Einbußen im Tourismus

Quarantänestation in Gossensaß: Gemeinde fordert Entschädigung

Donnerstag, 29. Oktober 2020 | 10:32 Uhr

Brenner/Gossensaß – Das Militärferienheim von Gossensaß ist in der Corona-Krise bekanntlich als Quarantänestation umfunktioniert worden. Laut Stand vom Mittwoch sind dort derzeit 41 Personen untergebracht. Nun hat die Gemeinde Brenner eine Resolution verfasst, um eine Kompensationszahlung für die lokale Tourismuswirtschaft von der Landesregierung zu fordern.

Am 7. März 2020 bezogen die ersten Personen als Verdachtsfälle für Covid-19 die neu eingerichtete Quarantänestation im sog. „soggiorno montano“ von Gossensaß. „Bereits einige Zeit vorher mussten die letzten Gäste die Struktur fast fluchtartig verlassen. Die Militäreinrichtung wurde vor jetzt sieben Monaten vom italienischen Verteidigungsministerium dem Land Südtirol für die temporäre Unterbringung von Corona-Verdachtsfällen zur Verfügung gestellt. Unter der Koordination der Agentur für Zivilschutz werden dort inzwischen vom Weißen Kreuz, der Militärbehörde und dem Südtiroler Gesundheitsbetrieb bis zu 140 Personen betreut, die bei sich zu Hause nicht die Möglichkeit auf eine isolierte Unterbringung vorfinden“, steht in der Resolution.

Im Militärferienheim finde man für eine derartige Quarantäne eine fast perfekte Struktur vor, auch die Marktgemeinde Brenner sei von der Notwendigkeit einer solchen Struktur überzeugt und habe sich bisher in diesem Zusammenhang als fairer und kooperativer Partner hervorgetan, heißt es weiter. „Leider zieht sich die Nutzung des Militärferienheimes für die Unterbringung von Corona-Verdachtsfällen nun schon über die abgebrochene Wintersaison hin bis über die gesamte Sommersaison jetzt auch noch in die kommende Wintersaison hinein weiter. Dies ist unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ein großer, realer Schaden für die Tourismuswirtschaft der Gemeinde Brenner, auch weil in anderen Gemeinden die Tourismusstrukturen im Sommer wieder voll durchstarten konnten.“

Mit 574 Betten stellt im Normalfall die Militärstruktur mehr als ein Viertel der gesamten Betten der Marktgemeinde Brenner. In der Hochsaison sind diese Betten meist zur Gänze belegt. Deshalb seien die Einnahmenausfälle für die Tourismuswirtschaft in Gossensaß und dem Pflerschtal jetzt schon beträchtlich, die Umwegrentabilität wegen des Ausbleibens der Gäste des „soggiorno“ sei praktisch von heute auf morgen auf null gesunken. Der Liftgesellschaft Bergbahnen Ladurns GmbH entfielen im Sommer knapp ein Drittel der insgesamt 25.000 Berg- und Talfahrten.

„Zu einem für die Liftgesellschaft existenzbedrohenden Problem könnten sich die Einnahmenausfälle durch Fernbleiben der Gäste des Militärferienheimes in der bevorstehenden Wintersaison entwickeln. Das Ferienheim öffnet in einer normalen Wintersaison Mitte Dezember und bleibt bis Ostern geöffnet“, steht in der Resolution. Im Durchschnitt urlauben also rund 400 Personen pro Woche in dieser Struktur. Diese Anzahl an Personen generierte in der Wintersaison 2018/19 rund 172.000 Euro an Umsatz für die Liftgesellschaft.

