Russland zemürbt die Ukrainer seit vier Jahren mit dem Krieg

Helfer: Härtester Winter seit Kriegsbeginn in der Ukraine

Montag, 16. Februar 2026 | 11:19 Uhr

Von: apa

Der Februar 2026 war “der härteste Winter seit Kriegsbeginn vor vier Jahren, bei Temperaturen bis zu minus 20 Grad ohne Strom und Heizung”, berichtet die Delegationsleiterin des Österreichischen Roten Kreuzes in der Ukraine, Camilla Mittelberger, der APA aus Kiew. “Wir müssen tagelang ohne fließendes Wasser auskommen, nachts werden wir von Luftalarmen geweckt.” Doch die Hilfe muss weitergehen: Elf Millionen Menschen seien in der Ukraine auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Das Rote Kreuz, aber auch viele andere Hilfsorganisationen wie die Caritas, der Arbeiter-Samariter-Bund, die Diakonie, das Hilfswerk, die Malteser und die Volkshilfe helfen. Die Nothilfereporterin von CARE, Sarah Easter, etwa tut dies in Dnipro. Hier erlebe sie “gerade eine spürbare Eskalation nach vier Jahren Krieg. Luftalarme werden nicht mehr in Tagen, sondern in Stunden gezählt”, erzählt sie der APA. “Einschläge auf den Energiesektor, aber auch auf Wohnhäuser finden oft in der Nacht statt: Die Lichter gehen plötzlich aus, Generatoren springen an – wenn man sich überhaupt einen leisten kann.”

“Der Bedarf an Hilfe ist enorm”, betonen auch die Organisationen von NACHBAR IN NOT am Montag in einer Aussendung, die zusammen mit dem ORF einen neuen Spendenaufruf starteten. Besonders betroffen von den winterlichen Temperaturen und Angriffen auf die Energieinfrastruktur seien Kinder, die unter permanenter Angst und psychischer Belastung leiden und trotz dicker Schlafsäcke in der Nacht frieren. Ebenfalls seien ältere und kranke Menschen betroffen, die in kalten Wohnungen festsitzen, weil der Aufzug nicht funktioniert. Für sie bestehe in der aktuellen Situation schnell Lebensgefahr. Auch Familien würden besonders leiden, deren Ersparnisse nach vier Jahren Krieg aufgebraucht seien und die in Großstädten wie Kiew Nacht für Nacht vor Luftangriffen in U-Bahn-Stationen oder Schutzkeller fliehen müssten.

Erschöpfung, Angst, Schlaflosigkeit

“Vier Jahre Dauerstress hinterlassen Spuren bei der Bevölkerung: Erschöpfung, Angst, Schlaflosigkeit. Eltern berichten, dass sie sich nicht mehr daran erinnern, wie es sich anfühlt, eine Nacht durchzuschlafen”, berichtet Sarah Easter seitens CARE aus Dnipro. “Vor allem ältere Menschen, die oft alleine in abgelegenen Gebieten zurückgeblieben sind, trifft der Winter hart”, ergänzt die Rotkreuz-Delegationsleiterin Mittelberger. “Unsere Kolleginnen und Kollegen sind die einzige Hilfe, oft ihr einziger sozialer Kontakt.” Für Personen mit eingeschränkter Mobilität sei die Situation lebensgefährlich. Die Temperaturen in Wohnungen und Häusern sei auf Null oder Minusgrade gesunken.

Gemeinsam mit der ukrainischen Regierung wurden Wärmepunkte aufgebaut. In diesen größeren Zelten können sich die Menschen aufwärmen, ihre Handys laden, heißen Tee und eine warme Mahlzeit bekommen oder einfach Zeit verbringen. Kinder können Hausübungen machen, wenn die Schulen mangels Stromversorgung geschlossen sind. Auch psychologische Erste Hilfe wird angeboten. Allein in Kiew gebe es bis zu 100 solche Wärmepunkte, sagt Mittelberger.

Darüber hinaus wurden in Regionen, wo das komplette Heizsystem ausgefallen ist, permanente Wärmestuben mit Betten und Schlafsäcken eingerichtet, damit die Menschen dort auch übernachten können. Hauspflege-Teams suchen jene, die selbst nicht zu den Wärmepunkten kommen können, auf und versorgen sie mit Lebensmitteln, heißem Wasser und Decken. Mobile Gesundheitsdienste leisten medizinische und psychologische Hilfe. Sie bringen Pflege, Medikamente und ärztliche Hilfe in entlegene Gebiete, wo es keine medizinische Versorgung mehr gibt, weil Gesundheitseinrichtungen beschädigt wurden, keinen Strom haben oder das Gesundheitspersonal geflohen ist. Das Rote Kreuz liefert Generatoren an Spitäler und Schulen.

Finanzielle Mittel brechen weg

CARE leistet ebenfalls Nothilfe, vor allem auch mit psychosozialer Unterstützung, “weil die traumatischen Geschehnisse enorm und lang anhaltend sind”, berichtet Easter. “Doch gleichzeitig brechen jetzt die finanziellen Mittel weg. Projekte müssen gestoppt werden, obwohl die Not jeden Tag steigt”, sagt sie. Die Resilienz der Menschen sei real, aber sie sei nicht grenzenlos.

“Auch nach vier Jahren Krieg geht es für die Menschen in der Ukraine Tag für Tag ums Überleben. So aussichtslos die Situation oft wirkt, wir – und mit uns die Menschen in Österreich – können etwas tun: Wir helfen, retten Leben, machen den Alltag im Krieg sicherer, ermöglichen Kindern eine kurze Auszeit oder schenken etwas Stabilität und Zuversicht”, betonen Andreas Knapp, Vorstand von NACHBAR IN NOT und Generalsekretär der Internationalen Programme der Caritas Österreich. “Eine Spende für die Menschen in der Ukraine zeugt davon, dass wir Solidarität leben und unsere Nachbarn nicht im Stich lassen.”

(S E R V I C E – Spenden erbeten an:Österreichisches Rotes Kreuz IBAN: AT57 2011 1400 1440 0144 oder wir.roteskreuz.at/ukraineCARE Österreich IBAN: AT77 6000 0000 0123 6000 oder www.care.atNACHBAR IN NOT IBAN: AT21 2011 1400 4004 4003 oder https://spenden.nachbarinnot.at/)

Kommentare

Aktuell sind 1 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen