Von: APA/dpa
Trotz der erneuten Eskalation zwischen den USA und dem Iran an der Straße von Hormuz gehen am Donnerstag die Bemühungen um ein Abkommen zwischen den Kriegsparteien weiter. Das bestätigten iranische Quellen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters und eine “diplomatische Quelle” gegenüber dem US-Sender CNN. Es gab unterdessen unterschiedliche Angaben, ob Irans Militär die für den Öl- und Gashandel wichtige Meerenge komplett gesperrt hat oder nicht.
Das US-Regionalkommando CENTCOM schrieb auf X: “Handelsschiffe fahren weiterhin heute Nacht in die Straße von Hormuz ein und heraus.” Irans Staatsmedien nannten diese Behauptung falsch. Zwei Schiffe sollen laut Rundfunk beschossen worden sein. Das US-Militär stellte seine erneuten Angriffe später wieder ein, wie das Regionalkommando CENTCOM am frühen Morgen auf der Plattform X mitteilte.
Es seien militärische Aufklärungsanlagen, Kommunikationssysteme und Luftverteidigungsstellungen im ganzen Land attackiert worden, die eine Bedrohung für die US-Streitkräfte und internationale Handelsschiffe dargestellt hätten. Das US-Militär bleibe wachsam und kampfbereit, hieß es weiter.
Iran verbot Schiffen Durchfahrt durch Straße von Hormuz
Offiziell begründete das iranische Militärhauptquartier die angebliche Vollsperre der Straße von Hormuz mit einer “veränderten Sicherheitslage” nach den erneuten US-Angriffen. Sämtlichen Schiffen sei die Passage durch die Meerenge untersagt. Das gelte auch für Öltanker und Frachter, hieß es.
Die Islamische Republik hatte kurz nach Kriegsbeginn Ende Februar durch Drohungen und Angriffe auf Schiffe den Verkehr in der Meerenge weitgehend zum Erliegen gebracht. Teheran betonte zuletzt, die Straße von Hormuz sei nicht blockiert. Faktisch mussten sich Reedereien jedoch mit iranischen Kontaktstellen koordinieren und durften anschließend nur einen Korridor nahe der iranischen Küste passieren. Dafür verlangt der Iran hohe Gebühren. In letzter Zeit hatten nach Angaben Teherans mehrere Schiffe die Straße passiert.
Explosionen im Iran
Iranische Staatsmedien meldeten Explosionen im Bereich mehrerer Hafenstädte entlang der Südküste. Bei den US-Angriffen in der Nacht wurden drei Menschen in der Provinz Teheran verletzt, wie das Portal MEHR berichtete. Laut der Nachrichtenagentur IRNA und dem Rundfunk wurden Explosionen nahe den Städten Minab und Sirik beobachtet. Weitere Detonationen gab es Berichten zufolge auch auf der Insel Qeshm und in der Hafenstadt Bandar Abbas.
In der Nacht soll es außerdem nahe der iranischen Hauptstadt Teheran mehrere Angriffe gegeben haben. Der staatliche iranische Rundfunk meldete Explosionen in der Pendlerstadt Karaj, die nur wenige Kilometer von der Millionenstadt Teheran entfernt liegt. Weiter westlich von Karaj seien Kampfdrohnen gesichtet worden.
Drei Tote nach US-Angriff auf Tanker gefunden
Nach dem Beschuss eines Tankers im Golf von Oman durch das US-Militär sind nach Angaben Indiens die drei zunächst vermisste indische Besatzungsmitglieder tot aufgefunden worden, schrieb der indische Schifffahrtsminister Sarbananda Sonowal auf der Plattform X. Das US-Militär hatte nach eigenen Angaben am Mittwoch das unter der Flagge des pazifischen Inselstaats Palau fahrende Schiff “Settebello” beschossen. Es soll versucht haben, iranisches Öl zu transportieren. Die Besatzung habe sich den Anweisungen der Streitkräfte widersetzt, hieß es.
Nach Angaben des Außenministeriums in Neu-Delhi konnten 21 indische Besatzungsmitglieder gerettet werden. Das Ministerium hatte den Angriff verurteilt. Laut Berichten indischer Medien hatte das Außenministerium aus Protest den stellvertretenden Botschafter der USA in Neu-Delhi einbestellt.
Vor der Küste des Oman ist unterdessen auf einem Tanker erneut ein Brand ausgebrochen. Im Maschinenraum sei sein Feuer ausgebrochen, berichtete die britische Behörde für die Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO) unter Berufung auf lokale Behörden. Ob der Brand durch einen Angriff verursacht wurde, war zunächst unklar. Die Behörden ermittelten weiter, hieß es. Seit Beginn des Iran-Kriegs wurden mehrfach Schiffe in der Straße von Hormuz und angrenzenden Gewässern angegriffen.
