Aus dem Register der Ärztekammer gestrichen

Arzt soll gehen, weil er „nur“ Deutsch spricht

Dienstag, 16. Juli 2019 | 10:51 Uhr

Bozen – Nachdem die italienische Ärztegewerkschaft ANAAO die österreichische Facharztausbildung in Südtirol zu Fall bringen will, folgt nun der nächste Paukenschlag: Ein Arzt aus Österreich ist aus dem Register der Ärztekammer in Südtirol gestrichen worden und soll nun gehen, weil er „nur“ Deutsch spricht und über eine rein passive Kenntnis der italienischen Sprache verfügt.

Laut einem Bericht der Tageszeitung Alto Adige handelt es sich um den Primar an der Abteilung Pathologie am Bozner Krankenhaus, Thomas Müller. Nachdem das Gesundheitsministerium in Rom eine Überprüfung seiner Sprachkenntnisse von der Ärztekammer verlangt hatte, folgte nun die Streichung.

Sobald der Arzt Rekurs einreicht, wollen ihn das Land und der Sanitätsbetrieb unterstützen. Die Entscheidung ist am Montag im Rahmen eines Treffens mit Landeshauptmann Arno Kompatscher, Gesundheitslandesrat Thomas Widmann, mit der Sprecherin der Autonomiegruppe im Senat, Julia Unterberger, dem Juristen Giuseppe Caia und Vertretern der Anwaltschaft des Landes getroffen worden.

Erbost über die jüngsten Entwicklungen zeigt sich auch die Süd-Tiroler Freiheit. In den letzten Wochen habe in den Südtiroler Spitälern eine „regelrechte Kontrolljagd auf deutschsprachige Ärzte“ stattgefunden. „Nun wurde der erste Arzt aus dem Verzeichnis der Ärztekammer gestrichen und soll gehen, weil er nicht ausreichend Italienisch spricht“, erklärt der Landtagsabgeordnete Sven Knoll.

Für ihn ist der Widerspruch unverständlich. „Wenn in Südtirol Ärzte arbeiten, die kein Wort Deutsch sprechen, ist das in Ordnung, wenn aber Ärzte angestellt werden, die nur Deutsch sprechen, dann sollen sie entlassen werden. Damit wird die deutschsprachige Bevölkerung systematisch diskriminiert und Stück für Stück der Autonomie ausgehöhlt, um das Gesundheitswesen zu italienisieren“, kritisiert der Landtagsabgeordnete.

Das Recht auf Gebrauch der deutschen Sprache in Südtirol sei eine der wichtigsten Grundsäulen der Autonomie.

„Warum schickt Landeshauptmann Kompatscher keine Protestnote nach Rom? Warum nutzt Landeshauptmann Kompatscher die Koalition mit der Lega in Südtirol nicht, um von der italienischen Regierung die Einhaltung der Autonomie einzufordern? Warum schaltet Landeshauptmann Kompatscher nicht die Schutzmachtfunktion Österreichs ein, um gegen die Angriffe auf die Autonomie vorzugehen?“, fragt die Bewegung, die den Landeshauptmann dringend zum Handeln auffordert.

Bei dem Fall handelt es sich Berichten zufolge um ein Nachspiel eines Treffens in Rom, bei dem der Generaldirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebs, Florian Zerzer, um die Möglichkeit gebeten hatte, auch Krankenpfleger einzustellen, die kein Italienisch sprechen.

Am 29. April waren dann Carabinieri der Sondereinheit NAS bei der Ärztekammer in der Volta-Straße in Bozen aufgetaucht, um sich zu erkundigen, ob Ärzte eingetragen sind, die die italienische Sprache nicht beherrschen. Dabei war man auf den Fall von Müller gestoßen. Das Ministerium in Rom hat daraufhin nachgehakt.

Von: mk

Bezirk: Bozen