Von: APA/dpa/Reuters
Trotz der Verlängerung der Waffenruhe im Krieg zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz bleibt die Lage unruhig. Israels Armee meldete am Freitag einen Drohnenangriff der Hisbollah. Mit Sprengstoff beladene Drohnen der Hisbollah seien in der Nähe eines israelischen Soldaten im Südlibanon detoniert worden. Das Fluggerät sei abgeschossen worden. Indes rief die israelische Armee Bewohner des südlibanesischen Orts Deir Amas zur Flucht auf.
Der Drohnenangriff löste in mehreren Gegenden im Norden des Landes Warnsirenen aus. Das teilte Israels Armee am Freitag mit. Es habe keine Verletzten in den Reihen des israelischen Militärs gegeben. Israels Armee sprach von einem “eklatanten Verstoß gegen die Waffenruhe-Vereinbarung”. Auch die Hisbollah warf Israel erneut vor, das Abkommen verletzt zu haben.
Fluchtaufruf und israelische Angriffe im Südlibanon
Israels Armee forderte indes die Einwohner des südlibanesischen Orts Deir Amas, von wo aus die Geschosse abgefeuert habe, zur Flucht auf. Für das Gebiet hatte das israelische Militär bereits während des Kriegs einen Fluchtaufruf veröffentlicht. Zuletzt waren einige Einwohner dorthin zurückgekehrt. Libanesische Sicherheitskreise bestätigten am Nachmittag einen israelischen Luftangriff dort. Berichte über Opfer gab es zunächst nicht.
Zuvor hatte die israelische Armee angegeben, zwei Mitglieder der Hisbollah-Miliz getötet zu haben. Beide seien bei einem Angriff auf ein Haus im Ort Tulin im Südlibanon am Freitag ums Leben gekommen, hieß es aus libanesischen Sicherheitskreisen. US-Präsident Donald Trump hatte am Vortag eine dreiwöchige Verlängerung der Waffenruhe verkündet. Die Hisbollah nannte die Waffenruhe bedeutungslos. Auch die Hisbollah habe das Recht, auf israelische Angriffe zu reagieren, hieß es in der ersten Stellungnahme der Hisbollah nach Verlängerung der Waffenruhe.
Israels Militär teilte am Vormittag mit, der Angriff sei als Reaktion auf Raketenbeschuss der Hisbollah-Miliz erfolgt. Die israelische Armee sagte, sie habe militärische Anlagen der Miliz in Tulin sowie in einem weiteren südlibanesischen Ort ins Visier genommen. Israel darf sich laut der aktuellen Waffenruhe-Vereinbarung gegen geplante, unmittelbar bevorstehende oder andauernde Angriffe verteidigen.
Trump kündigt Treffen mit Netanyahu und Aoun an
“Die Vereinigten Staaten werden mit dem Libanon zusammenarbeiten, um ihm dabei zu helfen, sich vor der Hisbollah zu schützen”, sagte indes Trump. Zudem werde er in naher Zukunft den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu und den libanesischen Präsidenten Joseph Aoun empfangen.
Das Treffen im Weißen Haus bezeichnete er als historisch. Seinen Angaben zufolge hatten neben Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio auch die US-Botschafter in Israel und im Libanon sowie ranghohe Vertreter Israels und des Libanon teilgenommen.
Seltenes Treffen in Washington
Bereits in der vergangenen Woche hatte es in Washington direkte Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon gegeben: Deren Botschafter in den USA kamen im US-Außenministerium zu Gesprächen zusammen – das erste Treffen dieser Art seit Jahrzehnten. Der Libanon will den Einfluss der Hisbollah im Land aber eindämmen und ist auch keine aktive Konfliktpartei im Krieg der Miliz mit Israel. Die libanesische Regierung hat den Druck auf die Hisbollah erhöht.
Israel strebt nach Worten Netanyahus ein dauerhaftes Friedensabkommen mit dem Libanon an sowie eine Entwaffnung der Hisbollah. Die libanesische Regierung will eine dauerhafte Waffenruhe und einen Abzug der israelischen Soldaten aus dem Süden des Landes erreichen. Die Hisbollah weigert sich bisher aber, die Waffen abzugeben, und Israels Truppen sind seit eineinhalb Jahren im südlichen Libanon stationiert – bisher ohne Aussicht auf einen raschen Abzug. Ein umfassendes Friedensabkommen ist deshalb fraglich.
Waffenruhe auch im Iran-Krieg verlängert
Der Krieg im Libanon hängt eng mit dem Iran-Krieg zusammen, weil der Iran der wichtigste Unterstützer der Hisbollah ist und diese auch im Interesse von oder auf Weisung aus Teheran handelt. Auch im Iran-Krieg hat Trump kürzlich eine geltende Waffenruhe kurz vor dem Ablaufen einseitig verlängert. Die Waffen sollen demnach schweigen, bis die iranische Führung mit einem geeinten Vorschlag an den Verhandlungstisch kommt, wie Trump mitteilte. Der Iran äußerte sich bisher nicht dazu.
Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar liefern sich auch die Hisbollah und das israelische Militär eine erneute schwere Konfrontation. Als Reaktion auf die Tötung des iranischen obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei feuert die Hisbollah seit Anfang März erneut Raketen in Richtung Israel. Dabei gab es dort mehrere Tote. Die israelische Luftwaffe reagierte mit massiven Luftangriffen, bei denen mehr als 2.000 Menschen getötet und etwa 1,2 Millionen vertrieben wurden. Das israelische Militär verstärkte zudem seine Präsenz im Südlibanon und rückte dort mit seinen Bodentruppen auch weiter vor, um laut eigenen Angaben gegen die Hisbollah vorzugehen.




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