Landtagsanfrage der Grünen

Grausame Tiertransporte: “Südtirol ist Teil davon”

Donnerstag, 20. Februar 2020 | 12:25 Uhr

Bozen – Es wird wieder von Transporten von Kälbern und anderen Nutztieren gesprochen, die in Länder führen, in denen die Tiere auf gröbste und unmenschliche Weise behandelt und schließlich geschlachtet werden. „Das Thema hat internationale Dimension und Südtirol ist, wissend oder nicht, Teil davon“, erklären die Grünen im Südtiroler Landtag.

Bereits 2018 und 2019 waren die Grünen in mehreren Landtagsanfragen den Transporten von Nutztieren, insbesondere Kälbern durch Südtirol bzw. von Südtirol in andere Länder nachgegangen. „Wir haben dadurch erfahren, dass im Jahr 2018 insgesamt 170.432 Rinderbewegungen aus Südtirol stattgefunden haben und dass im selben Jahr insgesamt 15.206 Kälber in der Sammelstelle am Ritten gezählt wurden, die von Österreich, Bayern und auch Südtirol in oberitalienische Betriebe oder Länder wie Spanien oder Polen transportiert wurden“, so die Grünen.

Da laut Auskunft der Landesregierung nicht vorgesehen sei, dass Tiere, die Südtirol ohne Zwischenstopp durchqueren, gemeldet werden, wisse man offenbar nichts über die Anzahl von Nutztieren, die unser Land durchqueren.

„Dieses Unwissen ist immer problematischer, zumal die Enddestination immer öfter Länder sind, in denen Tiere absolut nicht artgerecht behandelt und geschlachtet werden. Das Thema hat internationale Dimension und Südtirol ist, wissend oder nicht, Teil davon“, betonen die Grünen.

Am 18. Februar 2020 berichtete ORF Vorarlberg von internationalen Tierschutzorganisationen, denen es gelungen ist, den Weg von Kälbern aus der EU – auch aus Vorarlberg – anhand von Ohrmarken und Transportpapieren genau zu rekonstruieren und die Schlachtung im Libanon zu dokumentieren.

In den Videoaufnahmen der Tierschützer ist ein Rind aus Lustenau zu sehen, das auf grausame Art und Weise im Libanon geschlachtet wird. Ähnliche Videos oder Fotos zeigen Rinder aus Tirol, Oberösterreich und Deutschland, die dasselbe Schicksal erleiden – wie Zehntausende andere Rinder, die zur Schlachtung aus der EU nach Nordafrika, in die Türkei oder in den Nahen Osten verfrachtet werden.

In den Transportpapieren von Österreich nach Spanien werden genau 18,9 Stunden Fahrtdauer angegeben. Das hängt damit zusammen, dass Transporte dieser Art laut Gesetz maximal 19 Stunden dauern dürfen.

Ein von der Rinderzucht Austria zu Werbezwecken organisierter Transport habe deutlich über 20 Stunden bis zum Zielort gebraucht. Ob derartige Transporte legal sind, prüfen derzeit die Gerichte. Illegal sind die Ferntransporte von Spanien in den Nahen Osten oder in die Türkei oder nach Nordafrika. Da werden seit Jahren Höchstgerichtsurteile ignoriert.

Die männlichen Kälber sind in Österreich wirtschaftlich gesehen praktisch wertlos. In einem weiteren dokumentierten Fall wird ein Tier, das in Oberösterreich geboren wurde, nach etwa drei Wochen zu einer Sammelstelle nach Salzburg gebracht und von dort nach Spanien, wo es sechs bis acht Monate lang gemästet wurde, um dann gewinnbringend in den Libanon verkauft zu werden.

Der Umgang mit Rindern im Nahen Osten ist hinlänglich bekannt und dokumentiert. Damit die Tiere vor der Schlachtung nicht davonlaufen, werden ihnen mitunter die Sehnen durchtrennt oder sogar die Augen ausgestochen. Die Aufnahmen von der Behandlung der Tiere sind mitunter schwer zu ertragen.

Tierschützerinnen und -schützer machen schon seit Jahren auf die Tiertransporte in Drittländern aufmerksam und beklagen das Wegschauen von Behörden und Politik. Dass es überhaupt zu den Kälbertransporten in alle Himmelsrichtungen kommt, liegt nach Ansicht der Tierschützer in der überbordenden Milchwirtschaft mit hochgezüchteten Milchkuhrassen, deren männliche Kälber de facto ein Abfallprodukt sind.

