150 zusätzliche Plätze

Nach tragischem Todesfall: Weitere Kälteschlafplätze werden aktiviert ­

Montag, 12. Dezember 2022 | 15:46 Uhr

Bozen – Land, Gemeindenverband und Bezirksgemeinschaften wollen kurzfristig weitere Kälteschlafplätze für Obdachlose einrichten. In den nächsten Wochen sollen 150 zusätzliche Plätze zur Verfügung stehen.
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In einer Online-Videokonferenz haben sich am heutigen Montagvormittag Landeshauptmann Arno Kompatscher und Soziallandesrätin Waltraud Deeg mit dem Präsidenten des Gemeindenverbandes Andreas Schatzer und den Präsidenten der Bezirksgemeinschaften zur aktuellen Herausforderung der Schaffung neuer Kälteunterkünfte befasst.

Man ist sich einig darin, dass es nun schnell und konkrete Hilfe brauche, um obdachlose Menschen vor der Kälte zu schützen: “Wir müssen dafür Sorge tragen, dass Menschen nicht draußen in der Kälte übernachten müssen und dabei ihre Gesundheit oder gar ihr Leben riskieren. Es braucht darum unmittelbar mindestens 50 Plätze, in den nächsten Wochen weitere 100 Plätze, an denen obdachlose Menschen die Nacht verbringen können”, hielt der Landeshauptmann eindringlich fest. Parallel dazu werde an mittel- und langfristigen Strategien gearbeitet, vor allem um die Landeshauptstadt Bozen, aber auch andere Gemeinden künftig besser in diesem Bereich unterstützen zu können. Soziallandesrätin Deeg berichtete von den laufenden Arbeiten, stellte ihrerseits jedoch auch klar: “Das Land alleine kann dieses Problem nicht lösen, darauf weise ich bereits seit mehreren Wochen hin: Wir brauchen jetzt sofort Plätze, in Bozen, aber auch im restlichen Land, um Menschen einen warmen Platz bieten zu können.” Deeg schlug in diesem Zusammenhang vor, beispielsweise am Zugbahnhof Bozen den 2016 eingerichteten Wärmeraum wieder zu öffnen. Möglich sei jedoch auch, weitere Räumlichkeiten wie Sporthallen oder ähnliches, die bereits mit sanitären Anlagen ausgestattet sind, kurzfristig mit Schlafmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen.

Konkrete Schlafplätze könnten möglichst zeitnah in landeseigenen Gebäuden entstehen. Derzeit wird technisch überprüft, rund 50 Plätze in Eppan auf dem Gelände der Mercanti-Kaserne zugänglich zu machen. Diese waren als CAS-Einrichtung (Centro di Accoglienza Straordiniaria, eine Unterbringungsmöglichkeit für Flüchtlinge, die dem Land durch staatliche Stellen zugewiesen werden) genutzt worden. Die Einrichtung steht derzeit leer. In der Bezirksgemeinschaft Vinschgau können zudem zehn Schlafplätze unmittelbar bereitgestellt werden. Auch in anderen Bezirksgemeinschaften könnten in landeseigenen Gebäuden Schlafplätze eingerichtet werden: Hierfür laufen derzeit die Überprüfungsarbeiten, ob die Räumlichkeiten geeignet sind oder kurzfristig entsprechend angepasst werden können.

Gemeindenpräsident Schatzer nutzte die Videokonferenz als Appell, dass auch außerhalb von Bozen kurz- und mittelfristig Schlafplätze für obdachlose Menschen gefunden werden müssten: “Bezirksgemeinschaften und Gemeinden sind dazu aufgerufen, nach geeigneten Räumlichkeiten vor Ort zu suchen, uns diese innerhalb dieser Woche mitzuteilen und die Führungsformalitäten zu klären.” Zu Wort meldeten sich auch der Bozner Bürgermeister Renzo Caramaschi und Sozialstadtrat Juri Andriollo, die auf die Dringlichkeit einer Lösung in diesem Zusammenhang verwiesen. Die Landeshauptstadt könne die Aufgabe nicht alleine schultern. Die Präsidenten der Bezirksgemeinschaften sicherten ihrerseits die Bereitschaft zu, geeignete Einrichtungen und Räumlichkeiten ausfindig zu machen und sich zeitnah dazu auszutauschen.

