Von: apa
Einen Rückgang der Treibhausgase (THG) in Österreich von minus drei Prozent bzw. zwei Millionen Tonnen CO2-Äquivalent im Vergleich zu 2023 hat die THG-Inventur des Umweltbundesamts ergeben. 2024 wird damit ein Wert in der Höhe von 66,6 Millionen Tonnen erreicht. Als Gründe für den “positiven Trend” nannte Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) neben der negativen Industrieproduktion und Wetterlage, dass auch CO2-Bepreisung oder Ausbau erneuerbarer Energie Wirkung zeigen.
Der THG-Rückgang fiel 2024 insgesamt höher aus, als in der “Nowcast”-Prognose vom vergangenen August, wo noch von einem Minus von 2,6 Prozent ausgegangen wurde. Zwar fällt auch die weitere Rückschau positiv aus, denn in den vergangenen drei Jahren sanken die THG-Emissionen um insgesamt 15 Prozent bzw. 11,5 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent, hieß es bei der Präsentation der aktuellen Zahlen am Mittwoch.
Negativer Trend für 2025 erwartet
Ein negativer Trend ist laut Totschnig jedoch für 2025 zu erwarten, wo laut ersten Einschätzungen wieder mit Anstieg von 1,5 Prozent zu rechnen sei. Auslöser sind laut dem Minister unter anderem ein höherer Heizbedarf und eine rund um ein Viertel geringere erneuerbare Stromproduktion bei den Laufkraftwerken gegenüber 2024. Eine Lücke, die durch Importe und verstärkten Einsatz der heimischen Gaskraftwerke geschlossen werden musste. Außerhalb des Emissionshandels, also im Non-ETS-Bereich, werde für 2025 jedoch ein leichter Rückgang erwartet, wie aus den Schätzungen des Umweltbundesamts hervorgehe. Hier wirke laut Totschnig etwa im Sektor Verkehr etwa die E-Mobilität mit über 60.000 Neuzulassungen.
42,7 Millionen Tonnen Treibhausgase im Non-ETS-Bereich im Jahr 2024 bezeichnete Sektionschef für Klima, Jürgen Schneider, jedenfalls als eine “erfreuliche Nachricht”. Hier werde der EU-Zielwert um rund 300.000 Tonnen unterschritten, was erneut als Gutschrift für kommende Jahre verwendet werden kann, nachdem die Vorgabe 2022 und 2023 ebenfalls unterschritten werden konnte. “Wir wollen unseren eingeschlagenen Weg im Klimaschutz konsequent weiter gehen. Um dem Ziel der Klimaneutralität näher zu kommen, ist es wichtig, die Maßnahmen aus dem Nationalen Energie- und Klimaplan rasch umzusetzen”, so Schneider weiter.
Vorerst keine Notwendigkeit für Zertifikate
Was das 2030-Klimaziel für Österreich betrifft, das eine 48-prozentige THG-Reduktion gegenüber 2005 im Non-ETS-Bereich vorsieht, so stellte Totschnig fest, dass “für den Zeitraum 2021 bis 2025 keine Notwendigkeit” bestehe, Emissionszertifikate zuzukaufen. Für die Zeit danach sei es das Ziel, “entsprechende Maßnahmen zu setzen”, um dies weiterhin zu verhindern. Das Thema “Klimawandel” bleibe für die Bundesregierung von “zentraler Bedeutung”, der Klimacheck für Gesetze trete etwa in den kommenden Tagen in Kraft.
Was das weiterhin und schon lange ausständige Klimaschutzgesetz betrifft, so sagte Totschnig, dass “Klimapolitik einen Kraftakt der gesamten Bundesregierung” erfordere. Zu dessen Koordination brauche es das Klimaschutzgesetz und über dieses werde weiter verhandelt, die Abstimmungen noch laufen. Klar ist laut Schneider jedoch, dass es künftig Nachschärfungen in allen Sektoren brauchen werde. Wichtig für die Dekarbonisierung seien jedenfalls das E-Wirtschaftsgesetz und Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz, weil sie eine Elektrifizierung bedeuten – und für diese müsse Strom für Industrie und Haushalte leistbar sein.
Kritik von Grünen und NGOs
Der prognostizierte Anstieg der Treibhausgase für 2025 kommentierte die Klubobfrau der Grünen, Leonore Gewessler, als “eindeutiges Urteil” über die Arbeit von ÖVP, SPÖ und NEOS: “Wir Grüne haben Österreich zum Vorreiter gemacht, diese Regierung hat den Rückwärtsgang eingelegt.” Minister Totschnig müsse dringend das Klimagesetz vorlegen und den Ausstieg aus Öl und Gas konsequent vorantreiben, hieß es von Greenpeace.
“Ohne politisches Gegensteuern droht ein sündteures Verfehlen der Klimaziele. Das wäre ein politisches Debakel der Sonderklasse”, sagte WWF-Klimasprecher Karl Schellmann in einem Statement. “Eine aktivere Klimaschutzpolitik würde mehr Beschäftigung bringen, mehr erneuerbare Energie die Energiepreise senken und durch eine Ankurbelung der regionalen Wirtschaft sogar die Schuldenlast des Staates schrumpfen”, lautete der Kommentar von Global 2000.




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