Von: APA/dpa/Reuters
Drei Tage nach Beginn der israelisch-amerikanischen Angriffe auf den Iran hat US-Präsident Donald Trump die Ausweitung der Attacken angekündigt. “Wir haben noch nicht einmal angefangen, hart zuzuschlagen”, sagte er dem Sender CNN. “Die große Welle kommt bald.” Er gehe von etwa vier Wochen Krieg aus, fügte Trump hinzu. Der Iran wäre nach seinen Worten schon bald in der Lage gewesen, mit seinen Raketen US-Territorium zu treffen.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth trat Befürchtungen entgegen, es könne Krieg wie im Irak werden. “Dies ist kein endloser Krieg”, sagte Hegseth, der sich als Kriegsminister bezeichnet, in Washington. Die USA haben ihm zufolge ihre Lehren aus der Vergangenheit gezogen und gehen mit einem klaren Fokus in den Krieg: “Die Raketenbedrohung zerstören, die Marine zerstören, keine Atomwaffen.” Ob für die Zerstörung der Atomanlagen auch Bodentruppen eingesetzt werden sollen, blieb unklar. Ausdrücklich ausschließen wollte Trump das nicht.
Unterdessen wächst die Sorge vor einem Flächenbrand im Nahen Osten. Die USA und Israel greifen weiter Ziele im Iran an, Teheran antwortet mit Gegenschlägen auf Israel und andere Länder. Inzwischen hat der Krieg nicht nur die Golfstaaten, sondern auch den Libanon erfasst.
Trump spricht von mehreren Wochen Krieg
Trump sagte, die Attacken liefen bisher sehr gut. “Wir prügeln sie windelweich.” Er bekräftigte sein Ziel, den Krieg in etwa vier Wochen zu beenden. “Wir sind dem Zeitplan sogar voraus.” Bisher hätten die USA 49 iranische Anführer ausgeschaltet. “Sie wissen nicht einmal, wer sie derzeit anführt”, sagte er.
Als größte Überraschung nannte Trump die Angriffe des Iran auf die arabischen Staaten in der Region und deren Reaktion. “Sie wollten sich nur sehr geringfügig beteiligen. Und jetzt bestehen sie darauf, einbezogen zu werden”, sagte er. “Sehr enttäuscht” zeigte sich Trump vom britischen Premierminister Keir Starmer, der die Nutzung britischer Stützpunkte durch die US-Armee zu spät erlaubt habe.
Mit Blick auf die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm machte Trump Teheran schwere Vorwürfe. Immer wieder hätten die USA gedacht, eine Einigung erzielt zu haben, nur um mehrfach mitzubekommen, dass die Iraner einen Rückzieher machen, sagte Trump bei seiner ersten Pressekonferenz seit Beginn der US-Angriffe. “Mit solchen Leuten kann man keine Geschäfte machen.” Wie genau die Gespräche abliefen, ist nicht öffentlich bekannt.
Außerdem attackierte der US-Präsident das frühere internationale Atomabkommen mit dem Iran erneut scharf und verteidigte seinen Ausstieg daraus. Das unter Präsident Barack Obama geschlossene Abkommen – der Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA) – sei ein “schreckliches, gefährliches Dokument” gewesen, sagte Trump in Washington weiter.
Iran hätte ohne seinen Ausstieg “vor drei Jahren” über Atomwaffen verfügt und diese auch eingesetzt, behauptete der Präsident. Das Abkommen habe Teheran faktisch einen “legitimen Weg” zur Bombe eröffnet. Der Ausstieg aus dem Abkommen, genauso wie das aktuelle militärische Vorgehen gegen iranische Einrichtungen sei deshalb notwendig gewesen, um zu verhindern, dass Iran jemals in den Besitz einer Atomwaffe gelange.
Hegseth kritisiert Verbündete
Auch Minister Hegseth kritisierte frühere Partner der USA scharf. “Fähige Partner, wie wir von Anfang an gesagt haben, fähige Partner sind gute Partner”, sagte mit Blick auf Israel. Im Gegensatz dazu stehen ihm zufolge die “traditionellen Verbündeten”, die sich empört geben und “beim Einsatz von Gewalt nur zögern und zaudern”.