Bahrain und Kuwait erneut unter Beschuss
Erst in der Nacht zum Mittwoch hatte das US-Militär als Reaktion auf den Abschuss eines Kampfhubschraubers Flugabwehranlagen, Bodenkontrollstationen und Radaranlagen im Iran attackiert. Der Iran griff daraufhin US-Stützpunkte in der Golfregion an.
In Reaktion auf die erneuten US-Angriffe attackierten Irans Streitkräfte nach eigenen Angaben abermals Ziele in den Golfstaaten Bahrain und Kuwait. In Kuwait war nach Angaben der Armee die Luftabwehr im Einsatz. Die Luftfahrtbehörden sperrten deswegen am frühen Morgen vorübergehend den Luftraum für die zivile Luftfahrt.
Auch in Bahrain schrillten die Sirenen, wie das Innenministerium mitteilte. Die Bewohner wurden dazu aufgerufen, Ruhe zu bewahren und den nächsten sicheren Ort aufzusuchen. In Bahrain sei das regionale Hauptquartier der US-Marine mit Kamikazedrohnen angegriffen worden, hieß es in einer vom staatlichen Rundfunk verbreiteten Erklärung der iranischen Armee. Ziel waren demnach Flugabwehrsysteme. Irans mächtige Revolutionsgarden, die Elitestreitmacht des Landes, attackierten nach eigenen Angaben neben einem US-Luftwaffenstützpunkt in Bahrain auch zwei Basen in Kuwait. Insgesamt seien 18 Ziele angegriffen worden, hieß es.
In den beiden Golfstaaten befinden sich wichtige US-Stützpunkte, die nur wenige Hundert Kilometer vom Iran entfernt sind. Sie waren jüngst mehrfach zum Ziel iranischen Beschusses mit Raketen und Drohnen geworden.
Jordanien hat unterdessen nach eigenen Angaben in der Nacht 20 aus dem Iran abgefeuerte Raketen abgefangen. Dabei seien Trümmer herabgefallen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Petra unter Berufung auf das Militär. Es habe aber weder Verletzte noch Sachschaden gegeben. Das Militär beobachte die regionale Sicherheitslage fortlaufend, hieß es weiter. Verletzungen des jordanischen Luftraums würden nicht toleriert.
Trump: “Werden sie in Grund und Boden bomben”
US-Präsident Donald Trump warf Teheran laut einem Medienbericht einen besonders schweren Bruch der geltenden Feuerpause vor. Sie sei “die am häufigsten gebrochene Waffenruhe in der Geschichte der Welt”, zitierte ein Reporter des US-Senders Fox News aus einem Gespräch mit dem Präsidenten. Auf welchen Vorfall sich Trump mit diesem Vorwurf konkret bezog, blieb unklar.
Trump habe zwar ein Ende der Bombardierungen in Kürze in Aussicht gestellt, berichtete Fox-News-Reporter Trey Yingst auf der Plattform X. Sollte Teheran jedoch kein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges unterzeichnen, “werden wir sie in Grund und Boden bomben”, drohte Trump demnach.
Hegseth: Wollen Krieg nicht wieder anfangen
Die USA verhängten Mitte April ihrerseits eine Seeblockade gegen den Iran, um das Land unter anderem von seinen Öleinnahmen abzuschneiden. Für den Iran ist der Ölexport das wichtigste wirtschaftliche Standbein – und für die Weltwirtschaft ist die Straße von Hormuz als Exportroute für Öl, Flüssiggas und Dünger von großer Bedeutung. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth sagte, es gehe bei den neuen Angriffen nicht darum, den Krieg wieder anzufangen. Vielmehr wolle man dadurch Bedingungen für eine Vereinbarung mit dem Iran schaffen.
Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz meint, ohne eine baldige Einigung sei eine weitere Eskalation wahrscheinlich. “Doch eine Eskalation allein wird kaum zu nennenswerten Zugeständnissen seitens des Irans führen”, schrieb er auf X. Letztendlich werde keine Militäroperation, “ob begrenzt oder umfangreich, kurz oder lang, den Iran dazu zwingen, ein Abkommen zu den Bedingungen der USA zu akzeptieren”. Wenn Trump wirklich ein Abkommen wolle, müsse er zumindest auf einige der Kernforderungen des Irans eingehen, schrieb Citrinowicz. “Wenn er dazu nicht bereit ist, muss er sich auf eine langwierige Konfrontation anstelle einer Verhandlungslösung einstellen.”




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