In der Antwort auf die Anfrage Nr. 354/19 der Grünen schreibt Landesrat Arnold Schuler: „Heute werden keine Nutztiere aus Südtirol zu Schlachthöfen in anderen EU-Ländern oder zu Schlachthöfen oder Mastbetrieben in Drittländern verbracht. Zu Mastbetrieben in der EU wurden 2018 insgesamt 2.528 Kälber verbracht.“

Diese Aussage hat der Landesrat in der aktuellen Fragestunde im Landtag am 10.09.2019 bestätigt, allerdings ohne auf die Frage zu antworten, worauf sich diese Behauptung stütze.

Daher stellen die Grünen in einer neuen Anfrage folgende Fragen an die Landesregierung:

Kann (weiterhin?) mit Sicherheit ausgeschlossen werden, dass Nutztiere aus Südtirol in Drittländer transportiert werden, die nicht artgerechte Haltung und Schlachtung praktizieren?
Wir fragen ein weiteres Mal, worauf sich diese Annahme gründet.
Von einer Tierschutzorganisation, die Recherchen über Transporte etwa in den Libanon und nach Gaza anstellt, wurde uns gesagt, dass es auch zwei Betriebe aus Südtirol gebe, die sich auf Transporte in den Nahen Osten spezialisiert haben sollen. Hat die Landesregierung bzw. der landestierärztliche Dienst Kunde von dieser Entwicklung?
In der Liste des Gesundheitsministeriums scheinen 14 Südtiroler Betriebe auf, die für die langen Transorte autorisiert sind:
·         Rassler Manfred & Co Seestrasse – Renon (BZ)

·         Vieider & Co KG Bahnhofstrasse – Caldaro (BZ)

·         Viehtransporte Neulichedl Schlernstrasse, 28 – Fiè allo Sciliar (BZ)

·         Italmex s.r.l. Schwarz.Bach – Nova Ponente (BZ)

·         Steiner Gen. B.H. Rungg, 8 – Sarentino (BZ)

·         Tammerle Sabine Geyrerweg, 26 – Renon (BZ)

·         Gasser Julius Sauders, 44 – Villandro (BZ)

·         Agreiter Karl Gschliererweg, 4 – Luson (BZ)

·         Ennemoser Michael Rabenstein, 31 – Moso I.P. (BZ)

·         Unterholzner Ignaz KG G. Marconistr. 4 – Lana (BZ)

·         Riedl Oswald Mittelgasse, 1, Prato allo Stelvio (BZ)

·         Waldner Norbert St. Nikolausweg, 12 – Cermes (BZ)

·         Hörmann Andreas Laatsch, 26 – Malles (BZ)

·         Weger OHG St. Johann, 8 – Val Aurina (BZ)

Die Liste ist auf den 18. Mai 2012 aktualisiert. Inzwischen sind beinahe acht Jahre vergangen. Wurde die Liste der Südtiroler Transportunternehmen mit Autorisierung inzwischen überarbeitet?

Welche Verantwortung hat Südtirol als Durchgangsland für Tiertransporte? Juridische, politische, ethische Verantwortung? Wir bitten um eine eindeutige Stellungnahme der Landesregierung zu diesen drei Aspekten.

„Wir haben sehr wohl Verantwortung dafür, wie Tiere behandelt werden, die unser Land verlassen oder auch ‚nur‘ durchqueren“, so die Einbringerin der Anfrage Brigitte Foppa, „und wir müssen entscheiden, ob wir Teil dieser Praxis sind oder nicht.“

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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20 Kommentare auf "Grausame Tiertransporte: “Südtirol ist Teil davon”"


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ines
ines
Tratscher
1 Monat 9 Tage

Do konn man ausnahmsweise der Frau Foppa voll und ganz zustimmen. 
Die Menschheit ist pervers. Zi wos braucht der Mensch aus allen Himmelrichtung, im übrigen gilt des für die gonzn Lebnsmittl! Obo do hot die EU a total versogt, weil des keart zi unterbindn. 

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 8 Tage

das fällt Euch Grünen spät ein. Unwählbar für MICH .

xXx
xXx
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

Wer schaut denn schon seit Jahren weg und subventioniert diese Praktiken auch noch? Wählbar für DICH ?

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 8 Tage

@xXx nein,Die auch nicht.

Norbi
Norbi
Superredner
1 Monat 8 Tage

@ Sag mal
wir sind nicht immer der gleichen Meinung aber hier haben Sie vollkommen recht. Nebenbei kenne ich zufällig einen Transporteur in der liste der schon seit Jahren nur noch Inland (tagesfahrten wie erlaubt durchführt) . Hier listen aufzeichnen von 2012 ist meines Erachtens nur viel bla bla ohne genaue angaben zu haben. Würde ich jetzt zum Beispiel wegen Rufschädigung klagen bringt auch nichts meinen Anwalt muss ich bezahlen und ach ja den von den grünen auch denn den bezahlen ja „wir Steuerzahler“

spotz
spotz
Tratscher
1 Monat 8 Tage

das leiden der tiere wird nie ein Ende haben ,solong die EU diese gräueltaten subventioniert!!!

