Trumps schneller Erfolg in Venezuela schürt Ängste vor künftiger Übernahme – VIDEO

„BALD“: Kommt Grönland als Nächstes dran?

Montag, 05. Januar 2026 | 08:05 Uhr

Von: ka

Washington/Kopenhagen/Nuuk – Der schnelle Erfolg von Donald Trump in Venezuela, wo es US-Spezialeinheiten innerhalb von weniger als einer Stunde gelang, den langjährigen Staatschef und Diktator Nicolás Maduro gefangenzunehmen und außer Landes zu bringen, schürt erneut Befürchtungen vor einer amerikanischen Übernahme Grönlands. Hochrangige Mitglieder von Donald Trumps „MAGA“-Bewegung richteten nach dem Angriff in Südamerika freudig ihr Augenmerk auf das dänische Territorium.

APA/APA/AFP/US President Donald Trump’s TRUTH SOCIAL

Nur wenige Stunden nach der US-Militäroperation in Venezuela veröffentlichte nicht irgendeine unbekannte Trump-Sympathisantin, sondern die einflussreiche rechtsgerichtete Podcasterin Katie Miller – sie ist die Ehefrau von Stephen Miller, Donald Trumps mächtigem stellvertretenden Stabschef für Politik – auf X eine mit Sternen und Streifen der US-Fahne bedeckte Karte von Grönland mit der Bildunterschrift: „BALD“. Die Androhung der Annexion des rohstoffreichen Gebiets, das zwar Teil des NATO-Bündnisses ist, auf das der US-Präsident jedoch schon lange ein Auge geworfen hat, löste bei den Dänen sofort heftige Empörung aus.

X/Katie Miller

Der dänische Botschafter in den USA, Jesper Møller Sørensen, konterte Millers Provokation mit einem „freundlichen Hinweis“ auf die langjährigen Verteidigungsbeziehungen zwischen beiden Ländern.

„Nur eine freundliche Erinnerung zu den USA und dem Königreich Dänemark: Wir sind enge Verbündete und sollten auch weiterhin als solche zusammenarbeiten. Die Sicherheit der USA ist auch die Sicherheit Grönlands und Dänemarks. Grönland ist bereits Teil der NATO. Das Königreich Dänemark und die Vereinigten Staaten arbeiten zusammen, um die Sicherheit in der Arktis zu gewährleisten. Dänemark hat seine Sicherheitsbemühungen in der Arktis erheblich verstärkt: Allein im Jahr 2025 haben wir 13,7 Milliarden US-Dollar bereitgestellt, die in der Arktis und im Nordatlantik investiert werden können. Denn wir nehmen unsere gemeinsame Sicherheit sehr ernst. Und ja, wir erwarten die uneingeschränkte Achtung der territorialen Integrität des Königreichs Dänemark“, betont Jesper Møller Sørensen auf X.

APA/APA/FRANZOBEL/FRANZOBEL

Das hindert Donald Trump und seine Anhänger, die die sogenannte Monroe-Doktrin längst in „Donroe-Doktrin” umbenannt haben, jedoch nicht daran, ihre seit Jahren beharrlich verfolgte Wühlarbeit fortzusetzen, um Grönland für die USA zu gewinnen. Im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit hat Trump seinen Wunsch, Grönland an die USA anzuschließen, wiederholt bekräftigt. Die Schritte seiner Regierung in diese Richtung haben sowohl in Kopenhagen als auch in der Europäischen Union für Empörung gesorgt.

Donald Trump, der die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten allgemein für „schwach” hält, lässt diese Kritik kalt. Kürzlich ernannte der US-Präsident Jeff Landry, den Gouverneur von Louisiana, zum Sonderbeauftragten und Präsidialgesandten für Grönland. Landry, ein ehemaliger Generalstaatsanwalt, dankte Trump im Dezember für seine Ernennung und sagte, es sei „eine Ehre, Ihnen in dieser ehrenamtlichen Position zu dienen, um Grönland zu einem Teil der USA zu machen“.

APA/APA/UNI GRAZ (Themenbild 08/2025)./ANDREAS TRUEGLER

Am Samstag begrüßte Landry den gewaltsamen Sturz Maduros durch Trump. „Als stellvertretender Sheriff und Generalstaatsanwalt habe ich die verheerenden Auswirkungen illegaler Drogen auf amerikanische Familien gesehen. Angesichts von über 100.000 drogenbedingten Todesfällen pro Jahr bin ich dankbar, dass endlich ein Präsident echte Maßnahmen im Kampf gegen Drogen ergreift. Danke @realDonaldTrump, dass Sie Personen wie Maduro zur Rechenschaft ziehen“, schrieb er auf X.

Seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr sorgt Trump mit seinen Plänen, Grönland zu annektieren, für Verunsicherung unter den europäischen Verbündeten. Der US-Präsident argumentiert, dass die Annexion angesichts der strategischen Lage Grönlands in der Arktis sowie der Vorkommen wichtiger Mineralien für die Hightech-Branche den nationalen Sicherheitsinteressen der USA dienen würde. Nicht umsonst wurde die nördlichste Militärbasis der USA, Pituffik in Grönland, im März von Trumps Vizepräsidenten JD Vance besucht.

 

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Trump hat sich geweigert, militärische Maßnahmen zur Eroberung des Territoriums auszuschließen – zu einem Zeitpunkt, an dem die USA, China und Russland um die Vorherrschaft in der Arktis ringen. Eine solche Aussicht stößt auf der Insel selbst auf breite Ablehnung und sorgt für Unruhe.

„Ich schließe es nicht aus. Ich sage nicht, dass ich es tun werde, aber ich schließe nichts aus.“ Nein, nicht dort. Wir brauchen Grönland dringend“, sagte Trump im Mai gegenüber dem US-Sender NBC, als er zu einer möglichen gewaltsamen Übernahme befragt wurde.

„Grönland hat nur sehr wenige Einwohner, um die wir uns kümmern und die wir schätzen werden. Aber wir brauchen es für die internationale Sicherheit“, bekräftigte der US-Präsident.

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Als Reaktion auf die andauernden Drohungen gegen das Gebiet stufte der dänische Militärgeheimdienst die USA im vergangenen Monat als Sicherheitsrisiko ein. Dies stellt eine dramatische Veränderung in den transatlantischen Beziehungen dar. Die Premierminister von Dänemark und Grönland, Mette Frederiksen und Jens Frederik Nielsen, betonten damals: „Wir haben es bereits zuvor sehr deutlich gesagt. Jetzt sagen wir es erneut. Nationale Grenzen und die Souveränität von Staaten sind im Völkerrecht verankert. Man kann andere Länder nicht annektieren.”

Facebook/Jens-Frederik Nielsen

„Zunächst möchte ich ganz ruhig und klar sagen, dass es weder Grund zur Panik noch zur Unsicherheit gibt. Das von Katie Miller geteilte Bild, auf dem Grönland in eine amerikanische Flagge gehüllt dargestellt ist, ändert nichts an der Sachlage. Unser Land steht nicht zum Verkauf und unsere Zukunft wird nicht durch Beiträge in den sozialen Medien entschieden. Das Bild ist jedoch respektlos. Die Beziehungen zwischen Ländern und Völkern basieren auf Respekt und internationalem Recht, nicht auf symbolischen Gesten, die unseren Status und unsere Rechte ignorieren. Wir sind eine demokratische Gesellschaft mit Selbstverwaltung, freien Wahlen und starken Institutionen. Unsere Position ist im Völkerrecht und in international anerkannten Abkommen klar verankert. Das steht fest. Die Grönländische Landesregierung arbeitet ruhig und verantwortungsbewusst weiter. Wir führen einen Dialog, wahren unsere Interessen und halten uns an die internationalen Spielregeln, an die auch unsere Kooperationspartner gebunden sind. Es gibt keinen Grund zur Panik. Es gibt jedoch guten Grund, sich gegen mangelnden Respekt zu wehren“, protestiert Jens-Frederik Nielsen auf Grönländisch und Dänisch gegen Katie Millers Post auf seiner Instagram-Seite.

Facebook/Jens-Frederik Nielsen

Die überwiegende Mehrheit der rund 57.000 Einwohner Grönlands möchte sich zwar von Dänemark unabhängig machen, hat laut einer Umfrage vom Januar jedoch kein Interesse daran, Teil der USA zu werden. Das Gebiet hat seit 2009 das Recht, seine Unabhängigkeit zu erklären. Jennifer Kavanagh, Direktorin für Militäranalyse bei Defense Priorities, einem Thinktank, der sich für Zurückhaltung in der US-Außenpolitik einsetzt, sagte, sie habe Trumps Säbelrasseln gegenüber Grönland lange Zeit nicht ernst genommen.

„Jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher”, so Kavanagh. „Es wäre für die USA nicht so schwer, ein paar hundert oder ein paar tausend Soldaten in Grönland zu stationieren, und mir ist nicht klar, wer etwas dagegen unternehmen könnte.”

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Kavanaghs Befürchtungen sind nicht unbegründet, denn der schnelle Erfolg in Venezuela könnte Trumps „Appetit” beflügeln. Sein Statement, dass die USA Venezuela nach der Festnahme des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro auf unbestimmte Zeit „verwalten” und dessen enorme Ölreserven ausbeuten werden, löst nicht nur in Kopenhagen und der grönländischen Hauptstadt Nuuk tiefe Besorgnis aus. Schließlich lassen sich die Begriffe „Rohstoffe” und „ausbeuten” eins zu eins auf Grönland ummünzen.

X/Brick Suit

In einem Interview mit dem Magazin The Atlantic bekräftigte Trump am Sonntag erneut, dass die Vereinigten Staaten „Grönland aus Verteidigungsgründen benötigen”.

 

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