Von: APA/dpa/Reuters/Ukrinform
Wenige Tage vor der traditionellen Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau ist eine ukrainische Drohne nahe dem Zentrum der russischen Hauptstadt in ein Wohnhaus eingeschlagen. Das schrieb Bürgermeister Sergej Sobjanin Montag früh laut staatlicher Nachrichtenagentur TASS auf der Plattform Telegram. Es habe keine Verletzten gegeben. Bei einem russischen Raketenangriff auf die nordostukrainische Region Charkiw wurden nach Angaben der örtlichen Behörden vier Menschen getötet.
Weitere 18 Personen seien bei der Attacke auf die Stadt Merefa verletzt worden, schrieb der Militärgouverneur der Region, Oleh Synjehubow, bei Telegram. Getötet wurden demnach ein 50-jähriger und ein 63-jähriger Mann sowie zwei Frauen im Alter von 41 und 52 Jahren. Mehrere Wohnhäuser, Hochhäuser und Geschäftslokale seien beschädigt worden. Auch die Siedlung Besljudiwka wurde demnach mit einer Drohne angegriffen. Die ukrainische Luftabwehr teilte mit, in der Nacht auf Montag 135 von 155 russischen Drohnen abgeschossen zu haben.
Militärparade am Samstag
Das in Moskau beschädigte Gebäude – laut “Kyiv Independent” ein luxuriöses Hochhaus – liegt in einem Wohngebiet im Westen der Hauptstadt, in dem sich auch Botschaften befinden. Der Einschlagsort liegt nur etwa sechs Kilometer Luftlinie vom Roten Platz entfernt. Dort will Kreml-Chef Wladimir Putin wie jedes Jahr am 9. Mai die Militärparade zur Erinnerung an den sowjetischen Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg abnehmen. Zwei weitere ukrainische Drohnen wurden Sobjanin zufolge von der Luftabwehr abgeschossen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rieb aus der Ferne Salz in diese Wunde. Der Angreifer Russland sei nach mehr als vier Jahren Krieg geschwächt, während sein eigenes Land stärker werde, sagte Selenskyj beim Gipfeltreffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG) in Armeniens Hauptstadt Jerewan. “In diesem Sommer wird der Moment kommen, an dem Putin entscheiden wird, was er weiter tun will, den Krieg auszuweiten oder den Weg der Diplomatie einzuschlagen”, sagte Selenskyj laut Mitschnitt seiner Rede. Bei der Parade werde Moskau zum ersten Mal seit vielen Jahren keine Militärtechnik mehr zeigen können. “Und sie fürchten, dass Drohnen über den Roten Platz fliegen. Das sagt etwas. Es zeigt, dass sie jetzt nicht stark sind.”
Das russische Verteidigungsministerium hatte bereits Ende April mitgeteilt, aus Furcht vor ukrainischen Drohnenangriffen finde die Militärparade am Samstag in diesem Jahr ohne Panzer und Raketen statt.
Zwar meldet Russland häufig ukrainische Drohnenangriffe auf den Großraum Moskau, allerdings zielen diese eher auf Flughäfen, Militäranlagen und Vororte. Zivile Infrastruktur wird in der Hauptstadt selten beschädigt. Die meisten Drohnen werden staatlichen Angaben zufolge abgeschossen. Für die Nacht auf Montag meldete das russische Verteidigungsministerium 117 angeblich abgefangene feindliche Drohnen.
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen eine russische Invasion. Russland beschießt dabei auch systematisch das Hinterland des Nachbarn und setzt dazu Drohnen und Raketen ein. Bei den Attacken kommen in der Ukraine fast täglich Zivilisten zu Tode, Wohnhäuser und für die Bewohner lebenswichtige Infrastruktur werden zerstört.




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