Straße von Hormuz angeblich gesperrt (Illustration)

Trump droht mit “vollständiger Kontrolle” über Irans Öl

Donnerstag, 11. Juni 2026 | 16:45 Uhr

Von: APA/Reuters/AFP/dpa

US-Präsident Donald Trump hat mit der Übernahme der für Irans Ölindustrie wichtigen Insel Kharg gedroht. Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft werde man die Insel und andere Öl-Infrastrukturpunkte übernehmen und die “vollständige Kontrolle” über Irans Öl- und Gasmärkte erlangen, schrieb der Republikaner auf der Plattform Truth Social und kündigte zugleich schwere Angriffe auf den Iran für die Nacht an.

Trump sprach in einem Telefonat mit dem US-Sender Fox News von “größeren” und “schlagkräftigeren” Bombardierungen, die kommen würden. Zugleich sagte er, er wolle keine Bodentruppen im Land – sprach dann aber auch davon, das man theoretisch eine kleine Gruppe schicken könnte. Der Iran sei erledigt.

Damit erhöht die US-Regierung den Druck auf den Iran in den stockenden Gesprächen um ein mögliches Rahmenabkommen über ein Ende des Krieges. Das Abkommen würde zunächst vertiefte Verhandlungen bedeuten. Obwohl eine Waffenruhe gilt, kam es in den vergangenen Tagen zu heftigen Angriffen. Am Wochenende beschossen sich der Iran und Israel gegenseitig, in der Nacht auf Mittwoch und Donnerstag attackierten sich der Iran und die USA.

Auf der Insel Kharg im Persischen Golf befindet sich Irans wichtigster Ölhafen. Dort wird fast der gesamte Ölexport der Islamischen Republik umgeschlagen. Sie ist daher von strategisch großer Bedeutung.

Teheran: Feuerpause “bedeutungslos”

Das iranische Außenministerium verurteilte indes die “groß angelegten” US-Angriffe der vergangenen Nacht scharf. Die seit Anfang April geltende Feuerpause im Iran-Krieg sei damit “praktisch bedeutungslos” geworden, hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums vom Donnerstag. Teheran habe ein Recht auf Selbstverteidigung und Gegenschläge, hieß es. Die US-Regierung trage die Verantwortung für die “gefährlichen Konsequenzen” der Aggression.

Laut iranischen Medien wurden bei den Angriffen in der Provinz Teheran drei Menschen verletzt. Das Portal MEHR berichtete zugleich unter Berufung auf offizielle Stellen, in den frühen Morgenstunden (Ortszeit) sei in der Straße von Hormuz ein Boot, das mit Grundnahrungsmitteln beladen gewesen sei, von einem Geschoss der USA getroffen worden. Die Besatzung sei gerettet worden.

Das US-Militär griff nach eigenen Angaben Überwachungseinrichtungen, Kommunikationssysteme und Luftabwehrstellungen im Iran an. Trump erklärte am Mittwochabend im Fernsehsender Fox News, die Angriffe würden zwar eingestellt. Er werde die Bombardierungen jedoch wieder aufnehmen, sollten die iranischen Machthaber nicht rasch ein Abkommen unterzeichnen.

Iranische Angriffe auf Kuwait und Bahrain

Die iranischen Revolutionsgarden reagierten mit Gegenangriffen auf 18 US-Militärziele in Kuwait und Bahrain, darunter das Hauptquartier der Fünften US-Flotte, sowie auf einen Stützpunkt in Jordanien. Nach Angaben der Behörden im Iran wurden bei den US-Angriffen fünf Menschen verletzt. In Bahrain erlitt ein elfjähriges Mädchen leichte Verletzungen durch Trümmerteile abgefangener Drohnen.

Trotz der militärischen Eskalation zeichnet sich bei den Verhandlungen Bewegung ab. Drei iranische Insider und ein europäischer Diplomat sagten der Nachrichtenagentur Reuters, beide Seiten tauschten Entwürfe für eine Absichtserklärung aus. Ein zentraler Streitpunkt sei die Freigabe eingefrorener iranischer Öleinnahmen im Ausland. Der Iran fordere die Auszahlung von sechs bis zwölf Milliarden Dollar (5,20 Mrd. bis 10,40 Mrd. Euro). Die Regierung in Washington wolle die Gelder jedoch schrittweise und ausschließlich für humanitäre Güter bereitstellen.

Für die Führung in Teheran stehe ein Rahmenabkommen im Vordergrund, das dem Iran eine wirtschaftliche Atempause verschaffe und den Krieg beende, hieß es. Zudem fordere der Iran ein Ende der israelischen Angriffe im Libanon, die Aufhebung von Sanktionen und die Anerkennung seiner Kontrolle über die Straße von Hormuz. Trump verlange im Gegenzug ein Ende der iranischen Blockade der Meerenge und Garantien, dass der Iran keine Atomwaffen entwickle.

Drei indische Seeleute ums Leben gekommen

Der Konflikt war am 28. Februar mit US- und israelischen Luftangriffen auf den Iran ausgebrochen und hat bereits tausenden Menschen das Leben gekostet. Anfang April wurde eine Waffenruhe vereinbart. Doch in dieser Woche flammten die Kämpfe wieder auf, nachdem am Montag ein US-Hubschrauber nahe der Straße von Hormuz abgeschossen worden war. Die vom Iran weitgehend blockierte und strategisch wichtige Meerenge ist eine Hauptroute für den weltweiten Öltransport.

Während der Iran drohte, jedes Schiff in der Passage zu beschießen, erklärte das US-Militär, die Meerenge sei weiterhin für Handelsschiffe geöffnet. Die USA halten ihrerseits eine Blockade iranischer Häfen aufrecht. Bei einem US-Militäreinsatz zur Festsetzung eines Tankers vor der Küste Omans kamen nach Angaben indischer Behörden vom Donnerstag drei indische Seeleute ums Leben.

Der Krieg belastet zudem die US-Innenpolitik. Angesichts steigender Benzinpreise sinken die Umfragewerte von US-Präsident Trump. In den Reihen der Republikaner wachsen die Sorgen über die Unbeliebtheit des militärischen Konflikts, die die Partei bei den Kongresswahlen im November die Mehrheit kosten könnte.

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