Konkrete Länder nannte Hegseth nicht. “Amerika, unabhängig davon, was sogenannte internationale Institutionen sagen, entfesselt die tödlichste und präziseste Luftangriffskampagne der Geschichte.” Spanien betonte, die US-Basen Morón und Rota im eigenen Land seien nicht für die Angriffe auf den Iran genutzt worden, weil diese einseitig und ohne eine internationale Resolution erfolgt seien.
Nach Angaben von Generalsekretär Mark Rutte plant die NATO keine Beteiligung an den militärischen Aktionen gegen den Iran. “Es gibt absolut keine Pläne, dass die NATO in die Sache hineingezogen oder Teil davon wird”, sagte Rutte der ARD in Brüssel. Zugleich betont der Niederländer, dass er die Angriffe auf den Iran uneingeschränkt gutheiße. “Ich halte es für sehr wichtig, was die USA hier gemeinsam mit Israel tun.”
Zahlreiche Todesopfer und neue Angriffswelle
In dem am Samstag begonnenen Krieg sind bereits zahlreiche Menschen getötet worden. Im Iran gab es nach Angaben des Roten Halbmonds mindestens 555 Tote. Bei israelischen Angriffen im Libanon wurden nach örtlichen Angaben Dutzende Menschen getötet und mehr als hundert verletzt. Auch in Israel gab es Tote und Verletzte durch iranische Gegenangriffe. Das US-Militär teilte mit, vier US-Soldaten seien getötet worden.
Israel und die USA griffen Hunderte Ziele im Iran an. Dazu zählen nach ihren Angaben Raketenabschussrampen, Anlagen des umstrittenen Atomprogramms, Hauptquartiere der Militärführung sowie Vertreter der politischen Führung. Irans oberster Führer Ajatollah Ali Khamenei wurde am Samstag getötet.
Aus Sicht der UNO-Atomwächter hat es jedoch keine Anzeichen für ein Kernwaffen-Projekt im Iran gegeben. “Wir sehen kein strukturiertes Programm zur Herstellung von Atomwaffen”, sagte der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, in Wien.
Hegseth: Kein “Regimewechselkrieg”
Der Militäreinsatz soll Minister Hegseth zufolge nicht notwendigerweise zu einem Machtwechsel in Teheran führen. “Dies ist kein sogenannter ‘Regimewechselkrieg’, aber das Regime hat sich tatsächlich geändert, und die Welt ist dadurch besser dran”, sagte er in Washington. Ebenso wie die USA setzt auch Israel auf einen Umsturz im Iran durch die Bevölkerung. Es sei das angestrebte Ergebnis, “dass das iranische Volk in der Lage sein wird, dieses Regime für sich selbst zu beseitigen, und damit auch für uns, für die gesamte Region und für die ganze Welt”, sagte der israelische Verteidigungsminister Israel Katz.
Die Golfstaaten werden immer weiter in den Konflikt hineingezogen. Die kuwaitische Luftverteidigung schoss unterdessen versehentlich mehrere US-Kampfjets ab, wie das zuständige Regionalkommando des US-Militärs (CENTCOM) mitteilte. Die Besatzungen hätten überlebt. Frankreich sagte den Golfstaaten Unterstützung zu. Man sei bereit, sich an ihrer Verteidigung zu beteiligen, sagte Außenminister Jean-Noël Barrot in Paris.
Auch auf dem EU-Inselstaat Zypern kam es in der Nacht auf Montag zu einem Drohnenangriff auf den britischen Stützpunkt Akrotiri in der Nähe der Hafenstadt Limassol. Die Drohne war vom Typ “Shahed”, wie der zypriotische Präsident Nikos Christodoulidis mitteilte. Diese Drohnen werden hauptsächlich im Iran produziert. Später wehrte der Stützpunkt zwei weitere unbemannte Flugobjekte ab.
Katar schießt zwei iranische Bomber ab
Unterdessen schoss Katar nach Angaben seines Verteidigungsministeriums zwei aus dem Iran kommende Kampfflugzeuge ab. Die Luftwaffe des Golfemirats habe “erfolgreich zwei Bomber vom Typ SU-24 aus der Islamischen Republik” abgeschossen, teilte das Verteidigungsministerium in Doha am Montag mit. Außerdem habe Katar dank seiner Luftabwehr “sieben ballistische Raketen und fünf Drohnen abgefangen, die heute auf mehrere Gebiete des Landes abgefeuert worden waren”. SU-24-Bomber sind Flugzeuge russischer Bauart.




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