Von: APA/Reuters/dpa/AFP
Als Vergeltung für nächtliche US-Angriffe hat der Iran nach Angaben des staatlichen Fernsehens einen US-Stützpunkt angegriffen. Ziel sei der US-Stützpunkt gewesen, von dem aus zuvor die Angriffe auf den Iran ausgeführt worden seien, hieß es unter Berufung auf die Revolutionsgarden. Angaben zum Ort des US-Stützpunktes wurden nicht gemacht, allerdings meldete das mit Washington verbündete Golfemirat Kuwait Drohnen- und Raketenangriffe auf sein Land.
In Kuwait befindet sich eine große Basis des US-Militärs. Die wechselseitigen Angriffe erfolgen trotz einer Waffenruhe und laufenden Verhandlungen über ein Kriegsende, wobei sich US-Präsident Donald Trump nicht zufrieden mit dem Stand der Dinge zeigte und der Iran sich nicht von seinen Standpunkten wie einem Recht auf Urananreicherung abbringen lassen will. Die erneute Eskalation gefährdet die ohnehin fragile Waffenruhe zwischen den Kriegsparteien, die seit Anfang April besteht. Die Ölpreise schnellten daraufhin in die Höhe.
Iran feuerte Drohnen ab
Nach US-Angaben handelt es sich bei dem Angriff auf den Iran um eine reine Verteidigungsmaßnahme. Ein Vertreter der USA, der anonym bleiben wollte, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, das Militär habe vier iranische Kampfdrohnen abgeschossen und eine Bodenkontrollstation in der Hafenstadt Bandar Abbas angegriffen. Dort sei die iranische Seite im Begriff gewesen, eine fünfte Drohne zu starten. “Diese Aktionen waren maßvoll, rein defensiv und dienten der Aufrechterhaltung der Waffenruhe.” Die USA hatten bereits Anfang der Woche Angriffe auf den Iran geflogen und auch diese mit Selbstverteidigung begründet.
Die iranischen Revolutionsgarden – die Elitestreitmacht der Islamischen Republik – erklärten, sie haben einen US- Stützpunkt angegriffen. Der Angriff sei um 04.50 Uhr Ortszeit als Reaktion auf einen US-Angriff nahe dem Flughafen von Bandar Abbas erfolgt, meldet die iranische Nachrichtenagentur Tasnim. Die Revolutionsgarden warnten, jede “weitere Aggression” werde jeweils eine “entschlossenere” Antwort nach sich ziehen.
Bandar Abbas ist die Hauptstadt der Provinz Hormuzgan und gilt als eines der wichtigsten militärischen Zentren des Iran im Golfraum und an der Straße von Hormuz. Erst vor wenigen Tagen hatte es im Bereich der Straße von Hormuz bereits gegenseitige Angriffe der Kriegsparteien gegeben.
Zudem hat die Marine der iranischen Revolutionsgarden einem Medienbericht zufolge auf einen US-Öltanker gefeuert, der die Straße von Hormuz passieren wollte. Der Tanker sei daraufhin zur Umkehr gezwungen worden, meldet die iranische Nachrichtenagentur Tasnim am frühen Donnerstagmorgen unter Berufung auf eine Militärquelle.
Trump mit Verhandlungsstand nicht zufrieden
Aus der Sicht von Trump ist der Verhandlungsstand zu einem möglichen Ende des Iran-Kriegs noch nicht zufriedenstellend. In einer Sitzung seines Kabinetts im Weißen Haus sagte der Republikaner, der Iran sei sehr entschlossen: “Sie wollen unbedingt ein Abkommen schließen.” Die US-Regierung sei damit aber noch nicht “zufrieden”. Trump erneuerte die Drohung, dass man entweder einen Deal abschließen oder weiter kämpfen werde. Eine Kernforderung der USA ist es, dass das Land niemals in den Besitz einer Atomwaffe kommen dürfe.
Trump sagte in der Kabinettsitzung auch, dass niemand die Straße von Hormuz kontrollieren werde. Die USA würden darauf achtgeben. Das sei Teil der Verhandlungen. Nach Kriegsbeginn war der Schiffsverkehr durch die Meerenge vor Iran weitgehend zum Erliegen gekommen. Iran blockierte, daraufhin schossen die Preise an den weltweiten Energiemärkten nach oben. Die USA blockierten daraufhin iranische Häfen.
Iran will sich nicht von “roten Linien” abbringen lassen
Der Iran werde sich durch Trumps Rhetorik nicht von seinen “roten Linien” abbringen lassen, schrieb Ebrahim Azizi, Vorsitzender des Ausschusses für Nationale Sicherheit und Außenpolitik des iranischen Parlaments, in der Nacht auf Donnerstag auf der Plattform X.
Azizi nannte als rote Linien für sein Land das Recht auf Urananreicherung, die Kontrolle über die für den globalen Öl- und Gashandel wichtige Straße von Hormuz sowie die Aufhebung der Sanktionen. Der Politiker ist – soweit bekannt – nicht direkt in die Verhandlungen mit den USA eingebunden. Azizi schrieb auf X: “Offensichtlich sucht Trump nach einem Ausweg aus dieser strategischen Sackgasse und wechselt dabei zwischen Drohungen und Appellen zu einer Einigung”.
Der Iran bekräftigte außerdem seine Forderung nach einer vollständigen und bedingungslosen Freigabe aller eingefrorenen Vermögenswerte. Dies sei das legitime Recht der iranischen Nation, zitierte Tasnim den stellvertretenden Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats, Ali Bagheri Kani. Die Vermögenswerte der Islamischen Republik müssten vollständig und ohne Bedingungen zurückgegeben werden.
Seit dem 8. April herrscht im Iran-Krieg eine Waffenruhe, das Ringen um ein Abkommen zur Beendigung des Konflikts dauert an.
Kallas: Anhaltender Krieg in der Golfregion ist “in niemandes Interesse”
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas warnte vor einer “sehr gefährlichen Zone” zwischen Krieg und Frieden. “Es liegt in niemandes Interesse, dass dieser Krieg weitergeht”, sagte Kallas am Donnerstag vor einem Treffen der EU-Außenminister im zypriotischen Limassol. Es liege “wirklich im Interesse aller, dass die Freiheit der Schifffahrt in der Straße von Hormuz respektiert wird”, verdeutlichte sie. “Alle bezahlen einen sehr hohen Preis.” Im Falle eines solchen Abkommens müsste danach die Frage nach dem iranischen Atomprogramm verhandelt werden. Hier könne Europa mit seinen Experten “einen Beitrag leisten”.




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