Fahrzeug im Zentrum Sidons ging nach Angriff in Flammen auf

Mindestens 13 Tote nach Attacken Israel im Libanon

Mittwoch, 10. Juni 2026 | 15:38 Uhr

Von: APA/dpa/Reuters

Inmitten erneuter Spannungen im Iran-Krieg kommt es im Libanon weiterhin zu schweren Angriffen der israelischen Armee. Die staatliche Nachrichtenagentur NNA meldete zahlreiche Luftangriffe in weiten Teilen des Südens und im Osten des Landes. Dabei wurden ersten Angaben zufolge mindestens 13 Menschen getötet. Ein Drohnenangriff auf ein Fahrzeug in der Küstenstadt Sidon südlich der Hauptstadt Beirut tötete zwei Menschen, berichtete die Staatsagentur weiter.

Israels Armee geht eigenen Angaben zufolge im Süden des Nachbarlandes gegen die Hisbollah und deren Einrichtungen vor. Auch die Kämpfe um die Burg Beaufort in der Provinz Nabatieh, die israelische Truppen vor etwa einer Woche eingenommen hatten, dauerten an. Israelische Kampfhubschrauber hätten die Miliz in der Nähe der Burg mit Maschinengewehrfeuer angegriffen, berichteten libanesische Medien. Die Hisbollah reklamierte unterdessen erneut mehrere Angriffe auf israelische Stellungen im Südlibanon für sich.

Libanesischen Sicherheitskreisen zufolge sind israelische Truppen bis in die unmittelbare Nähe der Stadt Nabatieh vorgerückt. Damit rückt die Frontlinie näher an einen der wichtigsten wirtschaftlichen Knotenpunkte der Region heran. Die israelischen Streitkräfte befinden sich Berichten zufolge nur noch wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Im Libanon herrscht die Sorge, die israelische Armee könnte sich auf eine Einnahme der Stadt vorbereiten. Dafür gibt es von israelischer Seite keine Bestätigung. Die israelische Armee äußert sich zugleich nicht zu den genauen Positionen ihrer Truppen.

Bürgermeister: Zwei Zivilisten von Israel entführt

Nach örtlichen Angaben wurden zudem zwei libanesische Staatsbürger vom israelischen Militär verschleppt. Der Bürgermeister des Orts Kfar Shouba, Kassem al-Kadri, bestätigte, dass ein Gemeinderatsmitglied und ein Mitarbeiter der Gemeinde entführt worden seien, als sie Arbeiten an einem Brunnen am Stadtrand durchführten.

“Wir haben allen deutlich gemacht, dass sich in Kfar Shouba ausschließlich Zivilisten befinden, die sich an die Regeln der libanesischen Regierung und der libanesischen Armee halten”, so der Bürgermeister. Israelische Streitkräfte hätten bereits vor zwei Wochen Bewohner aus der Stadt entführt und ihnen vorgeworfen, mit der Hisbollah zusammenzuarbeiten.

Israels Armee teilte auf Anfrage mit, beide hätten sich einer Gegend mit israelischen Soldaten genähert. Um sicherzugehen, dass von ihnen keine Bedrohung ausgehe, seien sie zunächst gefangengenommen und für eine Befragung nach Israel gebracht worden. Sollte sich kein Verdacht gegen beide ergeben, würden sie wieder freigelassen, teilte ein israelischer Armeesprecher mit. Die Hisbollah ist im Libanon nicht nur eine Miliz, sondern auch eine Partei und stellt weite Teile der allgemeinen Infrastruktur für die Bevölkerung in den von ihr kontrollierten Gebieten.

Vereinte Nationen schicken Ermittler

Unterdessen schickten die Vereinten Nationen ein Ermittlerteam in den Libanon. Es solle mögliche Verstöße gegen das Völkerrecht durch alle Konfliktparteien untersuchen, teilte der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, mit. Es sei das erste Mal, dass ein solches Team entsandt werde. Es gehe darum, Verstöße aller Parteien gegen das Völkerrecht und die internationalen Menschenrechte zu untersuchen, zu dokumentieren und darüber zu berichten.

Der Libanon wurde am 2. März in den Nahost-Konflikt hineingezogen. Die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz feuerte aus Solidarität mit dem Iran Raketen auf Israel ab, das zusammen mit den USA am 28. Februar den Iran angegriffen hatte. Israel reagierte mit einer umfassenden Luft- und Bodenoffensive im Libanon. Dadurch wurden bisher mehr als 3.600 Menschen getötet und mehr als eine Million Menschen vertrieben.

Die USA hatten am 16. April eine Waffenruhe vermittelt, die Kämpfe gingen jedoch weiter. Dem Libanon zufolge hat Israel seit Verkündung der Waffenruhe fast 3.500 Angriffe ausgeführt.

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