Sorge vor großangelegter Bodenoffensive im Libanon

Israel begann begrenzte Bodenoffensive im Süden des Libanon

Montag, 16. März 2026 | 13:36 Uhr

Von: APA/dpa

Israels Armee hat eigenen Angaben zufolge in den vergangenen Tagen “begrenzte und gezielte Bodeneinsätze” im Süden des Nachbarlands Libanon begonnen. Ziel seien aktive Hisbollah-Mitglieder sowie die Infrastruktur der Miliz, teilte Israels Armee am Montag in der Früh mit. Die Einsätze am Boden seien “Teil umfassenderer Verteidigungsmaßnahmen”, um die Einwohner im angrenzenden Nordisrael zu schützen.

Die Armee sei dabei nun in Gebieten im Einsatz, in denen sie zuvor nicht gewesen sei, sagte der israelische Militärsprecher Nadav Shoshani. In diesen Gegenden stelle die Hisbollah eine Bedrohung für Israels Zivilbevölkerung dar. Um welche Orte es sich genau handle, wollte er nicht mitteilen. Ob Israels Armee diese neuen Gebiete halten werde, wird laut dem Sprecher erst noch festgelegt. Die Entscheidung hänge von der weiteren Planung und dem weiteren Verlauf ab.

Israels Armee teilte weiter mit, dass sie vor dem Einmarsch der Soldaten Angriffe mit Artillerie und aus der Luft ausgeführt habe, “um Bedrohungen im Einsatzgebiet zu minimieren”. Die “Times of Israel” sprach von einer “Erweiterung der Pufferzone” im Südlibanon, “um die Bedrohung durch die Hisbollah von der Grenze fernzuhalten”.

Bericht: Bodentruppen töten Dutzende Hisbollah-Mitglieder

Die Zeitung hatte bereits am Wochenende berichtet, dass israelische Bodentruppen bei Kämpfen im Südlibanon Dutzende Milizionäre der irantreuen Hisbollah getötet hätten. Israels Verteidigungsministerium bestätigte den Bericht auf Anfrage. Zudem seien Waffenlager, ein Kommandozentrum und Beobachtungsposten der Hisbollah zerstört worden.

Die Schiitenorganisation bestätigte auf Anfrage Bodeneinsätze in der Gegend um Chijam, die in der Nähe der Grenze zu Israel liegt. Aus libanesischen Sicherheitskreisen hieß es, es habe heftige Kämpfe zwischen beiden Seiten in der Stadt gegeben.

Im Libanon sind im Zuge des Iran-Kriegs die Kämpfe zwischen der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz und Israels Militär wieder aufgeflammt. In dem Land herrscht nun Sorge vor einer größeren Bodenoffensive Israels. Nach Darstellung des Nachrichtenportals “Axios” will Israel das gesamte Gebiet südlich des Litani-Flusses einnehmen, um die militärische Infrastruktur der Hisbollah zu zerschlagen. Der Fluss ist etwa 30 Kilometer von Israels Grenze entfernt. Laut der “Jerusalem Post” sind Israels Soldaten bisher nicht so weit vorgerückt. Es handle sich deshalb zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht um einen umfassenden Einmarsch, wie es ihn im letzten Krieg im Jahr 2024 gegeben habe.

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz mahnte, die Einwohner könnten nicht in ihre Häuser südlich des Litani-Flusses zurückkehren, solange es keine Sicherheit für die Bevölkerung im Norden Israels gebe. Im Libanon wurden staatlichen Angaben zufolge bisher im Zuge der jüngsten Eskalation Hunderttausende Menschen vertrieben.

Israel droht Libanon mit Gebietseinnahmen

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hatte dem Nachbarland kürzlich mit der Einnahme von Gebieten gedroht, sollte die libanesische Regierung nicht in der Lage sein, die Hisbollah davon abzuhalten, auf israelische Ortschaften zu feuern und die Miliz zu entwaffnen. Die Hisbollah sollte eigentlich gemäß einer Waffenruhenvereinbarung entwaffnet werden. Dies ist bisher nicht gelungen.

Hisbollah griff in den Iran-Krieg ein

Israels Armee schickte bereits Anfang März weitere Bodentruppen in den Südlibanon. Dort hatte das israelische Militär zuvor noch fünf Posten gehalten. Seitdem ist es an weiteren Punkten stationiert. Der Schritt war eine Reaktion auf das Eingreifen der Hisbollah in den Krieg an der Seite des Irans. Die Miliz hatte Israel vor zwei Wochen erstmals seit Beginn einer Waffenruhe im November 2024 wieder mit Raketen angegriffen. Zuvor hatte es einen einjährigen Krieg zwischen beiden gegeben.

Israel griff auch während der Waffenruhe immer wieder Hisbollah-Ziele an, mit der Begründung, die Miliz halte sich nicht an die Vereinbarungen und wolle sich neu bewaffnen. Wegen der Angriffe warf auch die Hisbollah Israel vor, sich nicht an die Abmachungen zu halten.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte zuletzt Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu dazu auf, von einer Bodenoffensive im Libanon abzusehen. Er forderte beide Seiten auf, zum Waffenruheabkommen zurückkehrten.

Israel meldet Zerstörung von Khameneis Regierungsflieger

Israels Militär meldete indes die Zerstörung eines iranischen Regierungsfliegers, der in der Vergangenheit vom obersten Führer Ayatollah Ali Khamenei genutzt worden sein soll. “Damit wurde dem iranischen Regime ein weiteres strategisches Gut entzogen”, hieß es in einem auf Persisch verfassten Beitrag der israelischen Streitkräfte auf X. Der Flieger sei für Flüge im In- und Ausland verwendet worden.

Irans oberster Führer Khamenei wurde am 28. Februar bei einem israelischen Luftangriff in der Hauptstadt Teheran getötet. Offiziell flog das Staatsoberhaupt seit seiner Ernennung 1989 zum Religionsführer nie ins Ausland. Khamenei reiste jedoch gelegentlich in die iranischen Provinzen. Der Flughafen Mehrabad, Sitz der iranischen Regierungsflotte, wurde in den vergangenen Tagen mehrfach bombardiert.

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