Von: APA/AFP/dpa/Reuters
In der Sperrzone um das havarierte Atomkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine ist nach einem Drohnenabsturz ein großer Waldbrand ausgebrochen. Die radioaktiven Strahlungswerte lägen “innerhalb der normalen Grenzen”, teilten örtliche Behörden mit. Russland und die Ukraine werfen einander indes gegenseitig den Bruch jeweils einseitig erklärter Feuerpausen vor. Anlass für die von Moskau ausgerufene Waffenruhe sind Gedenkfeierlichkeiten zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Moskau.
Moskau teilte am Freitag mit, in den frühen Morgenstunden seien über Russland 264 ukrainische Drohnen abgeschossen worden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte wiederum, russische Truppen hätten in der Nacht ukrainische Stellungen attackiert. “Alles deutet darauf hin, dass es von russischer Seite nicht mal zum Schein einen Versuch gab, das Feuer an den Fronten einzustellen”, schrieb Selenskyj bei Telegram. Seinen Angaben nach hat Russland bis in den Morgen mehr als 850 Drohnen eingesetzt, mehr als 140 Mal ukrainische Positionen beschossen und ein Dutzend Sturmversuche unternommen. Kiew werde spiegelbildlich antworten, fügte er hinzu.
In einem weiteren Beitrag bestätigte Selenskyj den Angriff ukrainischer Drohnen auf Jaroslawl in Russland. Dort, 700 Kilometer von der Grenze entfernt, sei eine Ölanlage getroffen worden, die für die Kriegsfinanzierung Russlands wichtig sei, schrieb er. Dazu stellte er ein Video, das die brennende Raffinerie zeigen soll.
Feuerpause ab 8. Mai angekündigt
Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte unterdessen mit, dass Russland lediglich spiegelbildlich auf ukrainische Attacken reagiert habe. Es warf Kiew Angriffe an der Front und auf zivile Objekte in Russland vor. Mehrere Flughäfen in Russland wurden Freitag früh nach Angaben der Luftfahrtbehörde wegen drohender ukrainischer Angriffe vorübergehend geschlossen. An der Front zählte das Ministerium mehr als 1.300 Verstöße der Ukraine gegen die einseitig von Moskau festgesetzte Waffenruhe.
Das russische Verteidigungsministerium hatte eine Feuerpause vom 8. bis zum 10. Mai angekündigt. Die Ukraine wirft der Regierung in Moskau vor, die Waffenruhe diene lediglich dem Schutz der Militärparade in Moskau vor ukrainischen Drohnenangriffen. Der ukrainische Präsident Selenskyj warnte ausländische Politiker vor der Teilnahme an der Parade. “Wir haben auch Meldungen aus einigen an Russland angrenzende Staaten erhalten, wonach deren Vertreter vorhaben, nach Moskau zu reisen”, sagte er am Donnerstag. “Ein seltsamer Wunsch, gerade in diesen Tagen. Wir raten davon ab.” Kiew hatte seinerseits eine unbefristete Feuerpause ab dem 6. Mai angeboten, was Russland bisher ignoriert.
Wind erschwert Löscharbeiten in Tschernobyl
Das Feuer in Tschernobyl wütete am Freitag auf einer Fläche von rund 1.100 Hektar, wie die Behörden erklärten. Der Wind erschwere die Löscharbeiten. Die Drohne war den Angaben zufolge am Donnerstag in der Nähe des stillgelegten Atomkraftwerks abgestürzt, in dem es 1986 zur schlimmsten zivilen Atomkatastrophe der Geschichte gekommen war.
Nach Angaben des deutschen Bundesamtes für Strahlenschutz können bei einem Waldbrand rund um Tschernobyl die durch die Atomkatastrophe abgelagerten radioaktiven Stoffe in die Atmosphäre freigesetzt werden, mit dem Rauch aufsteigen und mit den Luftströmungen verbreitet werden. Die Menge und die Aktivität der radioaktiven Stoffe seien in einem solchen Fall aber keinesfalls mit der Atomkatastrophe vor 40 Jahren zu vergleichen; bis heute ist das nähere Gebiet um das AKW verstrahlt. Trotzdem können den Angaben zufolge bei großen Waldbränden radioaktive Stoffe in der Luft auch außerhalb der Sperrzone nachgewiesen werden.
Die diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Ukraine-Kriegs haben bisher keinen Durchbruch gebracht und sind durch den Iran-Krieg in den Hintergrund geraten. Moskau fordert, dass sich die Ukraine aus vier ukrainischen Regionen zurückzieht, die Russland für sich beansprucht. Kiew weist das als inakzeptabel zurück.




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