Von: APA/dpa/Reuters
Im Libanon sind laut Behördenangaben am Mittwoch Dutzende Menschen durch israelische Angriffe ums Leben gekommen. 64 Menschen seien getötet und 142 verletzt worden, teilte das Gesundheitsministerium in Beirut mit. Am Abend meldete wiederum die israelische Armee, die libanesische Hisbollah-Miliz habe Dutzende Raketen auf Nordisrael abgefeuert. Das Militär meldete Einschläge. Der Rettungsdienst Magen David Adom teilte mit, eine Frau sowie ein Mann seien leicht verletzt worden.
Die “Times of Israel” sprach vom “größten Hisbollah-Angriff auf Israel” seit Anfang des Monats, als die Miliz als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Khamenei nach einer langen Kampfpause wieder Raketenangriffe auf Israel begann.
Der US-Sender CNN hatte zuvor unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute israelische Quellen berichtet, dass sich Israel auf eine Ausweitung der Angriffe aus dem Iran und der Hisbollah in der Nacht vorbereite. Auch der israelische Sender Channel 12 meldete, der Raketenbeschuss aus dem Iran und von der Hisbollah werde in der Nacht heftiger ausfallen.
Israels Armee meldete am Abend zugleich, sie habe eine neue “großangelegte Angriffswelle” auf Ziele der Hisbollah in den Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut begonnen. Das Militär hatte zuvor Bewohner dort zur Flucht aufgefordert.
Ministerium: Bisher 634 Menschen getötet
Seit Ausbruch der jüngsten Eskalation wurden im Libanon laut Gesundheitsministerium bisher 634 Menschen getötet und 1.586 weitere verletzt. Das israelische Militär griff nach libanesischen Angaben im Zentrum der Hauptstadt Beirut und im Süden des Landes an.
Allein bei einem Angriff auf Tebnine unweit der israelischen Grenze seien acht Menschen getötet worden, hieß es. Am Vormittag hatte ein Behördenvertreter Journalisten erklärt, im Stadtzentrum von Beirut habe es durch Luftangriffe mindestens vier Todesopfer gegeben. Libanesische Medien zeigten mehrere zerstörte Stockwerke des Wohngebäudes nach dem Angriff in den frühen Morgenstunden des Mittwoch.
Israels Armee teilte mit, Ziel seien Kommandozentren der mit dem Iran verbündeten Hisbollah-Miliz gewesen sowie Einrichtungen in dem Vorort Dahija, in denen diese Waffen lagerte.
Auch im Süden des Landes sowie in der östlichen Bekaa-Ebene gingen die Angriffe nach Berichten der staatlichen Nachrichtenagentur NNA weiter. In der Bekaa-Ebene wurden nach offiziellen Angaben mindestens sieben Menschen getötet und 18 weitere verletzt. Die Hisbollah-Miliz teilte mit, sie habe gestern Abend und in der Nacht mehrmals israelische Truppen im südlichen Libanon mit Raketen angegriffen.
Israel verlegt Truppen von Gaza an Grenze zum Libanon
Angesichts des fortwährenden Konflikts mit der libanesischen Hisbollah-Miliz verlegt die israelische Armee Truppen aus dem Gazastreifen an die Grenze zum Libanon. Nach einer Lagebewertung habe Generalstabschef Eyal Zamir die Verstärkung des Nordkommandos angeordnet. Die Golani-Brigade soll daher vom Süden in den Norden verlegt werden. Im Libanon herrscht die Sorge vor einer größeren Bodenoffensive Israels in dem Land.
Soldaten der Infanterieeinheit Golani waren seit Beginn des Gaza-Kriegs vor zweieinhalb Jahren immer wieder im Gazastreifen im Einsatz. Die Armee gehe entschlossen gegen die Hisbollah vor, nachdem diese sich entschieden habe, Israel im Auftrag des Irans gezielt anzugreifen, hieß es weiter in der Mitteilung. Die mit Teheran verbündete Hisbollah hatte vor rund einer Woche im Zuge des Iran-Kriegs neue Angriffe auf Israel gestartet.
Diese Angriffe der Miliz waren die ersten seit der Vereinbarung einer Waffenruhe im November 2024 nach einem einjährigen Krieg mit Israel. Israel hatte auch während der Waffenruhe weiter Hisbollah-Ziele angegriffen, mit der Begründung, die Miliz halte sich nicht an die Vereinbarungen und wolle sich neu bewaffnen. Wegen der Angriffe warf auch die Hisbollah Israel vor, sich nicht an die Abmachungen zu halten.
EU sagt 100 Millionen Euro an humanitärer Hilfe zu
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte nach einem Telefonat mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun an, die Europäische Union werde den Libanon mit 100 Millionen Euro an humanitärer Hilfe unterstützen. Die EU habe bereits 40 Tonnen Hilfsgüter in den Libanon geliefert und plane weitere Hilfsflüge, sagte von der Leyen.
Sie bekundet die Solidarität der EU mit dem Land im Nahen Osten und seiner Bevölkerung. Zudem begrüßt sie die Entscheidung, alle militärischen Aktivitäten der Hisbollah zu verbieten. “Wir müssen einen souveränen und stabilen Libanon für seine Bevölkerung sicherstellen”, schrieb von der Leyen auf der Plattform X. Die radikal-islamische Hisbollah hat noch immer Einfluss im Libanon. Sie ist sowohl Partei als auch Miliz und mit dem Iran verbündet.




Aktuell sind 2 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen