Von: APA/dpa/AFP
Im russischen Gebiet Samara an der Wolga ist ein Mann durch ukrainische Drohnenangriffe ums Leben gekommen. “Drei Personen wurden verletzt, darunter auch ein Kind”, teilte Gouverneur Wjatscheslaw Fedorischtschew mit. Es gebe Schäden an Wohnhäusern und an einem Industrieobjekt, schrieb er zudem, ohne nähere Angaben zu machen. Dabei handle es sich um die Ölraffinerie in Sysran, berichtete das unabhängige Internetportal “Astra”. In der Anlage sind mehrere große Brände zu sehen.
Der ukrainische Generalstab bestätigte später die Attacke. Explosionen und Brände seien auf dem Gelände fixiert worden, hieß es in der Mitteilung des Generalstabs. Neben der Raffinerie haben die Drohnen nach Angaben aus Kiew auch zehn weitere Öltanker und vier Fähren im Asowschen Meer getroffen. In den vergangenen sieben Tagen seien insgesamt 90 russische Schiffe getroffen worden, teilte der Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, Robert Brovdi, auf Telegram mit.
Die russische Seite erklärte, eine ukrainische Drohne habe einen Tanker getroffen, als dieser in den Kanal zwischen Asowschem Meer und Schwarzem Meer einfuhr. Ein durch den Angriff verursachtes Feuer sei unter Kontrolle gebracht worden und es habe keine Gefahr einer Ölpest bestanden, da das Schiff leer gewesen sei, erklärte Juri Sljusar, Gouverneur der russischen Region Rostow, auf Telegram.
Das russische Militär schoss eigenen Angaben nach in der Nacht auf Sonntag 349 ukrainische Drohnen ab. Die Größenordnung deckt sich mit den Angriffen der vergangenen Tage.
Sysran bereits mehrfach im Visier
Die Ukraine hat die Raffinerie in Sysran schon mehrfach attackiert. Zuletzt musste die Anlage mit einer Verarbeitungskapazität von 8,5 Millionen Tonnen Ende Mai nach einem Angriff ihre Arbeit einstellen. Die zum staatlichen Ölkonzern Rosneft gehörende Raffinerie produziert unter anderem Benzin, Diesel und Kerosin. In Russland herrscht wegen der ständigen ukrainischen Angriffe auf die Ölverarbeitungskapazitäten inzwischen ein Treibstoffdefizit. Tankstellen geben Sprit nur noch in begrenzten Mengen aus und die Autofahrer müssen lange anstehen, um überhaupt noch welchen zu bekommen.
Kiew setzt seit Monaten auf diese Taktik, um Russlands Präsident Wladimir Putin, der vor mehr als vier Jahren die Invasion in die Ukraine befohlen hat, zu Verhandlungen zu bewegen. Russland fordert für einen Frieden unter anderem die Übergabe von Landstrichen, die die russische Armee auch mehr als vier Jahre nach dem Einmarsch immer noch nicht erobern konnte.
Klitschko warnt vor Zunahme russischer Angriffe auf Kiew
Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko spricht indes angesichts mehrerer schwerer russischer Luftangriffe in den vergangenen Tagen von einer weiteren Eskalation des Ukraine-Kriegs durch Moskau. Er habe so etwas seit Kriegsbeginn noch nicht erlebt. “Die Angriffe mit russischen ballistischen Raketen sind schlimmer als je zuvor”, sagte er der Zeitung “Bild am Sonntag”.
Innerhalb einer Woche hat das russische Militär Kiew dreimal schwer aus der Luft angegriffen. Dabei setzte es neben Drohnen auch Marschflugkörper und ballistische Raketen ein. Die Folgen für die ukrainische Hauptstadt sind verheerend. Dutzende Menschen kamen ums Leben, mehr als 100 wurden verletzt. Die Einschläge haben viele Wohnhäuser in Kiew beschädigt oder ganz zerstört.
Die von Putin betriebene Eskalation sei auch auf die neue Stärke der Ukraine auf dem Schlachtfeld zurückzuführen, zeigte sich Klitschko überzeugt. Putin stehe so unter Druck, “dass er jetzt offenbar Kiew kaputt bomben will, bevor der Winter beginnt”, sagte der frühere Box-Weltmeister. Klitschko rief die westlichen Partner der Ukraine zu weiteren Hilfen bei der Flugabwehr auf. Gerade beim Abfangen ballistischer Raketen ist Kiew auf Systeme wie die von den USA produzierten Patriot-Komplexe angewiesen.
Treffen der Ukraine-Unterstützer in Paris
Vor dem französischen Nationalfeiertag am 14. Juli findet am Montagnachmittag in Paris ein Treffen der Unterstützerstaaten der Ukraine statt, bei dem der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron dabei sein werden. Bei den vergangenen Treffen der sogenannten Koalition der Willigen hatten sich die meisten Teilnehmer per Video zugeschaltet. Dieses Mal werden 25 Staats- und Regierungschefs erwartet, darunter auch der ukrainische Präsident Selenskyj.
Die Koalition geht auf eine französisch-britische Initiative zurück, die dem Desinteresse der USA an der Ukraine nach der Wiederwahl von US-Präsident Donald Trump geschuldet war. Beide Staaten warben stark für die Entsendung einer internationalen Mission im Fall eines Waffenstillstandsabkommens. Dieses ist weiterhin nicht in Sicht. Allerdings zeigt Trump nun wieder Interesse an der Ukraine, seit die ukrainischen Streitkräfte zunehmend Erfolge in ihrem Abwehrkrieg gegen Russland erzielen.




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