KI-Schummler überführt

Italienischer Politiker fälscht Fotos mit Mattarella und dem Papst

Freitag, 13. Februar 2026 | 08:04 Uhr

Von: idr

Rom – Der Skandal schlug wie eine Bombe ein: Marcello Minenna, ehemaliger Chef der italienischen Zollbehörde und heutiger Regionalrat in Kalabrien, hat auf seiner persönlichen Webseite gefälschte Fotos veröffentlicht, die ihn bei der Übergabe seiner Bücher an Staatspräsident Sergio Mattarella und sogar an Papst Leo XIV. zeigen. Wie die Zeitung Il Foglio aufdeckte, wurden die Bilder mit künstlicher Intelligenz manipuliert.

Das Treffen mit Mattarella fand im September 2020 während der Corona-Pandemie tatsächlich statt, allerdings mit Masken und ohne Buchübergabe. Minenna nutzte Adobe Photoshop und den KI-Generator Adobe Firefly, um die Masken zu entfernen und sich selbst zu verjüngen: In der Originalaufnahme hatte er weiße Koteletten, in der gefälschten Version sind sie hingegen getönt. Auch Mattarellas Kopf wirkt seltsam verformt, ohne erkennbaren Hals.

Noch dreister: das Foto mit Papst Leo XIV. Dank künstlicher Intelligenz inszenierte sich Minenna bei der Übergabe seines Buchs an den Heiligen. Ein Treffen zwischen den beiden hat jedoch nie stattgefunden – demzufolge gibt es auch Minennas höchstwahrscheinlich nicht im Bücherregal des Papstes.

„Das Foto ist seit Jahren online“

Als der Corriere della Sera nachhakte, versuchte sich Minenna herauszureden: „Wie in den Hinweisen am Ende der Website klar angegeben, wurden einige Bilder aus Gründen der grafischen Einheitlichkeit und des Datenschutzes bearbeitet.“ Das betreffende Foto sei bereits seit Jahren online. Statt mit den angeblich eindeutig gekennzeichneten Bildern solle man sich lieber mit seinen wissenschaftlichen Arbeiten auseinandersetzen.

Der Ökonom ist kein Unbekannter in Sachen Selbstdarstellung: 2019 hatte er bereits das Logo des Europäischen Stabilitätsmechanismus ohne Genehmigung für eine Präsentation verwendet. Der ESM musste daraufhin öffentlich klarstellen, nichts damit zu tun zu haben. Eine Stellungnahme des Papstes zu dem Thema gab es bislang noch nicht.

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