Der Krieg hat Millionen Menschen in die Flucht getrieben

Fast zehn Millionen Flüchtlinge aus der Ukraine

Mittwoch, 18. Februar 2026 | 08:55 Uhr

Von: apa

Vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs sind fast zehn Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer aus ihrer Heimat geflohen – 3,7 Millionen davon innerhalb der Ukraine, 5,9 Millionen außer Landes. Im Jahr 2025 kam es laut UNHCR zu einem erheblichen Anstieg von Vertreibungen und Evakuierungen aus Frontgebieten – fast 90.000 Menschen wurden in Transitzentren verzeichnet. Seit 2022 gab es außerdem jedes Jahr immer weniger Rückkehrende, obwohl der Wunsch da wäre.

Nach Schätzungen des UNHCR sind seit Kriegsbeginn 1,4 Millionen der Geflüchteten für mindestens drei Monate in die Ukraine zurückgekehrt. Der Großteil davon im Jahr 2022. Seitdem soll die Zahl der Rückkehrenden kontinuierlich schrumpfen: Waren es 2023 noch 35 Prozent, kamen 2025 nur 11 Prozent in ihr Heimatland zurück. Eine Vielzahl der Rückkehrenden hätte laut der UNO-Organisation nicht die Möglichkeit, an ihren Heimatort zurückzukehren, da sich diese teilweise noch in besetzten Gebieten befinden.

Rückreisen würde die Flüchtlingsorganisation derzeit nicht begrüßen: “Es herrscht der Irrglaube, die westlichen Regionen seien sicher. Aber kein Gebiet in der Ukraine ist wirklich sicher”, so Iryna Tymtschyschyn, UNHCR-Mitarbeiterin vor Ort, im Gespräch mit der APA. Laut einer aktuellen Umfrage des UNHCR wünschen sich 61 Prozent der ukrainischen Geflüchteten und 73 Prozent der Binnenvertriebenen eines Tages in ihre Heimat zurückzukehren. Unentschlossenheit hinsichtlich einer Rückkehr wird jedoch immer öfter kommuniziert.

Mehrheit in Deutschland

Von den derzeit fast zehn Millionen Ukrainerinnen und Ukrainern, die ihr Zuhause verlassen mussten, entschieden sich rund sechs Millionen für eine Flucht ins Ausland. Die überwiegende Mehrheit lebt mittlerweile in Europa, wobei Deutschland mit 1,3 Millionen die meisten Geflüchteten beherbergt.

Im Unterschied zu Deutschland lebt in Österreich europaweit nur ein sehr kleiner Teil. Grund könnte die vergleichbar kleine ukrainische Diaspora hierzulande sein, vermutet UNHCR-Sprecherin Ruth Schöffl. Der Großteil der über fünf Millionen Geflüchteten, die sich derzeit in Europa befindet, sind Frauen und Kinder. Nur 25 Prozent der Geflüchteten machen Männer aus, zeigt eine aktuelle Erhebung von Eurostat.

Als Gründe für ihre Ausreise nennen Ukrainerinnen und Ukrainer laut UNHCR zuletzt nicht nur Sicherheitsbedenken. Zunehmend beeinflussen auch Energieversorgungsschwierigkeiten wie Strom- und Heizungsausfälle ihre Entscheidung.

Internationale Unterstützung nimmt ab

Unterdessen verbleiben beinahe vier Millionen der Vertriebenen Schutzsuchende im eigenen Land. Der Großteil dieser Binnenflüchtlinge seien nach Tymtschyschyn ältere Menschen, Frauen und Kinder – vulnerable Gruppen, denen die Ausreise aus finanziellen oder körperlichen Gründen nur schwer möglich ist. 71 Prozent sollen sich schon seit über zwei Jahren auf der Flucht befinden und bereits mehrfachen Vertreibungen ausgesetzt sein. Zuflucht finde die überwiegende Mehrheit in den Städten Dnjepropetrowsk, Charkiw und Kiew.

Wohnraumbeschaffung für Binnenvertriebene stellt laut UNHCR eine zentrale Herausforderung im gesamten Land dar. In sogenannten “Collective Sites” werden Räumlichkeiten in Studierendenheimen und ehemaligen Schulgebäuden zur Verfügung gestellt und neben finanzieller Unterstützung und Rechtsberatung, auch psychologische Betreuung geboten. Die temporäre Lösung zu Beginn des Angriffskrieges ist für viele Vertriebene eine langfristige Wohnsituation geworden, erklärt Tymtschyschyn, die sie vor infrastrukturelle Herausforderungen stelle.

Entsprechende finanzielle Mittel aufzustellen sei laut Tymtschyschyn seit vergangenem Jahr deutlich schwieriger, sodass Unterstützung gekürzt werden muss: “Wir benötigen etwa 470 Millionen, um allen Hilfe leisten zu können. Dafür sind wir auf eine anhaltende internationale Unterstützung angewiesen.” Die Solidarität mit der Ukraine, die zu Kriegsbeginn noch deutlich höher war, sei laut UNHCR 2025 spürbar zurückgegangen. Gerade diese sei nach Tymtschyschyn aber für die Menschen vor Ort sehr wichtig: “Wir beobachten, dass die Menschen hier zunehmend erschöpft sind. Für Millionen war die Situation – sowohl an den Frontlinien als auch in ländlichen Gebieten – äußerst belastend, und ein Ende ist nicht in Sicht.”

(Das Gespräch führte Katharina Nieschalk/APA).

( S E R V I C E : https://www.unhcr.org/)

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