Von: luk
Bozen – Die Notaufnahme am Krankenhaus Bozen steht massiv unter Druck. Ein interner Bericht zeichnet ein dramatisches Bild: Personalmangel, endlose Nachtschichten und immer mehr Patienten bringen Ärzte und Pflegepersonal an die Belastungsgrenze.
Seit Jahren leidet die Notaufnahme des Krankenhauses unter chronischem Ärztemangel. Immer weniger Mediziner sind bereit, im Bereich der Akut- und Notfallmedizin zu arbeiten – ein Problem, das längst nicht nur Bozen betrifft. Laut einer aktuellen Erhebung der italienischen Fachgesellschaft für Notfallmedizin (Simeu) wird ab 2026 jede vierte Notaufnahme in Italien mit weniger als der Hälfte des vorgesehenen Personals arbeiten.
Alarmierender Hilferuf aus dem Alltag
Besonders eindringlich ist laut der Zeitung Alto Adige ein anonym verfasster Bericht aus dem Inneren der Notaufnahme, der nun publik wurde. Darin ist von “unendlichen Nächten”, “massiven Schichten” und einem Team die Rede, das “kurz vor dem Abgrund” stehe.
“Wir sind nur noch wenige, seit Dezember haben wir Kollegen durch Kündigungen, Pensionierungen, Burnout und Weggänge verloren”, heißt es darin. Die verbliebenen Ärzte müssten zusätzlich die Dienste ausgeschiedener Kollegen übernehmen. Gleichzeitig nehme die Zahl der Patienten weiter zu. Viele davon würden mit leichten Beschwerden kommen, die eigentlich nicht in die Notaufnahme gehörten.
Druck durch leichte Fälle und lange Wartezeiten
Laut Gesundheitslandesrat Hubert Messner kommen rund 75 Prozent der wartenden Patienten mit grünen oder blauen Codes – also nicht dringenden Fällen. Um diese “unangemessenen Zugänge” zu bremsen, soll in Kürze eine Gebühr für grüne Codes eingeführt werden. Für blaue Codes soll die bestehende Ticketgebühr von derzeit 25 Euro erhöht werden.
Bislang wurden solche Fälle auch über die Ambulanz für Primärversorgung direkt in der Notaufnahme abgefangen. Diese “Fast-Track”-Einrichtung, die jährlich rund 11.000 Patienten versorgte, schließt jedoch am 14. Mai. Künftig sollen kleinere Notfälle in der neuen Gemeinschaftseinrichtung im Stadtviertel Gries behandelt werden.
Falsche Sprachzertifikate verschärfen Krise
Zusätzlich verschärft wurde die Lage durch die Entlassung beziehungsweise Kündigung mehrerer Ärzte im Zusammenhang mit gefälschten Zweisprachigkeitsnachweisen. Dadurch verlor die Notaufnahme seit November weiteres Personal.
Elio Dellantonio, gesundheitspolitischer Verantwortlicher des PD und ehemaliger Primar des Dienstes für Abhängigkeitserkrankungen, spricht von einer Situation, die sich dadurch dramatisch zugespitzt habe. Trotz moderner Infrastruktur, neuer Technologien und motivierter Pflegekräfte sei der ärztliche Bereich inzwischen zum “Albtraum” geworden.
Politik unter Zugzwang
Dellantonio fordert nun ein rasches Eingreifen der Verantwortlichen. Die Notaufnahme brauche “dringend und unaufschiebbar Hilfe”. Besonders unverständlich sei, dass nur wenige Meter entfernt andere Krankenhausabteilungen weiterhin gut funktionierten, während die Notaufnahme an ihre Grenzen stoße.




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