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 8 Tage

spotz. Verstehe Einer Unsere Bauern.Da gehts nicht um existieren zu können sondern Gier.Tierquälerei interessiert Diese Bauern nicht betreiben Sie Sie ja Selbst.Das Kälbchen nie bei der Mutter lassen angefangen…dann diese Turbomilchkühe..das Tier ist für Die nur eine Maschine kein Lebewesen mit Gefühlen…viell.haben Diese Tiere auch nur ein Leben wie s vom Mensch immer gepredigt wird.😓

Lucifer_Morningstar
Lucifer_Morningstar
Grünschnabel
1 Monat 9 Tage

I war drfür des zu verbiaten, wenn de do enten oder unten fleisch welln nor solln se tiefkühlware gliefert kriagen, oder ebn selber tiere holten. Nor bleib in die vicher zumindest der weg dorthin drsport….

lottchen
lottchen
Tratscher
1 Monat 8 Tage

und jeder einzelne der billigfleisch, wurst aus massentierhaltung und aller welt kauft unterstützt diesen qualvollen leidensweg und tod.. ich esse nur mehr selten fleisch, wurst überhaupt nicht mehr, aber wenn dann bewusst und nur mehr von garantiert einheimischen tieren, zahle ich gerne mehr dafür wenn das tier zumindest ein feines leben hatte bevor es auf meinem teller
landet. ansonsten verzichte ich lieber darauf als sowas zu unterstützen…

p.181
p.181
Tratscher
1 Monat 9 Tage

Hon den Film gesehen. Oans vun die schlimmsten Filme in meinem Leben. Noch 1000den km Transport werden die Tiere verletzt und hängend an oan Fuaß mit Kränen aus Schiffen entlodn und in Schlochthäusern aufs Brutalste massakriert.

https://www.zdf.de/dokumentation/37-grad/37-tiertransport-grenzenlos-102.html

Horizont
Horizont
Tratscher
1 Monat 8 Tage

mir ist Fleischesden komplett vergangen. bin mir sicher diese Tiere haben stundenlang nichts zu fressen und trinken und schreckliche Todesangst. was sind das fúr Menschen die so brutal und gefúhllos mit Tieren umgehen .

Tom Turbo
Tom Turbo
Neuling
1 Monat 8 Tage

Wahnsinn wie hier die Tiere behandelt werden! man kann nur an das Bewusstsein der KonsumentInnen appellieren! damit dieser Horror in Zukunft ein ende nimmt!

Dagobert
Dagobert
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

Hauptsache Geld Geld Geld, wen interessiert da schon noch das Leid der Tiere!

bern
bern
Superredner
1 Monat 8 Tage

Ich kann einige Restaurants aufzählen, in denen nur Fleisch aus fernen Ländern verkauft wird. Wer sowas macht, hat keinen Einfluss auf die Schlachtpraktiken. Wer regional kauft, der schon!

Jiminy
Jiminy
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

Wegen mir muss kein Tier leiden!

So ist das
So ist das
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

Lebendviehtransporte solcher grausamer Art sind zu verbieten und jede Subvention zu streichen.
Aber leider hat Tierschutz keine Lobby, auch hier in Südtirol nicht 😡

Faber
Faber
Grünschnabel
1 Monat 8 Tage

Die EU muss hier dringend die Gesetze verschärfen, dass so eine Praxis
nicht mehr erlaubt ist! Leider aber ist die “Bauernlobby” wie so oft
viel zu einflussreich! Und wir kommen nicht drum rum, dass wir alle den
Gürtel enger schnallen müssen um mehr für Produkte bezahlen, aber das
können wir uns alle leisten, solange wir uns alle paar Jahre das neueste
Handy und die ganzen Urlaube leisten können!

limes1
limes1
Grünschnabel
1 Monat 8 Tage

es ist schön zu lesen dass so viele gegen das grausame tierleid hier sind und gegen die Transporte. aber dann sollte man auch so konsequent sein und seinen fleischkonsum einfach reduzieren oder ganz umsteigen. aber leider tun das die wenigsten sondern rennen in den nächsten supermarkt und schauen wo gibt es heute das billigste fleischangebot.

oli.
oli.
Kinig
1 Monat 8 Tage

Das kann nicht sein , im Heiligen Scheinheiligen Land SÜDTIROL 😅

mandela
mandela
Superredner
1 Monat 8 Tage

Hier müsste vielviel stärker eingegriffen werden!!! Aber lieber gehen alle uns bauern den … als bei den transporten endlich mal hart durchgreifen! Es mussten schon viel zu viele tiere leiden, hoffentlch wird endlich mal richtig aufgeräumt!!

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