Von: luk
Bozen – Mit einer Abschlussveranstaltung im Innenhof des Palais Widmann fand die erste Durchführung des Schulprojekts 2025/2026 „Ideenwettbewerb für Mittelschulklassen – Barrierefreie Mobilität in Südtirol“ ihren feierlichen Abschluss. Das Datum fällt mit dem Europäischen Tag der Inklusion zusammen, der jährlich am 5. Mai begangen wird. Er erinnert daran, dass die Lebensrealität vieler Menschen mit Behinderungen weiterhin von Barrieren geprägt ist und Inklusion aktives gesellschaftliches Handeln erfordert.
Der Ideenwettbewerb leistet einen Beitrag zur Sensibilisierung für Barrierefreiheit und Inklusion und zeigt, wie früh gesellschaftliche Verantwortung und Bewusstsein für Teilhabe gefördert werden können. Organisiert wurde das Projekt vom Südtiroler Monitoringausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Zusammenarbeit mit den deutschen, italienischen und ladinischen Bildungsdirektionen sowie dem Landesressort für Infrastrukturen und Mobilität.
Rund 75 Schüler aus sechs Mittelschulklassen – fünf italienische und eine deutsche – setzten sich gemeinsam mit ihren Lehrpersonen intensiv mit barrierefreier Mobilität auseinander. Beteiligt waren Klassen der Mittelschule St. Johann im Ahrntal, des IC Leifers „SSPG Fabio Filzi, der SSPG G. Mameli – IC Bassa Atesina Salurn sowie der SSPG I. Calvino – IC Bassa Atesina Neumarkt. Ziel war es, bestehende Hindernisse sichtbar zu machen und praxisnahe Lösungsvorschläge zu entwickeln. Gerade diese Form der aktiven Auseinandersetzung zeigt, wie wirksam Bildungsprojekte sein können, wenn sie gesellschaftlich relevante Themen aufgreifen und junge Menschen zur Mitgestaltung einladen. Die Projekte machen eindrucksvoll sichtbar, wie Schüler und Schülerinnen Fragen der Mobilität, Teilhabe und Inklusion aus ihrer eigenen Lebensrealität heraus reflektieren und weiterdenken.
Institutionelle Grußworte
Eröffnet wurde die Veranstaltung mit Beiträgen aus Politik, Verwaltung und Schule. Dabei wurde insbesondere die Bedeutung von Mitgestaltung, Bewusstseinsbildung und konkreten Lösungsansätzen hervorgehoben.
Landtagsvizepräsident Angelo Gennaccaro betonte: „Solche Projekte stärken das Verständnis für gesellschaftliche Teilhabe und ermutigen junge Menschen, sich aktiv einzubringen.“
Landeshauptmann Arno Kompatscher hob in seiner Videobotschaft die Notwendigkeit greifbarer Maßnahmen für eine inklusive Gesellschaft hervor: „Der Abbau von Barrieren ist für eine inklusive Gesellschaft von zentraler Bedeutung. Neben gesetzlichen Rahmenbedingungen ist vor allem das konkrete Engagement entscheidend.“
Auf die Rolle individueller Verantwortung und bewusster Wahrnehmung verwies Rosmarie Pamer, Landesrätin für Sozialen Zusammenhalt, Familie, Senioren, Genossenschaften und Ehrenamt: „Inklusion beginnt dort, wo Menschen ihre Umgebung bewusst wahrnehmen und Verantwortung übernehmen. Diese beeindruckenden Projekte zeigen, wie viel Engagement und Bewusstsein für eine barrierefreie Mobilität in Südtirol vorhanden ist.“
Den praktischen Mehrwert der Projektergebnisse für die öffentliche Verwaltung unterstrich der Direktor des Landesamtes für Infrastrukturen und nachhaltige Mobilität, Alexander Alber: „Die Ergebnisse haben durchaus praktischen Nutzen für die Weiterentwicklung vieler Infrastrukturen. Denken wir beispielsweise an die über 3.500 Bushaltestellen im Land. Die Ideen der Schülerinnen und Schüler sind sowohl für das Land als auch die Gemeinden, die an deren Aufwertung arbeiten, Inspiration und Anspruch zugleich.“
Aus schulischer Perspektive machte der Schulinspektor für Inklusionsdienst, Landesdirektion italienischsprachige Schulen staatlicher Art, Christian Rispoli, auf den pädagogischen Gewinn des Projekts aufmerksam: „Das Projekt bietet einen hohen pädagogischen Mehrwert und fördert wichtige Kompetenzen wie Beobachtung, Zusammenarbeit und Problemlösung.“
Projektpräsentationen und Prämierungen
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Projektpräsentationen der sechs Klassen, die das große Engagement und die kreative Auseinandersetzung mit dem Thema sichtbar machten. Gerade diese Beiträge verdeutlichen den besonderen Wert des Projekts: Junge Menschen entwickeln sachbezogene Ideen, benennen bestehende Barrieren und bringen neue Perspektiven in gesellschaftliche Fragestellungen ein.
Die Projekte reichten von der Entwicklung einer elektrischen Rampe zur Erleichterung des Ein- und Aussteigens in Busse über ein inklusives Stadtmodell mit digitalen Simulationen bis hin zur Analyse von Schulwegen und Gebäuden aus Rollstuhlperspektive. Weitere Arbeiten beschäftigten sich mit Barrierefreiheitstests, Sensibilisierungsmaßnahmen sowie Vorschlägen für eine inklusivere Gestaltung des öffentlichen Raums.
Die Beiträge zeigen deutlich, dass solche Initiativen nicht nur Bewusstsein schaffen, sondern auch Impulse für eine Gestaltung von Mobilität und Lebensräumen geben können, die das Leben von Menschen mit Behinderungen erleichtern.
Zum Abschluss machte Brigitte Hofer, Gleichstellungsrätin und Vorsitzende des Südtiroler Monitoringausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderungen, die weiterführende Bedeutung des Projekts deutlich: „Barrierefreie Mobilität ist auch eine Frage der Haltung. Die Beiträge der Schüler verdeutlichen, wie früh ein Bewusstsein für Inklusion entstehen kann und welchen Beitrag junge Menschen leisten können.“
Aufgrund der positiven Erfahrungen und der großen Resonanz ist bereits eine weitere Auflage des Schulprojekts für das kommende Schuljahr geplant, mit dem Ziel, noch mehr Schulen einzubeziehen und das Thema langfristig im Bildungsbereich zu verankern.




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