehr eingesetzt wurden.

Da Gummigeschosse nur in Einzelfällen Abhilfe schaffen können, wird neben der Anschaffung von Hütehunden vor allem über Herdenschutzzäune diskutiert. Ein neuartiger Schutzzaun wird derzeit im Wildnaturpark Centro Uomini e Lupi („Zentrum Menschen und Wölfe“) in Entracque in den piemontesischen Seealpen getestet.

Der Tierpark versteht sich als Zentrum für wissenschaftliche Verbreitung und Umweltbildung. Ziel ist es, das Großraubtier bekannt zu machen und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Natur und menschlichem Handeln zu finden. Er ist aber auch eine Aufnahmestation für Tiere, die aufgrund verschiedener Probleme in freier Wildbahn aufgefunden und während der Genesungsphase aufgenommen werden.
Obwohl sie nicht mehr in die Freiheit entlassen werden, können die in Gefangenschaft lebenden Wölfe daher indirekt zur wissenschaftlichen Forschung beitragen: Die abgegrenzten und umschlossenen Parkbereiche ermöglichen es, die Wirksamkeit von Präventionsmethoden in einer kontrollierten Umgebung zu testen.

Derzeit wird im Parkbereich ein neues System zur Abschreckung von Wölfen getestet, die Nutztiere angreifen. Ziel der Teststudie ist es, die Wirksamkeit des sogenannten „Fladry”-Zauns im Zeitverlauf zu bewerten.
„Fladry” ist ein altes Hilfsmittel, das ursprünglich für die Wolfsjagd in Osteuropa entwickelt wurde und heute im Herdenschutz eingesetzt wird. Es besteht aus einer Leine, an der in regelmäßigen Abständen bunte Stoff- oder Plastikstreifen – meist rot oder orange – befestigt sind, die im Wind flattern.

Da Wölfe und andere Beutegreifer von Natur aus misstrauisch gegenüber unbekannten, flatternden Objekten sind, meiden sie dieses Band in der Regel. Bei der im Centro Uomini e Lupi getesteten „Fladry”-Variante sind die Streifen 80 bis 90 Zentimeter über dem Boden angebracht. Die sich bewegenden Fähnchen sollen das Verhalten der Wölfe beeinflussen und sie davon abhalten, sich dem Zaun zu nähern. Bei Bedarf lässt sich der Zaun zudem unter Strom setzen.

In der freien Natur steht dem Wolf ausreichend Wildnahrung zur Verfügung, um das Überleben seines Rudels zu sichern. Aufgrund seiner opportunistischen Art nutzt er jedoch auch von Menschen geprägte Gebiete, insbesondere wenn es um Herden und Vieh geht.
Durch Abschreckungs- und Präventionsmaßnahmen kann die Beutejagd eingeschränkt werden. So ernährt sich der Wolf wieder hauptsächlich von wilden Tieren und erfüllt seine natürliche ökologische Rolle als Großraubtier an der Spitze der Nahrungskette. Die Tester hoffen, dass innovative Herdenschutzzäune das Zusammenleben mit dem Wolf verbessern können. Ob das gelingen kann?












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