Von: mk
Bozen – Vaterschaftsurlaub ist Zukunftssicherung – für Familien, Wirtschaft und Gesellschaft. Dies betont der Katholische Familien-verband Südtirol (KFS) in einer Aussendung, nachdem das italienische Parlament eine Verlängerung des verpflichtenden Vaterschaftsurlaubs auf vier Monate mit Verweis auf Kosten- und Umsetzungsfragen abgelehnt hat. Für den Verband zeige die Entscheidung einmal mehr, dass das Spannungsfeld zwischen Familie und Beruf politisch zwar vielfach beschworen, aber strukturell nicht entschlossen und nicht konkret genug angegangen werde. Gerade jetzt brauche es verbindliche Maßnahmen statt bloßer Absichtserklärungen.
„Wenn ein Unternehmen eine neue Maschine anschafft, investiert es selbstverständlich in Wartung, Pflege und Weiterentwicklung. Niemand käme auf die Idee, die Produktionsgrundlage auszubeuten, ohne in ihren Erhalt zu investieren. Doch genau das passiert tagtäglich bei der wichtigsten Ressource unserer Gesellschaft: Familien. Väter übernehmen Verantwortung, begleiten Schwangerschaft und Geburt, unterstützen ihre Partnerinnen, bauen Bindung zu ihren Kindern auf und sichern damit langfristig Stabilität, Gesundheit und Leistungsfähigkeit der nächsten Generation“, so der KFS. Diese frühe Fürsorgearbeit sei kein „Privatvergnügen“, sondern eine gesellschaftliche Investition.
„Alle reden von der Vereinbarkeit Familie und Beruf und trotzdem wird sie strukturell kaum abgesichert, passiert konkret auch in Südtirol wenig dazu. Wer als Vater Zeit für sein neugeborenes Kind nimmt, trägt häufig finanzielle Einbußen oder berufliche Nachteile. Das ist weder zeitgemäß noch wirtschaftlich klug. Die Entscheidung wird als verpasste Chance wahrgenommen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu stärken und damit langfristig dem demografischen Wandel entgegenzuwirken“, erklärt der KFS.
„Der KFS fordert einen längeren obligatorischen Vaterschaftsurlaub mit fairer Entlohnung“, nimmt KFS-Präsidentin Sieglinde Aberham ausführlich Stellung zum viel diskutierten Thema. „Als Katholischer Familienverband sehen wir in einer längeren, verpflichtenden Vaterschaftszeit eine wichtige Unterstützung für Familien, Jobs und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die aktuell getroffene Entscheidung in Italien bedeutet einen Rückschritt in der Familienpolitik und erschwert Chancengleichheit zwischen Vätern und Müttern. Gleichzeitig geben wir nicht auf: Wir unterstützen ausgewogene, bezahlbare Modelle, die echte Wahlfreiheit schaffen und Familienprozesse nachhaltig entlasten. Wer von Fachkräftemangel und Zukunftssicherung spricht, muss dort investieren, wo beides entsteht: in Familien“.
Aberham betont weiter: „Ein verbindlicher, gut bezahlter Vaterschaftsurlaub ist keine freiwillige Sozialleistung, sondern eine Investition in Gleichstellung, in stabile Partnerschaften und in die Zukunft unserer Kinder.“
Damit fordert der KFS die konsequente Einführung und Absicherung eines verbindlichen, gut bezahlten Vaterschaftsurlaubs. „Wir erwarten von Vätern Verantwortung, Präsenz und Engagement in der Familie. Gleichzeitig lassen wir sie in der sensibelsten Phase – rund um die Geburt eines Kindes – strukturell allein. Das passt nicht zusammen“, erklärt Margareth Mair Engl in ihrer Funktion als Leiterin des KFS-Fachausschusses Familienpolitik und betont: „Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist kein Luxus, sondern eine Mindestvoraussetzung für eine zukunftsfähige Gesellschaft. Ein längerer Vaterschaftsurlaub stärkt Bindung, fördert Gleichstellung und reduziert den demografischen Druck.“
Die ersten Wochen nach der Geburt seien entscheidend für Bindung, partnerschaftliche Aufgabenteilung und die Entlastung der Mütter. Ohne klare gesetzliche Regelung bleibe Vaterschaftsurlaub jedoch vom Wohlwollen einzelner Arbeitgeber oder den finanziellen Möglichkeiten der Familien abhängig. Das benachteilige insbesondere junge Familien mit geringeren Einkommen.
Der KFS fordert daher:
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einen gesetzlich verankerten, bezahlten Vaterschaftsurlaub unmittelbar nach der Geburt
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eine ausreichende Lohnersatzleistung ohne finanzielle Abschreckung
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arbeitsrechtliche Absicherung und Kündigungsschutz
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eine gesellschaftliche und politische Anerkennung von aktiver Vaterschaft
Vaterschaftsurlaub stärke Familien, fördere Gleichstellung und sei ein Beitrag zur nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung. „Wer Verantwortung einfordert, muss auch die passenden Rahmenbedingungen schaffen. Eine moderne Gesellschaft darf nicht nur von Engagement sprechen, sie muss es ermöglichen. Und auch Vaterschaftsurlaub ist kein Luxus. Er ist ein notwendiger Schritt zu echter Gleichberechtigung und nachhaltiger Wirtschaftskraft“, so der KFS.
Der KFS unterstreicht abschließend die Bedeutung familienfreundlicher Rahmenbedingungen, um Familie, Beruf und gesellschaftliche Teilhabe nachhaltig zu ermöglichen.




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