Parallel zur kurzfristigen Schaffung von Schlafplätzen arbeiten Land und Gemeinden zudem am Ausbau des Netzwerks der CAS-Einrichtungen. In diesem finden Asylbewerbende eine vorübergehende Unterkunft. Dabei werden von staatlicher Seite die Voraussetzungen festgelegt und überprüft, das Land trägt anschließend Sorge für eine Unterbringung in geeigneten Räumlichkeiten. Dafür ist das Land derzeit auf der Suche vor allem nach Räumlichkeiten, die auch von Familien genutzt werden können.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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17 Kommentare auf "Nach tragischem Todesfall: Weitere Kälteschlafplätze werden aktiviert ­"


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So ist das
1 Monat 15 Tage

Für einen jungen Mann leider zu spät dank dem bürokratischen Streit um Zuständigkeit und Geld 😳

letzwetto
letzwetto
Tratscher
1 Monat 15 Tage

Die pfarrhäuser stehen fast alle leer bzw.nur 1 pfarrer. Dort haben jede menge leute platz

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 15 Tage

Politiker tun was ihren Wählern wichtig ist und das nur selten und diese Menschen, die auf den Strassen leben, sind nicht gewollt. Weder von den Politikern und schon gar nicht von der inzwische immer rechter werdenden und unmenschlicheren Bevölkerung.

Superredner
1 Monat 15 Tage

@letzwetto die Kirche tut la beten für die Armen

Mutti
Mutti
Universalgelehrter
1 Monat 15 Tage

Konn net die Kirche a aktiv werden ,Kloster stian laare ,war a Möglichkeit …

bon jour
bon jour
Universalgelehrter
1 Monat 15 Tage

die Kirche tut, über die Caritas.

Lisa007
Lisa007
Tratscher
1 Monat 15 Tage

@bon jour ha,ha deswegen hat Kloster Neustift so viel Reichtümer !!

offnzirkus
offnzirkus
Superredner
1 Monat 15 Tage

Zuerst muss jemand sterben bis das Land aktiv wird. Traurig aber wahr!

krokodilstraene
krokodilstraene
Tratscher
1 Monat 15 Tage

“Man ist sich einig darin, dass es nun schnell und konkrete Hilfe brauche…”

jaja…

in den nächsten Wochen…

ebbi
ebbi
Universalgelehrter
1 Monat 15 Tage

….bzw. Jahrzehnten

Savonarola
1 Monat 15 Tage

jeder Tourist soll pro Person und Übernachtung einen Euro zu Solidaritätszwecken zahlen!

ebbi
ebbi
Universalgelehrter
1 Monat 15 Tage

und jeder Chinaschrottkitschmarktbesucher 5 Euro Solidaritätsbeitrag plus 5 Euro Umweltgebühr

sullimann
sullimann
Grünschnabel
1 Monat 15 Tage

Ein junger Mann der sicher irgendeine Arbeit machen kann bei so vielen leeren Arbeitsplätzen bekäme dort sicher auch ein warmes zimmer

ebbi
ebbi
Universalgelehrter
1 Monat 15 Tage

kommt darauf an, ob hnd welche Papiere er hat. So einfach ist das nicht.

elvira
elvira
Universalgelehrter
1 Monat 15 Tage

sem braucht er ober a aufenthaltsgenehmigung und a orbeitsgenehmigung sel isch dir schun klor? und sel dauert ewig bei insrer bürokratie..

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 15 Tage

Schon schade, wenn sich die Zuständigen wehren und ihren Pflichten nicht nachkommen.

ebbi
ebbi
Universalgelehrter
1 Monat 15 Tage

Oha, jetzt kommt plötzlich Bewegung in die Sache. Für’s erste schon mal gut, aber die gesammte Obdachlosenarbeit bzw. Flüchtlingsarbeit gehört grundsätzlich anders ausgerichtet. Ein paar Monate einen Schlafplatz für diese Menschen einzurichten und sie dann im Frühjahr wieder auf die Straße zu stellen, schützt diese Menschen zwar vor dem Erfrierungstod, trägt aber nicht dazu bei, sie zu dem zu machen, was unsere Gesellschaft benötigt.

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