Initiativgruppe fordert offenen Hofburggarten

Bürger äußern sich kritisch zum Heller-Projekt

Donnerstag, 28. März 2019 | 17:08 Uhr

Brixen – Selten gab es im Forum Brixen eine Bürgerversammlung mit so intensiver Diskussion wie am gestrigen Abend, zu der die „Initiative für einen Offenen Hofburggarten“ geladen hatte. Die Initiativgruppe für einen Offenen Hofburggarten stellte dabei ein eigenständig entwickeltes Projekt zur Gestaltung und Führung des Gartens mit Kostenvoranschlag und Deckungsmodell vor, während die Gemeinde Brixen den Schleier über ihren bis dahin sorgsam gehüteten Plänen zum Heller-Projekt ein wenig lüftete.

Zwei Expertinnen und ein Experte (Anni Schwarz, Leiterin der Stadtgärten Meran, Claudia Plaikner, Obfrau des Heimatpflegeverbands Südtirol und Johann Kiem, Vertreter von De Pace Fidei) gaben dabei allgemeine Richtwerte und Einschätzungen vor – etwa zum Thema öffentliches Grün und seiner Pflege in Meran, zu den Werten von Solidarität und Gemeinwohl in der kirchlichen Moral sowie zur Position von Landschafts- und Denkmalpflege.

Mit Spannung wartete das mit rund 400 Personen besetzte Auditorium auf die Vorstellung des Projekts für einen Offenen Hofburggarten. Die Initiative stellte ihre Grundlinien vor und veranschaulichte diese auch visuell: Im Prinzip geht es um einen offenen, frei zugänglichen Hofburggarten mit Zugang von allen Seiten, mit ganztägiger und ganzjähriger Öffnung – zumal am Morgen und Abend – sowie mit einer Gestaltung in Anlehnung an den historischen Obstgarten und an das 2015 verabschiedete Projekt, zudem vielfältige Vegetation mit Freiflächen und Kunstwerken.

„Die geschätzten Kosten belaufen sich auf rund 3,8 Millionen Euro, deren Finanzierung mit der Hälfte des für den „Heller-Garten“ zugesagten Landesbeitrags (rund sechs bis acht Millionen Euro) mühelos möglich wäre“, erklärt die Initiative. Die Führungskosten beziffert die Gruppe mit rund 150.000 Euro im Jahr. Das Ganze stellt die Initiative unter die Devise: „Das doppelte Vergnügen zum halben Preis“.

Die Gemeinde begründete in der Person von Bürgermeister Peter Brunner nochmals ihre Entscheidung für den Heller- Vorschlag: Das Ergebnis des Wettbewerbs 2013-2015 habe die neue Gemeindespitze und -mehrheit nicht überzeugt, sehr wohl hingegen die Vorstellung des Multi-Media-Künstlers André Heller im Sommer/Herbst 2017. So habe der Gemeinderat im Dezember 2017 ohne Gegenstimme für das Projekt gestimmt, das einen intensiv gestalteten Garten mit Eintritt vorsehe. Nun seien konstruktive Gespräche mit der Abteilung für Denkmalpflege über die Realisierung des Heller-Projekts in Gang, ein Finanzierungsansuchen beim Land werde vorbereitet. Bis Mai 2019 seien eine weitere Befassung des Gemeinderates wie eine öffentliche Projekt-Präsentation absehbar; die Dialogbereitschaft der Gemeinde stets vorhanden.

Die anschließende Diskussion mit vielen Wortmeldungen konzentrierte sich laut Initiativgruppe auf folgende Themen: den begrenzten Stellenwert des öffentlichen Grüns in Brixen und dessen notwendigen Schutz und Nutzwert für die Bürgerschaft; die Sorge über die wachsende Kommerzialisierung und Übernutzung des Brixner Stadtkerns; die Gründe für die breite Zustimmung im Gemeinderat, die Frage der Höhe und Transparenz der Kosten für das Projekt Heller sowie die Frage der rechtlichen Begründung der Auftragsvergabe.

Starken Eindruck habe die Wortmeldung des bis 2015 amtierenden Bürgermeisters Albert Pürgstaller hinterlassen, der sich unter sorgsamer Abwägung beider Projekte entschieden für eine sanftere Lösung mit geringeren Kosten, höherem Nutzen und Lebensqualität für die Bürgerschaft aussprach, wie die Initiative erklärt.

„Obwohl sich Bürgermeister und politische Mehrheit im Gemeinderat unbeeindruckt gaben, waren die Stimmung und Entschlossenheit eines großen Teils des Auditoriums eindeutig. Ein wachsender Teil der Bürgerschaft wünscht einen Offenen Hofburggarten, dessen wichtigste Attraktion darin besteht, der Lebensqualität der Menschen in Brixen, aber auch ihrer Gäste zu dienen. Diesen Wünschen sehen wir uns verpflichtet; als ein Auftrag, dem wir weiterhin nachkommen wollen, erklärt die IInitiativgruppe für einen Offenen Hofburggarten abschließend.

Von: mk

Bezirk: Eisacktal