Von: APA/dpa/Reuters/AFP
Die iranischen Streitkräfte haben erneut ihre Kontrolle über die für den weltweiten Energiehandel wichtige Seestraße von Hormuz beansprucht. Alle Öltanker und Handelsschiffe seien verpflichtet, ausschließlich die vom Iran festgelegte Route zu benutzen, hieß es am Donnerstag in einer Erklärung der Militärführung, die iranische Medien verbreiteten. “Jede Missachtung dieser Vorgabe (…) wird mit einer unverzüglichen und entschlossenen Reaktion der Streitkräfte beantwortet.”
Die Wiederöffnung der für den globalen Handel mit Öl, Gas und Dünger wichtigen Straße von Hormuz ist ein zentrales Element des Rahmenabkommens, auf das sich Vertreter aus Washington und Teheran vor knapp drei Wochen verständigt hatten. Die USA fordern eine freie Passage für alle Schiffe ohne Gebühren. Der Iran hatte mit Drohungen und Angriffen nach Beginn der Angriffe der USA und Israels auf das Land den Schiffsverkehr in der Meerenge faktisch zum Erliegen gebracht.
Trauertage für Khamenei halten Friedensdiplomatie auf
Die USA und der Iran haben indes laut den Vermittlerstaaten Katar und Pakistan in weiterführenden, indirekten Gesprächen Fortschritte erzielt. Bei Fragen im Zusammenhang mit dem vor zwei Wochen vereinbarten Rahmenabkommen zur Beendigung des Iran-Krieges seien “positive Fortschritte” erzielt worden. Das teilte der katarische Außenamtssprecher Majid al-Ansari nach Abschluss der in der katarischen Hauptstadt Doha getrennt geführten Unterredungen mit Unterhändlern beider Konfliktparteien mit.
Es sei vereinbart worden, die Gespräche fortzusetzen, schrieb Ansari auf der Plattform X. Der nächste Termin solle so bald wie möglich nach den Trauerzeremonien für das im Krieg getötete iranische Staatsoberhaupt Ayatollah Ali Khamenei und seiner Beisetzung angesetzt werden. Die Zeremonien beginnen iranischen Berichten zufolge am Samstag in der Hauptstadt Teheran und der Pilgerstadt Qom. Das Begräbnis soll am 9. Juli in Khameneis Geburtsstadt Maschhad im Nordosten des Landes stattfinden.
Warnung an die Feinde
Für den Fall von Angriffen während des Staatsbegräbnisses für Khameneis drohte der Iran den USA und Israel mit Vergeltung. “Wir warnen die Feinde des Iran, insbesondere die USA und das zionistische Regime, vor jeglicher Fehleinschätzung”, erklärte Ali Abdollahi, Kommandant des zentralen Hauptquartiers Khatam al-Anbiya, in einer von staatlichen Medien verbreiteten Erklärung am Donnerstag. Sie sollten die harte Reaktion bedenken, mit der die Streitkräfte auf jede Bedrohung und Aggression gegen das Land antworten würden, hieß es in der Erklärung weiter.
Ayatollah Ali Khamenei war am 28. Februar, dem ersten Tag des Krieges, bei einem Luftangriff getötet worden. Am Mittwoch hatte der iranische Außenminister Abbas Araqchi bereits ähnlich gewarnt. Der Iran werde sofort und mit aller Härte auf jede Bedrohung seiner Bevölkerung oder Führung reagieren, erklärte er. Zuvor hatte der israelische Verteidigungsminister Israel Katz erklärt, das neue Oberhaupt des Iran, Mojtaba Khamenei, stehe auf einer Abschussliste. Mojtaba Khamenei ist der Sohn des getöteten Ali Khamenei. Seit seiner Ernennung ist er noch nicht öffentlich in Erscheinung getreten.
Iranischen Medienberichten zufolge wurden die Sicherheitsvorkehrungen für die Dauer der Trauerfeiern verschärft. Zudem kündigte die iranische Luftfahrtbehörde am Mittwoch vorübergehende Einschränkungen des Flugverkehrs über mehreren Städten an, darunter Teheran und Mashhad.
Regime hofft auf Massenkundgebung der Unterstützung
Der iranische Chefunterhändler Mohammad Baqer Qalibaf rief zu einer zahlreichen Teilnahme an der Trauerfeier für Khamenei auf, um dessen Tod zu “rächen”. “Ich lade das gesamte iranische Volk ein (…), durch Eure Anwesenheit ein ruhmreiches Kapitel in der Geschichte des islamischen Iran zu schreiben”, erklärte Qalibaf. “Der Ruf der Nation nach Rache muss in den Ohren der ganzen Welt widerhallen”, fuhr er fort.
Der Leichnam Khameneis wird am Samstag in der Mosalla von Teheran aufgebahrt. Der Komplex wurde für die großen Freitagsgebete, offizielle Gedenkfeiern und religiöse Versammlungen konzipiert. Die Behörden rechnen allein in Teheran mit 15 bis 20 Millionen Teilnehmern bei der dreitägigen Trauerfeier in der iranischen Hauptstadt, durch die am Montag ein Trauerzug ziehen wird. Der Iran stehe “vor einem der prägendsten Momente seiner Geschichte”, erklärte Qalibaf.
Die Trauerfeier geht mit erheblichen Verkehrseinschränkungen einher. Ein großer Bereich der Innenstadt wird für den Autoverkehr gesperrt, kein Fahrzeug darf sich der Mosalla in einem Umkreis von einem Kilometer nähern.
Bei den sechstägigen Trauerfeiern gibt es auch einen Zwischenstopp im benachbarten Irak. Eigentlich waren sie bereits für den März geplant gewesen, wurde wegen des Krieges jedoch verschoben. Khamenei herrschte fast 37 Jahre im Iran. Ab Freitag werden hochrangige Vertreter aus rund 30 Ländern in Teheran erwartet. Darunter sind der frühere russische Präsident Dmitri Medwedew und Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif.




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