Von: ka
Washington – Schon bald nach dem schnellen Erfolg in Venezuela, bei dem es US-Spezialeinheiten innerhalb von weniger als einer Stunde gelang, den langjährigen Staatschef und Diktator Nicolás Maduro gefangenzunehmen und außer Landes zu bringen, verkündete Donald Trump triumphierend, dass das Öl aus Venezuela von nun an in erster Linie in die USA fließen werde.
Aufgrund des desolaten Zustands der venezolanischen Förderanlagen wird die Menge zunächst noch gering sein. Wie der US-Präsident sichtlich stolz auf Truth Social schrieb, soll Venezuela den Vereinigten Staaten jedoch bald zwischen 30 und 50 Millionen Barrel Öl liefern. Der Wert dieser Lieferung wird zu Marktpreisen auf bis zu etwa drei Milliarden Dollar geschätzt.

„Ich freue mich, bekannt zu geben, dass die Interimsregierung Venezuelas 30 bis 50 Millionen Barrel hochwertiges, mit Sanktionen belegtes Öl an die Vereinigten Staaten liefern wird. Dieses Öl wird zum Marktpreis verkauft und der Erlös wird von mir als Präsident kontrolliert, um sicherzustellen, dass er zum Wohle der Bürger Venezuelas und der Vereinigten Staaten verwendet wird. Ich habe Energieminister Chris Wright gebeten, diesen Plan unverzüglich umzusetzen. Das Öl wird mit Tankern transportiert und direkt zu den Entladestellen in den Vereinigten Staaten gebracht“, betonte Donald Trump auf Truth Social .

Laut Fulvio Scaglione, langjähriger Moskau-Korrespondent der katholischen Wochenzeitung Famiglia Cristiana, ist die „America first“-Politik für Trump keine Wunschvorstellung, sondern eine Notwendigkeit – sowohl wirtschaftlich als auch politisch und militärisch. Die Deindustrialisierung der USA, die Konkurrenz durch China – jetzt auch im Technologiebereich – und die enorme Staatsverschuldung zwingen ihn zum Handeln.

Hinzu kommt die leichte, aber fortschreitende Schwächung des Dollars, der heute 56 Prozent der offiziellen Währungsreserven und 41 Prozent der SWIFT-Zahlungen ausmacht – im Jahr 2000 waren es noch 70 bzw. 50 Prozent. Die unmittelbarste Maßnahme besteht darin, sich die Macht über die Ressource Öl zu sichern, die das internationale Produktionssystem noch lange Zeit antreiben wird. Das einfachste Mittel dafür ist für die USA, ihre Militärmaschine in Gang zu setzen. Für diese ist im US-Haushalt für die Jahre 2025–2026 die erstaunliche Summe von einer Billion Dollar vorgesehen.

Direkt oder indirekt – wie im Fall Venezuelas mit den weltweit größten Ölreserven – kontrollieren die Vereinigten Staaten nun einen Großteil der fossilen Brennstoffe des Planeten. Die einzigen großen Ölvorkommen außerhalb der Reichweite der USA befinden sich tatsächlich im Iran, wo offen über einen Regimewechsel diskutiert wird, und in Russland, das aufgrund seines Angriffskriegs auf die Ukraine dringend auf die Erlöse aus seinem Öl angewiesen ist.

Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass die Seeblockade gegen Venezuela – bis hin zur Verfolgung des russischen Tankers „Marinera” von der Karibik bis zum Nordatlantik und schließlich zu seiner Enterung – sowie die Bombardierungen russischer Ölraffinerien, die laut der New York Times offensichtlich durch US-Satellitendaten und Geheimdienstinformationen erst möglich gemacht und koordiniert wurden, Teil einer einzigen Strategie sind.

Der Erfolg Trumps, Nicolás Maduro beseitigt und Venezuela faktisch unter US-Kontrolle gebracht zu haben, ist für Russland und noch mehr für China ein schwerer Schlag. Peking kann seine Pläne, die venezolanischen Ölfelder zu kontrollieren, begraben und wird fortan noch abhängiger vom russischen Öl sein. Moskau hingegen muss hinnehmen, dass die USA ihren Einfluss auf den weltweiten Ölpreis weiter ausbauen werden. Für seinen Krieg bräuchte der Kreml dringend höhere Einnahmen aus seinen Ölverkäufen, doch die Aussichten sind schlecht. Derzeit liegt der Preis für russisches Öl mit knapp über 50 Dollar pro Barrel deutlich unter dem für den russischen Haushalt benötigten Niveau von rund 70 US-Dollar.

Noch wichtiger ist jedoch, dass dies die USA in eine noch dominantere Position auf dem globalen Ölmarkt bringen wird. Dadurch gerät die OPEC in Schwierigkeiten, da sie die USA unter anderem über Venezuela ins eigene Haus kommen sieht. Die BRICS-Staaten, die mit ihrer Idee der Entdollarisierung zu einer Obsession für Trump geworden waren, werden dadurch ausgebremst.

Auch Europa, das selbst nur über wenige Rohstoffe verfügt und seit den Russland-Sanktionen von Energielieferungen aus den USA abhängig ist, könnte in große Schwierigkeiten geraten. Trump hat nun nicht nur den Ölhahn in der Hand, sondern kann auch den Preis entscheidend mitbestimmen. Um ein Beispiel zu nennen: Ein Rückgang des Rohölpreises könnte die EU dazu zwingen, alle Green-Deal-Projekte, die bereits durch das Zollabkommen gelähmt sind, endgültig zu begraben, da alternative Energien dann deutlich teurer wären als fossile Brennstoffe.

Das schmachvolle Ende Maduros wird wahrscheinlich auch das Ende Kubas bedeuten, denn der Insel könnte durch den Energiemangel das Schicksal einer langsamen Strangulation blühen.

Donald Trump ist fest gewillt, den durch das Öl gewonnenen globalen Machtzuwachs dazu zu nutzen, den direkten Einflussbereich der USA zu erweitern. Den „Erwerb” Grönlands, das wegen seiner strategischen Lage und seiner Bodenschätze ganz oben auf seiner Liste steht, könnte die US-Regierung bereits in den kommenden Wochen und Monaten in Angriff nehmen.

Dänemarks – und Europas – Albtraum ist, dass die USA im Windschatten des Kriegs in der Ukraine kontinuierlich den wirtschaftlichen und militärischen Druck erhöhen werden, um Europa zur „Freigabe” Grönlands zu zwingen. In Brüssel und den EU-Hauptstädten zweifelt nach Venezuela kaum jemand daran, dass Trump alle Register ziehen wird, um die arktische Großinsel an sich zu reißen.






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