Proteste im Iran

Behördenvertreter: Rund 2.000 Tote bei Protesten im Iran

Dienstag, 13. Januar 2026 | 13:08 Uhr

Von: APA/Reuters/AFP/dpa

Bei den Massenprotesten im Iran sind nach staatlichen Angaben rund 2.000 Menschen getötet worden. Darunter seien Zivilisten und Sicherheitskräfte, sagte ein Behördenvertreter am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Verantwortlich dafür seien “Terroristen”. Die seit dem 28. Dezember andauernden Proteste im Iran hatten sich an der schlechten Wirtschaftslage entzündet und waren in Forderungen nach einem Sturz der Führung der Islamischen Republik gegipfelt.

Sicherheitskräfte gingen gewaltsam gegen die Demonstranten vor. Die in den USA ansässige Menschenrechtsorganisation HRANA hatte zuletzt erklärt, bei den Protesten seien bis Montag mindestens 646 Menschen getötet worden. Darunter seien 505 Demonstranten, 113 Angehörige der Sicherheitskräfte und sieben Unbeteiligte. 579 weitere gemeldete Todesfälle würden noch untersucht, hatte Hrana erklärt. Seit Beginn der Proteste seien 10.721 Menschen festgenommen worden. Reuters konnte alle Zahlenangaben nicht überprüfen.

Erste Anklagen

Die Justiz im Iran hat angesichts der laufenden Massenproteste gegen die Staatsführung erste Anklagen in die Wege geleitet. Die Staatsanwaltschaft in Teheran habe gegen mehrere festgenommene Personen Anklage erhoben, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim. Besonders schwere Fälle von “Randalierern” würden demnach vorrangig und gesondert behandelt. Dazu zähle auch der Vorwurf der “Kriegsführung gegen Gott” – ein Tatbestand, der nach islamischem Recht im Iran mit der Todesstrafe geahndet werden kann.

Irans Justizchef hatte am Montag Vergeltung für bei den Protesten getötete Sicherheitskräfte und Polizisten gefordert. Wer Polizeikräfte angegriffen oder Einrichtungen der Sicherheitskräfte und städtische Infrastruktur attackiert habe, müsse vorrangig vor Gericht gestellt werden, sagte Gholamhossein Mohseni-Ejei.

Nach einer tagelangen Kommunikationsblockade können Iranerinnen und Iraner erstmals wieder ins Ausland telefonieren. Das Internet bleibt unterdessen weiter gesperrt, wie Kontakte aus der iranischen Hauptstadt Teheran berichteten. Irans Sicherheitsapparat hatte die Bevölkerung angesichts von Massenprotesten seit Donnerstagabend von der Außenwelt abgeschnitten.

Internationale Reaktionen

Die beiden EU-Länder Spanien und Finnland haben auf die Gewalt gegen Demonstrierende im Iran mit der Einbestellung der iranischen Botschafter reagiert. Dem Botschafter der Islamischen Republik in Madrid sei die “starke Ablehnung und Verurteilung” des Vorgehens der Führung in Teheran gegen die Proteste im Land übermittelt worden, sagte der spanische Außenminister José Manuel Albares am Dienstag dem Sender Catalunya Ràdio.

“Das Recht der iranischen Männer und Frauen auf friedlichen Protest, ihre Meinungsfreiheit müssen respektiert werden”, forderte der spanische Chefdiplomat. Auch die “willkürlichen” Verhaftungen im Iran müssten aufhören. Albares rief die iranische Führung auf, “an die Verhandlungstische” zurückzukehren.

Die finnische Außenministerin Elina Valtonen erklärte am Dienstag im Onlinedienst X: “Irans Regime hat das Internet abgeschaltet, um in aller Stille töten und unterdrücken zu können.” Dies werde ihr Land nicht hinnehmen, sondern noch am Dienstag den iranischen Botschafter einbestellen. “Wir stehen hinter dem iranischen Volk”, versicherte Valtonen. Finnland prüfe in Zusammenarbeit mit der EU “Maßnahmen, um dazu beizutragen, die Freiheit des iranischen Volkes wiederherzustellen”.

Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz rechnet angesichts der Massenproteste im Iran mit einem baldigen Ende der dortigen Staatsführung. “Wenn sich ein Regime nur noch mit Gewalt an der Macht halten kann, dann ist es faktisch am Ende. Ich gehe davon aus, dass wir jetzt hier auch gerade die letzten Tage und Wochen dieses Regimes sehen”, sagte er während seines Indien-Besuchs in Bengaluru. Irans Führung habe ohnehin keine Legitimation in der Bevölkerung durch Wahlen. “Die Bevölkerung steht jetzt auf gegen dieses Regime”, sagte er weiter. “Ich hoffe, dass es eine Möglichkeit gibt, diesen Konflikt friedlich zu beenden. Das muss das Mullah-Regime jetzt auch einsehen.”

Der iranische Außenminister Abbas Araghchi attackierte Merz in den sozialen Medien. “Iraner erinnern sich auch an die widerwärtige Lobpreisung Israels durch Herrn Merz”, schrieb der Minister auf der Plattform X in Anspielung auf Merz’ umstrittene “Drecksarbeit”-Äußerung. Merz hatte im Juni 2025 die israelischen Angriffe auf den Iran verteidigt und gesagt, dass Israel die Drecksarbeit für alle mache. “Schämen Sie sich. Besser noch: Deutschland sollte seine völkerrechtswidrige Einmischung in unserer Region beenden”, schrieb Araghchi weiter. Das iranische Regime betrachtet Israel als Erzfeind.

UNO-Menschenrechtskommissar Volker Türk hat sich entsetzt über die Gewalt gegen Protestierende im Iran gezeigt. “Die Tötung friedlicher Demonstranten muss aufhören”, erklärte der Österreicher am Dienstag in Genf. “Die Stigmatisierung von Demonstranten als ‘Terroristen’, um Gewalt gegen sie zu rechtfertigen, ist inakzeptabel”, fügte Türk hinzu. Die iranischen Behörden versuchten, “mit brutaler Gewalt legitime Forderungen nach Veränderung zu unterdrücken”.

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