Gleiche Chancen für Frauen gefordert

Breites Bündnis kritisiert Aussagen von Bürgermeister Nöckler

Dienstag, 28. April 2026 | 15:27 Uhr

Von: luk

Bozen/Sand in Taufers – Ein breites Bündnis von Organisationen und Netzwerken aus Südtirol hat mit einer gemeinsamen Stellungnahme auf umstrittene Aussagen des Bürgermeisters von Sand in Taufers, Josef Nöckler, reagiert. Die unterzeichnenden Initiativen aus den Bereichen Gleichstellung, Familie und Zivilgesellschaft sehen zentrale Kritikpunkte durch die bisherige Reaktion des Bürgermeisters nicht ausgeräumt.

In der Stellungnahme betonen die Organisationen, dass es ihnen nicht um parteipolitische Auseinandersetzungen gehe, sondern um grundsätzliche Fragen zu Rollenbildern, Werten und Sprache von Personen in öffentlichen Ämtern. Kritik üben sie insbesondere daran, dass Frauen weiterhin primär über Familie und Care-Arbeit definiert würden. Dies reproduziere überholte gesellschaftliche Zuschreibungen.

Das Bündnis spricht sich für Respekt, echte Wahlfreiheit und gleiche Chancen für Frauen in allen Lebensbereichen aus – in Familie, Beruf, Politik und Gesellschaft. Gleichzeitig wird hervorgehoben, dass Care-Arbeit insgesamt mehr gesellschaftliche Anerkennung und bessere politische Rahmenbedingungen benötige. Diese Verantwortung dürfe jedoch nicht allein Frauen zugeschrieben werden, sondern betreffe auch Männer sowie die Gesellschaft als Ganzes.

Hintergrund der Debatte sind mehrere Aussagen Nöcklers. So hatte sich der Bürgermeister gegen die Besetzung eines Verwaltungsrates der gemeindeeigenen Sport Center GmbH mit zwei Frauen und einem Mann ausgesprochen und ein Verhältnis von einer Frau und zwei Männern bevorzugt. Zudem äußerte er sich skeptisch gegenüber Frauen in der öffentlichen Verwaltung und begründete dies unter anderem mit einem persönlichen Erlebnis. Auch Aussagen zur Mutterschaft sorgten für Kritik: Zwar bezeichnete Nöckler Karenz als Recht von Frauen, zugleich stellte er negative Auswirkungen auf die Verwaltung in den Vordergrund, insbesondere bei mehrfacher Inanspruchnahme. Darüber hinaus plädierte er dafür, dass Frauen verstärkt zu Hause bei den Kindern bleiben und dafür finanziell entschädigt werden sollten.

Die unterzeichnenden Organisationen fordern eine sachliche Debatte sowie ein modernes, gleichberechtigtes Zusammenleben. Von politischen Verantwortungsträgern erwarten sie eine respektvolle und verbindende Sprache sowie Entscheidungen, die sich an demokratischen Grundwerten, Chancengleichheit und dem Wohl der gesamten Gesellschaft orientieren.

 

Unterzeichnende Organisationen:

AIED, Giada Gatti, Präsidentin, und der gesamte Vorstand

Alchemilla, Martha Stecher, Präsidentin

Allianz für Familie, Doris Albenberger, Elterninitiative; Christa Ladurner, Sprecherin, Koordinatorin Fachstelle Familie

Ätschbätsch, der feministische Podcast aus den Alpen

Basis Vinschgau Venosta, Vorstand

Die SUSIs, Barbara Plagg

Es geat di a un, Giada del Marco, Mitbegründerin

Frauenmusem, Julia Aufderklamm, Direktorin

Rete al femminile, Co-Leaders Bolzano Roberta Creazzo, Emily Louise Simonis, Marina Baldo, Elisabetta Bartocci, Fabrizia Grimaldi, Silvia Pagliuca

SH – Südtiroler Hochschüler:innenschaft, Neha Kumari Bhati, Vorsitzende

Thrive+ Nora Dejaco, Präsidentin Thrive+ und der gesamte Vorstand

Wnet, Kathrin Pichler, Präsidentin

Bezirk: Bozen

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