Explosionen in Teheran

Israel greift Militär-Uni in Teheran und Raketenlager an

Samstag, 07. März 2026 | 11:18 Uhr

Von: APA/dpa/AFP/Reuters

Die israelische Armee hat in der Nacht auf Samstag nach eigenen Angaben unter anderem ein unterirdisches Lager für ballistische Raketen sowie eine Militär-Universität der Revolutionsgarden in Teheran angegriffen. Mehr als 80 Kampfflugzeuge seien im Einsatz gewesen, schrieb die Armee auf Telegram. Zudem sei am Samstag eine weitere Angriffswelle auf Ziele in Teheran und Isfahan gestartet worden, hieß es am Vormittag. Auch der Iran setzte seine Angriffe auf Israel fort.

Die Imam-Hossein-Universität in Teheran sei von den Revolutionsgarden als Versammlungsort genutzt worden und daher ein legitimes militärisches Ziel der nächtlichen Angriffe gewesen, betonte die israelische Armee. In dem unterirdischen Raketenlager, dessen Standort nicht genannt wurde, seien Hunderte von Mitarbeitern des “iranischen Terrorregimes” tätig gewesen. Israelische Medien berichteten, dort seien auch Raketen hergestellt worden.

Zudem sei ein Lagerort der iranischen Raketeneinheit angegriffen worden, in dem sich Militärbunker und Abschussinfrastruktur befunden hätten. Weitere Ziele der israelischen Angriffe seien Abschussorte im Westen und Zentrum des Iran gewesen, um die Fähigkeiten des Landes zu dezimieren, Israel zu beschießen.

Schäden an Kliniken und Flughafen gemeldet

Die iranischen Staatsmedien berichteten nach Luftangriffen von schweren Schäden im ganzen Land. Betroffen seien unter anderem zwei Krankenhäuser in der Provinz Khuzestan im Südwesten des Landes. Laut Staatsfernsehen wurden das medizinische Zentrum Razi in der Stadt Ahvaz und das Imam-Ali-Krankenhaus in Andimeshk durch Druckwellen nach Explosionen erheblich beschädigt. Unabhängige Bestätigungen dafür gab es zunächst nicht.

Laut der staatlichen Rundfunkagentur Irib war auch der Inlandsflughafen Mehrabad im Westen von Teheran Ziel von Angriffen. Medienberichte zeigen Brände und große Schäden an dem Flughafen. Die Autobahn, die dorthin führt, ist demnach blockiert. Auch Militäranlagen in Teheran sowie im Zentral-, West- und Nordwestiran seien attackiert worden.

Der Ausfall des Inlandsflughafens zählt zu den Gründen, warum die Beisetzung des vor einer Woche getöteten Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei verschoben wurde. Khamenei soll im Imam-Reza-Mausoleum in seiner Heimatstadt Mashhad beigesetzt werden. Der Schrein im Nordosten des Landes ist für Schiiten ein Heiligtum. Eine Autofahrt in das rund 900 Kilometer entfernte Mashhad dauert rund zehn Stunden. Allerdings sind die Routen bekannt, und Fahrzeuge könnten gezielt angegriffen werden.

Auch der Iran setzte Angriffe fort

Auch der Iran setzte seine Angriffe auf Israel unterdessen die ganze Nacht auf Samstag über fort. Die israelische Armee rief Menschen in verschiedenen Teilen Israels zwischen Freitagabend und Samstag früh insgesamt siebenmal auf, Schutzräume wegen aus dem Iran anfliegender Raketen aufzusuchen. Über Einschläge oder Schäden durch Trümmerteile sowie über mögliche Opfer wurde zunächst nichts bekannt.

Israel und die USA greifen den Iran seit Samstag vergangener Woche massiv an. Der Iran beschießt seinerseits Israel und viele seiner Nachbarländer.

Die USA hatten am Freitag (Ortszeit) besonders heftige Angriffe im Iran angekündigt. “Heute Nacht wird unser schwerstes Bombardement stattfinden”, sagte Finanzminister Scott Bessent dem Sender Fox Business. US-Präsident Donald Trump hatte Anfang der Woche erklärt, dass bald noch heftigere Angriffe folgen sollten. “Wir haben noch nicht einmal angefangen, hart zuzuschlagen”, sagte er am Montag dem Sender CNN. Auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte eine weitere Intensivierung der Angriffe seines Landes gegen dessen Gegner in Aussicht gestellt. Für das militärische Vorgehen brauche es vor allem drei Dinge: “Erstens Entschlossenheit, zweitens Initiative und drittens List”, sagte er am Freitag. Der Feind werde diese Fähigkeiten “noch viel stärker” zu spüren bekommen.

Iran will Angriffe auf Nachbarstaaten einschränken

Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian kündigte unterdessen eine Einschränkung der Angriffe auf andere Staaten in der Region an. Die Interimsführung des Iran habe am Freitag “beschlossen, dass keine weiteren Angriffe auf Nachbarländer ausgeführt und keine Raketen abgefeuert werden, es sei denn, ein Angriff auf den Iran geht von diesen Ländern aus”, sagte Pezeshkian in einer am Samstag im Staatsfernsehen übertragenen Rede.

Pezeshkians Aussage dürfte bedeuten, dass auch von US-Militärstützpunkten in der Region keine Angriffe auf den Iran erfolgen dürfen. Da solche Basen in mehreren Nachbarländern stationiert sind, würde die Bedingung faktisch auch die USA betreffen.

Iranischer Präsident entschuldigte sich

Pezeshkian entschuldigte sich zudem “bei den Nachbarländern, die vom Iran angegriffen wurden”. Seit Kriegsbeginn wurden bei iranischen Angriffen in den Golfstaaten 13 Menschen getötet, darunter ein elfjähriges Mädchen in einem Wohngebiet in Kuwait.

Mit Blick auf Israel und die USA gab sich Pezeshkian kämpferisch. “Die Feinde müssen ihren Wunsch nach der Kapitulation des iranischen Volkes mit ins Grab nehmen”, sagte der iranische Präsident.

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