„Weitere Haupteinnahmen entfallen in der Wintersaison den angeschlossenen Betrieben im Skiverleih, der Skischule und der Gastronomie am Skiberg. Auf das ganze Jahr bezogen entfallen der lokalen Gastronomie im Pflerschtal und in Gossensaß beträchtliche Einnahmen in Bars, Cafès und Restaurants. Neben dem Ausfall dieser Einnahmen gilt es auch noch einen nicht zu unterschätzenden negativen Imageverlust für die Ferienregion Gossensaß/Pflersch zu verkraften, hervorgerufen durch zahlreiche und intensive Berichterstattung in regionalen, aber auch nationalen Medien zur Quarantänestation. Zusammenfassend kann der Einnahmenverlust für die lokale Tourismuswirtschaft (Skibetrieb, Skiverleih, Skischule, Gastbetriebe usw.) für den Zeitraum März 2020 bis zum Ende der Wintersaison 2021 sicher auf den Gesamtbetrag von 500.000 Euro beziffert werden“, erklärt die Gemeindeverwaltung.

Aufgrund dieser „nachhaltigen und objektiv messbaren Einnahmenausfälle für die lokale Tourismuswirtschaft“ fordert der Gemeinderat Brenner von der Landesregierung der Autonomen Provinz Bozen eine entsprechende Kompensation der unfreiwillig erfolgten Umsatzeinbußen für die lokale Tourismuswirtschaft in der Gemeinde Brenner aufgrund des Ausfalls des Militärferienheims „soggiorno montano“ als Tourismusstruktur.

Von: mk

Bezirk: Wipptal

Kommentare

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26 Kommentare auf "Quarantänestation in Gossensaß: Gemeinde fordert Entschädigung"


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corona
corona
Tratscher
1 Monat 20 h

Hon gor net gwisst, dass man in gossnsoss oder brenner Urlaub mochn kannt.
bin olm lei schnell weitergschossn aus der trostlosn gegend…

oasterhos
oasterhos
Grünschnabel
1 Monat 19 h

@corona: Zum Glück – so respektlose Bürger brauchen wir im Land eh nicht. Wie wärs mal über den Tellerrand zu schauen? Leben ja auch Südtiroler dort – egal ob dir das gefällt oder nicht. Und ich glaube kaum, dass die in einer trostlosen Gegend wohnen.

genau
genau
Kinig
1 Monat 19 h

@oasterhos

Nja gerade schön ist der Brenner nicht! 😄

oasterhos
oasterhos
Grünschnabel
1 Monat 19 h

@genau Mag sein, dass der Brenner nicht wirklich das Schönste ist…was ist dann aber Bozen? 

corona
corona
Tratscher
1 Monat 18 h

Bozen: tw. ganz nett, großteils furchtbar…

primetime
primetime
Universalgelehrter
1 Monat 16 h

@oasterhos Dann könnte Bozen ja auch eine Entschädigung anfragen für das shclechte Bild im Bahnhofspark

genau
genau
Kinig
1 Monat 16 h

@oasterhos

Der Bozner Talkessel ist sehr schön.
Auch die Altsradt mit ihrem mediteranen Touch gefällt mir sehr gut! 🙂

Ich fühle mich dort sehr wohl.
Danke der Nachfrage.

Wirklich deprimierend sind diese engen Seitentäler! 🤮🤮🤮

genau
genau
Kinig
1 Monat 15 h

@corona

Ich mag Bozen.
Ist zwar eine kleine Stadt die trotzdem etwas lebendiges hat! 🙂👍

Targa
Targa
Superredner
1 Monat 15 h

@oasterhos
Bozen kann man nicht mit dem Brenner vergleichen!

corona
corona
Tratscher
1 Monat 12 h

@genau
seggo, semm hosch recht!

meinungs.freiheit
meinungs.freiheit
Superredner
1 Monat 20 h

Die Gemeinde ist auf alle Fälle zu entschädigen. Nach Corona sind diese Kasernen endlich zu entfernen oder zumindest in einem sinnvollen Zustand zuzuführen.

nobodyisperfekt
nobodyisperfekt
Grünschnabel
1 Monat 19 h

die Militärangehörigen, welche normalerweise in der Kaserne Urlaub machen, sind wohl nicht so ein großer Ausfall für den Tourismus in der Gemeinde Brenner. Sie haben im Kaserenareal alles, Bar, Restaurant, Pizzeria und wohlgemerkt dort kostet eine Pizza einen Bruchteil dessen was wir Normalbürger in privat betriebenen Pizzerias zahlen. Die gehen ja nicht mal aushäusig einen Kaffee trinken – dai dai wofür a Entschädigung?

