Grüne auf Seite der Demonstranten

Auf den Brenner folgt der Fernpass

Mittwoch, 24. Juni 2026 | 10:58 Uhr

Von: luk

Bozen – Die geplanten Ausbaupläne am Fernpass sorgen auch in Südtirol für wachsende Bedenken. Die Grünen schlagen Alarm: “Der Vinschgau könnte zur neuen Transitachse werden – mit spürbaren Folgen für Verkehr, Umwelt und Lebensqualität entlang der Strecke.”

“Diesen Samstag sperren Demonstrantinnen und Demonstranten die Straße zwischen Füssen/Reutte und Nassereith für einige Stunden. Die Menschen entlang der stark befahrenen Transitroute wollen sich Gehör verschaffen, wie zuletzt die Anrainer der Brennerautobahn. Sie lehnen den geplanten Ausbau der Fernpassroute ab.” “Zu Recht”, sagen die Grünen Landtagsabgeordneten Madeleine Rohrer, Brigitte Foppa und Zeno Oberkofler. Mit dem Ausbau der Fernpassstraße in Tirol drohe auch im Vinschgau noch mehr Verkehr.

Die Grünen erklären die Ausgangslage: “Bis zu 30.000 Fahrzeuge fahren täglich über den Fernpass. Es ist eine der meistbefahrenen Straßen Tirols, und noch dazu mautfrei. Wenn es am Brenner staut, empfehlen Navigationsdienste bereits heute den Reschenpass und die Vinschger Staatsstraße als Alternative. Die Tiroler Landesregierung plant nun, die kurvenreiche Passstraße durch einen 1,5 Kilometer langen Tunnel zu ersetzen und den bestehenden Lermooser Tunnel mit einer zweiten Röhre von zwei auf vier Spuren zu erweitern – wobei weiterhin nur je eine Spur pro Richtung befahrbar sein soll. Derzeit gilt auf der Fernpassroute ein Fahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen. Den Ankündigungen zufolge soll es beibehalten werden, um zu verhindern, dass die Fernpassroute zur zweiten internationalen Transitachse wird.”

Das sei ein Problem für Südtirol, so die Grünen: “Im Vinschgau gilt kein vergleichbares Lkw-Fahrverbot. Und Südtirol hat in den letzten Jahren kräftig in den Straßenausbau investiert: Die 130 Millionen Euro teure Umfahrung Kastelbell wurde gerade eröffnet, weitere 75 Millionen fließen in die Umfahrung Rabland. Diese Investitionen entlasten die Ortschaften, doch sie machen die Achse Fernpass–Vinschgau gleichzeitig attraktiver für den Durchgangsverkehr. Bereits heute werden in Rabland täglich im Schnitt 17.000 Fahrzeuge gezählt (ASTAT 2024).”

Die Grünen diesseits und jenseits des Reschenpasses gehen davon aus, dass Tirol das Lkw-Fahrverbot nicht mehr halten kann, sobald der Fernpasstunnel in Betrieb geht. “Niemand stellt sich ein teures Auto in die Garage, um es dann nicht zu fahren. Wenn die Straße einmal ausgebaut ist, wird das Lkw-Fahrverbot früher oder später fallen”, so Rohrer. Die Folge sei mehr Schwerverkehr auf der gesamten Achse bis ins Vinschgau – und mehr Belastung für die Menschen, die dort wohnen.

“Der bereits vom Verkehr geplagte Vinschgau darf nicht noch weiter unter die Räder des Transits kommen”, sagt Rohrer. Die Grünen fordern, dass die Landesregierung sich entschieden an die Seite der Menschen entlang dieser Route stellt, die Planung für den abschnittsweise zweigleisigen Ausbau der Vinschgerbahn aufnimmt und die Idee der Reschenbahn aus dem Dornröschenschlaf holt. “Der Vinschgau darf nicht zur Ausweichroute werden. Straßen entlasten wir nur, indem wir gute Alternativen schaffen”, so die drei Grünen Abgeordneten.

Bezirk: Bozen

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