Von: APA/dpa/Reuters
Das US-Militär hat in der Nacht auf Dienstag nach eigenen Angaben erneut iranische Ziele angegriffen. Der iranische staatliche Rundfunk berichtete über fünf Detonationen im Westen der Hafenstadt Bandar Abbas. Kurz darauf sei die Stadt Bushehr unter Beschuss geraten, in der sich das einzige aktive Atomkraftwerk des Landes befindet. Über Schäden oder Opfer gab es zunächst keine Details.
Auch weiter im Südwesten des Landes wurden am frühen Nachmittag (Ortszeit) Angriffe gemeldet. Feindliche Geschosse seien unter anderem in den Städten Abadan, Mahshahr und Bandar Imam Khomeini eingeschlagen, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Isna. Dass die Angriffe inzwischen auch bei Tageslicht erfolgen und nicht mehr wie jüngst nur in der Nacht, deutet auf eine neue Eskalationsstufe hin.
Das US-Militär (Centcom) teilte zuvor mit, es habe zahlreiche Orte im ganzen Land bombardiert, darunter Bandar Abbas und Bushehr. Es seien Verteidigungseinrichtungen an der Küste, Raketen- und Drohnenrampen und Marineziele getroffen worden. Mehr als 50.000 US-Soldaten seien derzeit im Nahen Osten stationiert. US-Präsident Donald Trump hatte kurz zuvor bereits weitere Angriffe seines Landes auf den Iran angekündigt.
Iran attackierte zwei Öltanker
Der Iran beschoss indes zwei Öltanker der Vereinigten Arabischen Emirate in der Straße von Hormuz, wie der Golfstaat auf X berichtete. Dabei sei ein indisches Besatzungsmitglied getötet worden. Die Schiffe seien bei der Durchquerung auf der südlichen Schifffahrtsroute innerhalb omanischer Hoheitsgewässer von zwei Marschflugkörpern getroffen worden, teilte das Verteidigungsministerium der VAE mit. Es seien acht Personen verletzt worden, sechs indische und zwei ukrainische Staatsangehörige. Zudem seien Brände auf beiden Tankern ausgebrochen, schließlich aber unter Kontrolle gebracht worden.
Der Angriff stelle einen “schwerwiegenden Verstoß und klaren Bruch des Völkerrechts” dar, erklärte das Verteidigungsministerium. Die Emirate behielten sich vor, auf diese Eskalation zu reagieren. Auch im Golfstaat Bahrain heulten wieder die Alarmsirenen. Das Innenministerium des mit den USA verbündeten Landes rief die Einwohner in der Nacht über die Plattform X auf, ruhig zu bleiben und Schutz zu suchen. Weitere Einzelheiten gab es zunächst nicht. Derweil meldete das jordanische Staatsfernsehen unter Berufung auf die Streitkräfte, dass vier aus dem Iran abgefeuerte Raketen abgefangen worden seien.
Indien protestiert nach der Tötung eines indischen Seemanns in der Straße von Hormuz scharf bei der iranischen Regierung. Das Außenministerium in Neu-Delhi bestellt dazu den stellvertretenden iranischen Botschafter ein, wie das Ministerium mitteilt. Indien zeigt sich “zutiefst besorgt” und fordert ein Ende der Angriffe auf die Handelsschifffahrt.
Explosionen auf Insel und in Hafenstadt
Der neuerliche Vorfall in der Straße von Hormuz fiel mit erneuten Angriffen der USA auf Ziele im Iran zusammen. Die mehrstündigen Angriffe sollten die Fähigkeit des Irans weiter einschränken, Attacken auf unschuldige Zivilisten und die Handelsschifffahrt in der Straße von Hormuz auszuüben, hieß es.
Trump schlug vor, für die Durchfahrt durch die Straße von Hormuz eine Gebühr von 20 Prozent auf alle Frachtgüter zu erheben. Der Vorschlag des US-Präsidenten, als “Wächter der Straße von Hormuz” eine Gebühr zu erheben, wurde vom Iran ironisch kommentiert. Trump habe “absolut recht”, schrieb Außenminister Abbas Araqchi auf X. “Wer für die sichere Durchfahrt von Handelsschiffen durch die Straße von Hormuz sorgt, sollte für diese Dienstleistung entschädigt werden.” Der Iran sei schon immer der “Wächter” der Meerenge gewesen “und wird es für IMMER bleiben”. “20 Prozent sind natürlich zu viel. Wir werden fair sein”, schob er in Richtung Trump nach. Auch die Schifffahrtsorganisation der Vereinten Nationen wies den Vorschlag zurück.
US-Streitkräfte hatten in den vergangenen Tagen wiederholt iranische Ziele angegriffen. Das Militär begründete dies mit Attacken des Irans auf Schiffe in der Straße von Hormuz. Der Iran reagierte auf die US-Angriffe wiederum mit Vergeltungsangriffen – etwa auf Golfstaaten. All das befeuerte in der Region die Sorge vor einem vollständigen Wiederaufflammen des Kriegs – zumal Trump die Waffenruhe mit Teheran vor wenigen Tagen für beendet erklärt hatte.




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