Mehr als die Hälfte der 1.000 Flüchtlinge lebt in Bozen

Flüchtlinge: 300 Plätze in den Gemeinden fehlen noch

Dienstag, 06. September 2016 | 12:11 Uhr

Bozen – 1001 Flüchtlinge leben in Südtirol, mehr als die Hälfte befindet sich in Bozen. Landesrätin Martha Stocker hatte den Gemeinden jüngst die Rute ins Fenster gestellt und gefordert, sich an der Unterbringung von Flüchtlingen zu beteiligen. Denn noch immer fehlen über 300 Plätze.

Während man sich in Riffian bereits auf die Ankunft von 25 Flüchtlingen vorbereitet, hinken andere Gemeinden bei der Bereitstellung von Unterkünften noch hinterher. „Es ist nicht so, dass wir uns drücken wollen. Aber wo es keine Landesimmobilie gibt und Private sich nicht melden, sind uns die Hände gebunden“, erklärt Gemeindenchef Andreas Schatzer.

Bei der Aussprache im Rat der Gemeinden mit der Landesrätin signalisierten die Bürgermeister ihre grundsätzliche Bereitschaft. Weil das Land aber Strukturen unter 25 Flüchtlinge ablehnt, würden sich kleinen Landgemeinden schwertun, erklärt Schatzer. Zudem soll laut den Gemeinden verhindert werden, dass Flüchtlinge in Orte hinkommen, wo es bereits einen hohen Ausländeranteil gibt.

Schatzer zeigt sich dennoch zuversichtlich: „Es stehen jetzt noch 300 Plätze aus, bei 30 Personen im Durchschnitt wären das zehn Strukturen. Das wird wohl bei 116 Gemeinden zu finden sein.“ Auch eine Beteiligung der kleinen Gemeinden an den Unterkünften habe man angeboten, „aber eher für den Moment, wenn die Flüchtlinge mit positivem Asylbescheid die Strukturen verlassen müssen.“

Die Bürgermeister, die bereits Flüchtlingsunterkünfte haben, hätten laut Schatzer den anderen Mut gemacht. Die anfänglichen Befürchtungen seien nicht eingetreten. In Bozen hätten hingegen keine Flüchtlinge mehr Platz, erklärt Schatzer gegenüber den „Dolomiten“.

528 Flüchtlinge sind dort derzeit untergebracht – aufgeteilt auf die Erstaufnahmeeinrichtung in der Schlachthofstraße sowie das Hotel Alpi und die Caritas-Häuser „Aaron“ und „Sara“. Dazu kommen noch einmal rund 340 Personen, die in den Notunterkünften „Ex-Lemayr-Halle“ und bei der Salewa untergebracht sind. Diese Personen sind außerhalb der staatlichen Zuweisungen nach Südtirol gelangt. Für sie gibt es keine geordneten Unterkünfte.

Villa Frasnelli noch immer leer

Eine weitere Unterkunft für Flüchtlinge in Bozen stellt der Unternehmer Helmuth Frasnelli in einer Villa dem Land kostenlos zur Verfügung. 35 bis 40 Personen hätten dort Platz. Bislang ist allerdings noch niemand eingezogen, was nicht nur bei Frasnelli für Verwunderung sorgt.

Die Verzögerungen seien auf die Notwendigkeit der Einhaltung von baulichen Sicherheitsbestimmungen zurückzuführen, erklärt Soziallandesrätin Martha Stocker laut „Dolomiten“. Es müssten „bestimmte Anpassungsarbeiten“ ausgeführt werden, bevor die Villa im Bozner Stadtteil Gries von Flüchtlingen bezogen werden könne. Besonders streng seien die Auflagen, wenn in einer Struktur mehr als 25 Personen aufgenommen werden.

Frasnelli wundert sich unterdessen, warum das Land niemanden geschickt habe, um die Anpassungsarbeiten vorzunehmen. Zudem erklärte sich der Unternehmer selbst bereit, die Arbeiten in Auftrag zu geben, wie er im Interview mit dem Tagblatt Dolomiten erklärt.

 

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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11 Kommentare auf "Flüchtlinge: 300 Plätze in den Gemeinden fehlen noch"


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OrB
Grünschnabel
23 Tage 20 h

Wenn alle straffälligen zurückgeschickt würden, wären genug Plätze frei!

maria zwei
Tratscher
23 Tage 20 h

diese Meinung teile ich

Steuerzahlerin
Grünschnabel
23 Tage 20 h

die Villa von Herrn Fasnelli nicht gut genug für unsere Gäste? Oder die Zone Gries zu vornehm? oder passt sie nicht ins Bild nebem dem Regierungskommisariat? Soziallandesrätin was wird hier gespielt?

a sou
Neuling
23 Tage 20 h

In Bozen Gries wäre die Villa des Herren Frasnelli, pico bello bezugsfertig für ca. 30 Personen. Der Besitzer stellt diese Immobilie gratis zur Verfügung. Doch Frau Stocker scheint da nicht wirklich was wissen zu wollen. Vielleicht weil sie gratis ist? Oder in der Zone gewisse Damen und Herren vergrault werden könnten? Man weiss es nicht… 

Das ist KEIN Witz! Die Villa gibt es und sie steht tatsächlich für Flüchtlinge zur Verfügung, falls es jemand noch nicht weiss.

meinungs.freiheit
Grünschnabel
23 Tage 19 h

Find nicht richtig dass Südtirol pro Kopf mehr Flüchtlinge aufnimmt als die meisten italienischen Provinzen. Was ist los mit der Autonomie und Minderheitenschutz ? Man denke nur an die Gräueltaten des italienischen Faschismuß wo durch die Option tausende Einheimische ausgesiedelt und “Fremde” eingesiedelt wurden und das in der neueren Geschichte Südtirols.

Neumi
Grünschnabel
23 Tage 16 h

WÄRE sicher nicht richtig, da stimme ich zu. Aber das Gegenteil ist der Fall.
1000 Flüchtlinge auf 520000 Einwohner.
Das ist einer auf 520, sprich: ~0.2%
Rom verlangt 0.9% von allen Provinzen.

Kannst du ehrlich sagen, dass die “meisten” italienischen Provinzen unter 0.2% aufnehmen?

Schließlich gilt es noch die halbe Million rechnerisch irgendwo unterzubringen, die heuer hier aufgetaucht ist.

dog
Grünschnabel
23 Tage 17 h

nimmt es ja nicht…

ex-Moechteg.Lhptm.
Grünschnabel
23 Tage 16 h

abgesehen dass ich gegen die aufnahme von wildfremden leuten bin und das auch noch ohne jegliche gegenleistung, denn man stelle sich vor in einem zoo werden alle käfige geöffnet, es wäre der tod für alle, mit ausnahme des stärksten.
ja abgesehen davon ist das ehemalige grundbuchamt in der bozner duca-d’ aosta-str komplett leer. riesiger komplex

Septimus
Grünschnabel
23 Tage 17 h

@ a sou
Sehr gute Feststellung…

tomsn
Grünschnabel
23 Tage 12 h

Boote 180*drehen und volle Kraft voraus! Ab in di Haimat!

WM
Tratscher
21 Tage 15 h

Katastrophal alle abgeschobenen flüchtlinge tauchen unter und keiner wird ausgewiesen….

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