Tätigkeitsbericht 2025 der Antidiskriminierungsstelle

Deutlicher Anstieg von Diskriminierungsbeschwerden

Mittwoch, 10. Juni 2026 | 12:34 Uhr

Von: mk

Bozen – „Die Antidiskriminierungsstelle verzeichnete im vergangenen Jahr einen deutlichen Anstieg der eingegangenen Beschwerden“, so Priska Garbin, Verantwortliche der Antidiskiminierungsstelle, die am heutigen Mittwochvormittag nicht im Südtiroler Landtag anwesend sein konnte, um ihren Bericht persönlich vorzustellen. „200-mal hat die Antidiskriminierungsstelle Menschen zu Diskriminierungsfragen beraten, – auch rechtlich – unterstützt und allgemein über Gleichbehandlung informiert. Insgesamt wurden 61 Fälle mehr als im Vergleichsjahr 2024 registriert. Diese Entwicklung unterstreicht die anhaltende Relevanz von Diskriminierungserfahrungen im Alltag vieler Menschen.“

Ethnische Herkunft ist häufigster Beschwerdegrund

Den größten Anteil der Meldungen machen weiterhin Beschwerden aufgrund der ethnischen Herkunft aus. „Menschen mit Migrationshintergrund berichten von Benachteiligungen in zentralen Lebensbereichen“, unterstreicht Garbin. „Insbesondere bei der Wohnungs- und Arbeitssuche zeigen sich strukturelle Hürden: Ein als ‚fremd‘ wahrgenommenes Aussehen oder ein nicht ortsüblicher Name führen häufig dazu, dass die Chancen auf eine angemessene Wohnung oder eine der Qualifikation entsprechende Arbeitsstelle deutlich sinken.“

Die Vermittlung von Wohnraum stellt dabei ein wiederkehrendes Problem dar, das zahlreiche Betroffene betrifft und strukturelle Ungleichheiten sichtbar macht.

Behinderung: Barrieren und mangelnde Anerkennung unsichtbarer Erkrankungen

Ein weiterer bedeutender Beschwerdeschwerpunkt betrifft Menschen mit Behinderungen. Neben weiterhin bestehenden architektonischen Barrieren, die den Zugang zu öffentlichen und privaten Räumen erschweren, rücken insbesondere nicht sichtbare Behinderungen stärker in den Fokus. „Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Long Covid berichten häufig von entwertenden und verletzenden Erfahrungen“, führt Garbin aus. „Ihre gesundheitliche Situation wird nicht selten infrage gestellt oder nicht ausreichend berücksichtigt, was zusätzliche Belastungen im Alltag und im Berufsleben zur Folge hat.“

Verbesserungen im Gesundheitsbereich

Als positive Entwicklung ist die Initiative der Abteilung Gesundheit hervorzuheben: Unter der fachlichen Leitung von Primar Luca Sebastianelli (Neurorehabilitation, Krankenhaus Sterzing) wurde eine eigene Arbeitsgruppe für Patientinnen und Patienten eingerichtet, die am „Chronic Fatigue Syndrome (CFS)/Myalgische Enzephalomyelitis“ leiden.

Diese hat einen klar strukturierten Diagnoseweg entwickelt, der eine rasche und präzise Erkennung bestimmter Erkrankungen ermöglicht. Darüber hinaus wurde in enger Zusammenarbeit aller beteiligten Fachkräfte ein einheitlicher, zugleich flexibel anpassbarer Behandlungspfad erarbeitet. Ziel ist es, eine individuell abgestimmte Versorgung sicherzustellen und die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig zu verbessern.

Zunahme von Homo-, Bi- und Transphobie

Auch im Bereich der Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität ist ein Anstieg der gemeldeten Fälle zu verzeichnen. Homo-, Bi- und Transphobie bleiben ernstzunehmende gesellschaftliche Herausforderungen. „In diesem Zusammenhang wird auf die Rechte von jungen Menschen hingewiesen, die nach dem Besuch einer Oberschule ihr Geschlecht anpassen“, betont Garbin. „Sie haben Anspruch auf die Ausstellung eines neuen Maturadiploms, das ihre Geschlechtsidentität korrekt widerspiegelt – ein wichtiger Schritt zur Anerkennung und Gleichstellung.“

Fazit

„Die steigende Zahl an Beschwerden“, schließt Garbin, „macht deutlich, dass Diskriminierung in vielen Bereichen nach wie vor Realität ist. Gleichzeitig zeigen gezielte Maßnahmen – insbesondere im Gesundheitsbereich – konkrete Wege auf, wie strukturelle Verbesserungen umgesetzt werden können. Deshalb ruft die Antidiskriminierungsstelle dazu auf, Diskriminierung konsequent zu melden und gemeinsam an einer offenen, respektvollen und chancengerechten Gesellschaft zu arbeiten.“

Bezirk: Bozen

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