Von: luk
Bozen – Die Soziale Mitte der SVP warnt vor einer zunehmenden Abwanderung junger, gut ausgebildeter Südtirolerinnen und Südtiroler. Grund dafür seien weniger fehlende Bindung an das Land als vielmehr mangelnde faire und stabile Arbeitsbedingungen. Anlass der Stellungnahme ist ein in der vergangenen Landtagswoche verabschiedeter Beschlussantrag von Harald Stauder, der Maßnahmen gegen den sogenannten „Brain Drain“ thematisiert.
Die Vorsitzende der Sozialen Mitte der SVP, Gabi Morandell, betont, dass neben der öffentlichen Hand auch die Arbeitgeber stärker in die Pflicht genommen werden müssten. Ordentliche Arbeitsverhältnisse ab Arbeitsbeginn sowie angemessene Löhne seien zentrale Faktoren. Besonders deutlich zeige sich die Problematik derzeit im Bereich der Architektur.
Nach Angaben Morandells kehren viele junge Architektinnen und Architekten nach dem Studium motiviert nach Südtirol zurück, fänden jedoch häufig prekäre Arbeitsbedingungen vor. Projektbezogene Aufträge, fehlende Festanstellungen, unsichere Einkommen sowie selbst zu tragende Sozial- und Rentenbeiträge prägten vielfach den Berufseinstieg. Diese Unsicherheiten führten dazu, dass sich viele junge Fachkräfte gegen einen Verbleib im Land entschieden.
Eine aktuelle Arbeitsmarktstudie des Landes bestätigt laut der Sozialen Mitte diesen Trend. Während vor rund 15 Jahren innerhalb eines Fünfjahreszeitraums etwa 1.500 Personen im Alter zwischen 20 und 49 Jahren in die deutschsprachigen Nachbarländer abwanderten, seien es heute rund 7.000. Daraus ergebe sich eine Netto-Abwanderung von etwa 800 Personen pro Jahr, vor allem in Richtung Österreich, Deutschland und Schweiz.
Morandell fordert daher bessere Rahmenbedingungen für junge Akademikerinnen und Akademiker. Südtirol investiere viel in die Ausbildung seiner Jugend, verliere diese Investition jedoch, wenn im Anschluss keine stabilen beruflichen Perspektiven geboten würden. Der Arbeitsmarkt müsse konkurrenzfähiger werden – mit fairen Löhnen, verlässlichen Arbeitsverhältnissen, klaren Karrierewegen, guter Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie leistbaren Lebensbedingungen.




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