Von: APA/dpa/Reuters/AFP
Die israelische Armee hat bei ihrem Militäreinsatz gegen die pro-iranische Hisbollah nach eigenen Angaben binnen 48 Stunden rund 150 Ziele im Süden des Libanon angegriffen. Dabei seien Waffenlager, Kommandozentralen und Raketenabschussvorrichtungen der Miliz ins Visier genommen worden, hieß es am Samstag, fünf Ortschaften im Südlibanon sollten evakuiert werden. Die libanesische Seite beklagte mehrere Tote. Präsident Joseph Aoun forderte ein “Ende der israelischen Aggression”.
Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Khamenei feuert die Hisbollah seither immer wieder Geschoße auf Israel ab. Israel fliegt seinerseits Luftangriffe auf zahlreiche Ziele im Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze.
Libanesische Armee: Drei Soldaten getötet
Nach Angaben der libanesischen Armee wurden am Samstag bei einem israelischen Angriff im Süden des Landes drei Soldaten getötet. Das israelische Militär erklärte, das angegriffene Fahrzeug habe sich “verdächtig bewegt” in einer “aktiven Kampfzone”. Die Angriffe im Libanon richteten sich gegen die “Terrororganisation Hisbollah”, betonte das Militär und kündigte zugleich an, den Vorfall zu prüfen. Der libanesische Präsident Joseph Aoun verurteilte den Angriff und forderte ein Ende der “israelischen Aggression”.
Israel und die libanesische Regierung hatten sich am Mittwoch bei Gesprächen in Washington auf die “Umsetzung einer Waffenruhe” geeinigt. Es sollten dabei bestimmte “Testgebiete” unter “exklusiver Kontrolle” der libanesischen Armee geschaffen werden, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.
Beide schränkten ein, dass die Umsetzung aber von der Einstellung der Angriffe der Hisbollah abhänge. Die von Teheran unterstützte Miliz, die bereits die vorherigen Waffenruhen mit Israel abgelehnt hatte, akzeptiert aber auch die neue Vereinbarung nicht. Der Iran besteht darauf, den Libanon in ein mögliches Abkommen mit den USA zur Beendigung des Kriegs einzubeziehen.
“Dörfer im Südlibanon evakuieren”
Die israelische Armee hat alle Einwohner von fünf Ortschaften und Dörfern im Südlibanon zur sofortigen Evakuierung aufgefordert. Armeesprecher Avichay Adraee erklärte auf X, die Bewohner sollten ihre Häuser zu ihrer eigenen Sicherheit unverzüglich verlassen und sich nördlich des Flusses Sahrani begeben. Jeder, der sich in der Nähe von Hisbollah-Kämpfern, deren Einrichtungen und Kampfmitteln aufhalte, bringe sein Leben in Gefahr.
Der Armeesprecher begründete den Evakuierungsbefehl mit Verstößen der libanesischen Hisbollah-Miliz gegen die Waffenruhe. Hisbollah-Chef Naim Kassim hatte die Vereinbarung zwischen der libanesischen Regierung und Israel abgelehnt. Der Sahrani-Fluss ist rund 30 Kilometer lang. Er entspringt im Libanongebirge und mündet etwa sieben Kilometer südlich der historischen Hafenstadt Sidon ins Mittelmeer.
Baby durch israelischen Angriff im Westjordanland getötet
Ein sieben Monate altes palästinensisches Baby ist nach Schüssen eines israelischen Soldaten auf ein Fahrzeug im Westjordanland gestorben. Das palästinensische Gesundheitsministerium in Ramallah teilte mit, Soldaten hätten südlich von Hebron das Feuer auf ein Fahrzeug eröffnet. Das Baby sei später in einem Krankenhaus an den Folgen seiner schweren Verletzungen gestorben. Die Eltern wurden demnach mittelschwer verletzt.
Der Vater des getöteten Babys sagte der israelischen Tageszeitung “Haaretz”, er habe sein Auto vollständig gestoppt, bevor ein etwa 10 Meter entfernt stehender Soldat geschossen habe. Der Zwischenfall habe sich bei Tageslicht ereignet, und der Soldat habe gesehen, dass im Auto eine Familie gesessen habe. Diese Angaben können nicht unabhängig überprüft werden.
Nach Angaben einer israelischen Armeesprecherin hatten Soldaten während ihres Einsatzes den Eindruck, ein Fahrzeug rase mit hoher Geschwindigkeit auf sie zu. Ein Soldat habe daraufhin mehrere Schüsse abgegeben. Drei Palästinenser seien verletzt und medizinisch versorgt worden. Ersten Ermittlungen zufolge seien die Palästinenser unbeteiligte Zivilisten gewesen. Die Umstände des Vorfalls würden untersucht. Die Armee erklärte, sie bedauere zutiefst jeglichen Schaden, der unbeteiligten Personen zugefügt werde.




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