Von: APA/dpa/AFP/Reuters
Im Iran sind bei den israelisch-amerikanischen Angriffen nach Angaben des Roten Halbmonds mindestens 787 Menschen ums Leben gekommen. Die Hilfsorganisation berichtete auf Telegram von Attacken in 153 Städten. Unterdessen warnte Teheran Europa vor einem Kriegseintritt. Die IAEA bestätigte Schäden an Eingängen zur Urananreicherungsanlage Natanz. Die israelische Armee traf bei Luftangriffen das iranische Präsidialamt sowie das Gebäude des Nationalen Sicherheitsrats in Teheran.
In der Nacht auf Dienstag habe die israelische Luftwaffe “Einrichtungen des Führungskomplexes des iranischen Terrorregimes angegriffen” und dabei das “Präsidialamt sowie das Gebäude des Nationalen Sicherheitsrats” bombardiert, erklärte die Armee. Bei dem Angriff auf das Präsidialamt sowie das Gebäude unter Leitung von Sicherheitsratschef Ali Larijani sei “zahlreiche Munition” abgefeuert worden, fügte die israelische Armee hinzu.
Die in Norwegen ansässige Menschenrechtsorganisation Hengaw sprach am Montag sogar von mehr als 1.500 Todesopfern im Iran. Rund 1.300 der Toten seien Mitglieder der Streitkräfte, etwa 200 Zivilisten. Die Aktivisten stützen sich bei ihrer Arbeit auf ein Netzwerk von Kontakten im Land.
Unterdessen stieß Teheran Warnungen gegen Europa aus. “Jede derartige Handlung gegen den Iran würde als Komplizenschaft mit den Aggressoren” und als “Kriegshandlung” angesehen werden, erklärte am Dienstag der iranische Außenamtssprecher Esmail Baghaei offenbar mit Blick auf eine vorherige Erklärung europäischer Staaten. Frankreich, Deutschland und Großbritannien hatten Sonntagabend bei Bedarf “Defensivmaßnahmen” gegen den Iran angekündigt. Weiters wurde mitgeteilt, dass die Wahl eines neuen geistlichen und politischen Oberhaupts des Iran nicht lange in Anspruch nehmen wird.
Krieg gegen Iran wird nicht Jahre dauern
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu geht nicht davon aus, dass der Krieg gegen den Iran Jahre dauern wird. Der Konflikt werde “schnell und entscheidend” sein, sagte Netanyahu dem US-Sender Fox News. Zwar könne es einige Zeit dauern, es handle sich aber nicht um einen endlosen Krieg wie frühere Konflikte in der Region. Das israelische Militär hat sich nach eigenen Angaben auf mehrere Wochen eingestellt. Ein Einsatz von Bodentruppen im Iran sei unwahrscheinlich, teilte Oberstleutnant Nadav Schoschani mit.
“Basierend auf den neusten verfügbaren Satellitenbildern” könne die IAEA nun einige “kürzlich entstandene Schäden” an den Eingangsgebäuden der unterirdischen Anreicherungsanlage Natanz bestätigen, teilte die Behörde mit Sitz in Wien am Dienstag auf X mit. Es seien keine radiologischen Folgen zu erwarten. Der Iran hatte die USA und Israel am Montag beschuldigt, die Atomanlage angegriffen zu haben.
Im Juni hatten die USA an der Seite Israels drei wichtige iranische Atomanlagen bombardiert. US-Präsident Donald Trump zufolge wurden die Anlagen Fordo, Natanz und Isfahan in dem zwölf Tage dauernden Krieg vollständig zerstört, der wirkliche Umfang der Schäden ist aber nicht klar. Die Angriffe im Juni erfolgten mit dem erklärten Ziel, Teheran vom Bau einer Atombombe abzuhalten.
Das UNO-Büro für Menschenrechte forderte eine Untersuchung der Bombardierung einer Mädchenschule im Iran. Der Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, verlange eine unparteiische Aufklärung des “schrecklichen” Vorfalls, teilte Sprecherin Ravina Shamdasani in Genf mit. Die Verantwortung für die Untersuchung liege bei den Streitkräften, die den Angriff verübt hätten. Iranischen Staatsmedien zufolge waren bei dem Angriff auf die Schule in Minab im Süden Irans am Samstag über 160 Menschen getötet worden. US-Außenminister Marco Rubio hatte bereits erklärt, die US-Truppen würden “nicht absichtlich eine Schule ins Visier nehmen”.
Putin will vermitteln
Russlands Präsident Wladimir Putin will die Sorgen arabischer Staatschefs über die iranischen Angriffe auf Ölanlagen an die Führung in Teheran übermitteln. Dies kündigt Kreml-Sprecher Dmitri Peskow an. Putin werde sicherlich jede Anstrengung unternehmen, um zumindest zu einer leichten Entspannung beizutragen, sagt Peskow. Der Präsident habe am Montag mit vier Regierungschefs der Golfstaaten telefoniert und dabei angeboten, die guten Beziehungen Moskaus zum Iran zu nutzen. Pläne für ein Gespräch mit Trump gebe es derzeit nicht.
Die USA und Israel hatten am Samstag massive Luftangriffe auf den Iran begonnen. Dabei wurden der oberste Führer Ayatollah Ali Khamenei und weitere Mitglieder der iranischen Führung getötet. Als Reaktion auf die Angriffe Israels und der USA greift der Iran seit Samstag Israel, mehrere Golfstaaten sowie US-Einrichtungen in der Golfregion an.




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