corona
corona
Tratscher
1 Monat 18 h

Nja, a Quarantänestation firs gonze Lond zi hobn, isch derzeit net es bledeschte… noch corona isch vor der nägschtn Pandemie, merkts enk sell.

fritzol
fritzol
Superredner
1 Monat 17 h

@nobodyisperfekt
du schreibst die Wahrheit auch wenns niemand gerne liest

nobodyisperfekt
nobodyisperfekt
Grünschnabel
1 Monat 17 h

irgendwo muss man die Leute halt unterbringen ….seits froha dass mir holbwegs die Möglichkeitn hobn …lei gejammer dio

rantanplan
rantanplan
Tratscher
1 Monat 19 h

könnte nicht jeder etwas fordern wegen corona? fordern, fordern….aufhören würde das nie….
allen leuten recht getan ist eine kunst die niemand kann!!

corona
corona
Tratscher
1 Monat 18 h

Genau. In inson beitrogslandl heb oanfoch jeder die hond au, stott die örml auzikrempln!

genau
genau
Kinig
1 Monat 14 h

@corona

Stimmt!
Und die üblichen Händchen-Aufhalter dürften uns wohl allen bekannt sein!

So sehe ich das
So sehe ich das
Grünschnabel
1 Monat 19 h

Gossensaß oder Brenner, ich bin x 100te Mal vorbeigefahren (Autobahn) ober mir persönlich war nie in Gedanken gekommen dort Urlaub zu machen.

Guri
Guri
Superredner
1 Monat 17 h

das Dorf unter der Autobahn Brücke , am Brenner , niemals kommt mir der Gedanke dort Urlaub zu machen

genau
genau
Kinig
1 Monat 11 h

Vieleicht im verlassenen Eisenbahntunnel! 😄

Raver-Party🤔

der echte Aaron
der echte Aaron
Superredner
1 Monat 16 h

Eine Entschädigung…..für was? Das Militär kann mit seinem Areal machen was es will, wenn es zugemacht wird ist zu oder muss demnächst ein Hotelier auch Entschädigung zahlen, wenn er seinen Betrieb schließt ?  

Storch24
Storch24
Kinig
1 Monat 17 h

Ich will mal behaupten, dass es eine ganz gute Übergangslösung ist, was hätten wir mit all den Menschen gemacht die hier kein Zuhause haben ( zb Erntehelfer, Obdachlose) und in Quarantäne müssen. FORDERN ist aber nicht der richtige Ausdruck, denn auch ohne Corona hätten dort wahrscheinlich nicht so viel Leute Urlaub gemacht.

mandela
mandela
Superredner
1 Monat 10 h

Was wollen denn die fordern wenn doch keine gäste kommen werden wie es aussieht…

misanthrop_2.0
30 Tage 23 h

So trostlos diese Gemeinde laut einigen
“Gelehrten” hier auch sein mag, trotzdem wurden laut Ex-Bürgermeister Kompatscher Zitat “in 5 Jahren über 100 Wohnungen gebaut – eine
erfolgreiche Wohnbau- und Urbanistikpolitik”, leider findet man keinen
einheimischen Namen mehr an den Klingeln. Das macht die Gemeinde Brenner
natürlich noch attraktiver. Und das Skigebiet Ladurns war schon lange vor Corona ein Patient
der nur noch künstlich mit Steuergeldern am Leben erhalten wurde – da hilft
nur noch die Verbindung nach Rosskopf, nach Gossensass, nach Kitzbichl und nach Aspen.

PeterSchlemihl
PeterSchlemihl
Tratscher
30 Tage 23 h

Unglaublich, wie aus dem Kontext mit dem Virus Geld herausgeschlagen wird. Woher soll das Geld kommen? Weniger Einnahmen, mehr Ausgaben: Wie soll das klappen?

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