Heimatbund fordert mehrsprachige Etikettierung

Schon einsprachig gegessen?

Dienstag, 11. Juli 2017 | 20:10 Uhr

Bozen – Der Südtiroler Heimatbund ist verwundert darüber, dass immer mehr schnell und hastig aufgeklebte Etiketten auf Gläser und Verpackungen, die Lebensmittel aus deutschsprachigen Ländern beinhalten, die Auflistung der Inhaltsstoffe auf Deutsch kaum mehr möglich machen. „Bei immer wieder aufkommenden Allergien kann das ins Auge gehen, wenn man nicht gleich das Wörterbuch bei der Hand hat. Letzteres sollte am Mittagstisch aber nicht notwendig sein“, so Obmann Roland Lang.

Dass den italienischen Bürgern das Angebot in ihrer Muttersprache unterbreitet wird, dazu werden die deutschen und österreichischen Firmen per Gesetz angehalten. Letzteres habe ein Brotaufstrich-Unternehmen aus Schleswig-Holstein auf Nachfrage via E-Mail bestätigt. „Doch es kann und darf nicht sein, dass die deutschen Südtiroler draufzahlen müssen und nichts mehr oder nur noch erschwert die Inhaltsstoffe des betreffenden Produkts lesen können“, so der SHB.

„Es ist doch ein Nonsens, wenn zwei Drittel der Einwohner der Provinz Bozen auf eine Etikette in ihrer Muttersprache verzichten müssen, um für ein Drittel das Recht auf die Sprache zu garantieren. Und es ist ein weiterer Nonsens, dass sogar die landeseigene Sanitätspolizei kontrolliert, ob die Staatssprache vorhanden ist“, betont Lang. Fehle Italienisch, würden saftige Strafen fällig.

„In Zeichen der Globalisierung, wo Etiketten oft in mehreren Sprachen abgedruckt werden, sollte es doch möglich sein, nicht zwei Drittel der einheimischen Bevölkerung zu überfahren. Dies wäre gerade in einem Fremdenverkehrsland wie Südtirol mehr als gefragt. Ganz klar dazu das EU-Recht: Lebensmitteletiketten müssen in einem leicht verständlichen Text und in der Sprache des Endverbrauchers abgefasst sein. Meist ist dies die Amtssprache des Gebietes. Anscheinend vergisst man aber sehr gerne, dass in Südtirol Italienisch und Deutsch gleichberechtigte Amtssprachen sind“, erklärt der Heimatbund.

Lang erinnert an den Vorschlag der Südtiroler Handelskammer vor knapp fünf Jahren, mit der die Landtagsabgeordneten ersucht wurden, ein „Konsumentengesetz“ zu verabschieden: Demnach sollte gemäß Artikel 99 des Autonomiestatuts zur Gleichstellung der Sprachen im italienischen Rechtssystem bei jedem innerhalb der Autonomen Provinz Bozen gegenüber dem Endverbraucher oder Anwender vertriebenen oder bereitgestellten Produkt Auskünfte, Warnhinweise oder andere verpflichtend anzubringende Angaben zum Inhalt und zur Verwendung desselben ausschließlich in italienischer oder in deutscher oder in beiden Sprachen angeführt werden.

„Passiert weiterhin nichts, wird eine Volksgruppe – wenn wir die Ladiner außen vorlassen – wieder einmal übergangen. Aber das ist auch 25 Jahre nach der offiziellen Streitbeilegung vor der UNO nichts Neues. Rom setzt weiterhin auf Zeit und immer laschere Südtiroler Politiker, wenn es um die die Minderheitenrechte geht. Und diese Strategie der römischen Wölfin scheint voll aufzugehen“, schließt Lang.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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8 Kommentare auf "Schon einsprachig gegessen?"


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Gagarella
Gagarella
Superredner
1 Monat 10 Tage

Tja, die Italiener wissen sich zu wehren. Dem Süd-Tiroler ist es Wurscht, auch wenn ihm auf den Kopf gemacht wird.

matthias_k
matthias_k
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

“(…)auch wenn ihm auf den Kopf gemacht wird.”

haha interessanterweise bist es immer nur du, der dies jedesmal bei der Schilder- bzw. Ethikettenthematik behauptet? 😀 
wenn man alleine auf weitem Flur steht, könnte es da nicht sein sich selbst zu hinterfragen, ob man nicht ganz so “gscheide” behaupten soll? 😉 
… aber wie soll das gehen, wenn einem die Ideologie immer im WEg ist ….

matthias_k
matthias_k
Universalgelehrter
1 Monat 10 Tage

haha die Schilderjagd geht weiter …. natürlich wieder über die Sommermonate, da dort viell. mehr Aufmerksamkeit zu holen ist 😉 
er könnte ja mal seine Gesinnungskollegin Klotz fragen, ob diese die römischen € auch übersetzt bekommen möchte, oder ob sie sie auch so benutzt? 🙂 

Lucifer
Lucifer
Neuling
1 Monat 10 Tage

Ibin froa, dass i kuane Allergie hon und olle Tog eppes zan essn afn Tisch! Des sein Pobleme…

klara
klara
Grünschnabel
1 Monat 10 Tage

“Passiert weiterhin nichts, wird eine Volksgruppe – wenn wir die Ladiner außen vorlassen – wieder einmal übergangen.”
Heißt das, dass wir die Ladiner also ruhig außen vorlassen können?
Was für ein originelles Verständnis von Minderheitenschutz!

matthias_k
matthias_k
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

Für Lang gibt es nur 1 Sprache für Südtirol …. deutsch, deutsch und nochmal deutsch, alles andere würde er als Propaganda- und Sprachlandesrat verbieten, sobald wir wieder zur geheiligten “Heimat” angehören würden. 

nightrider
nightrider
Tratscher
1 Monat 10 Tage

Kann ich nicht sagen ob ich einsprachig gegessen habe. Das Essen spricht nicht mit mir. Ob es beleidigt ist?

ivo815
ivo815
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

Da sieht man wieder, Bildung sichert Leben 😉

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