In der Straße von Hormuz soll gefeuert worden sein

US-Zerstörer trotz Iran-Blockade im Persischen Golf

Montag, 04. Mai 2026 | 17:56 Uhr

Von: APA/Reuters

Das US-Militär ist nach eigenen Angaben mit zwei Lenkwaffenzerstörern in den Persischen Golf eingefahren, um die iranische Blockade der Straße von Hormuz zu brechen. Zudem hätten zwei unter US-Flagge fahrende Handelsschiffe die Meerenge passiert, teilte das US-Zentralkommando (CENTCOM) am Montag mit. “Die amerikanischen Streitkräfte unterstützen aktiv die Bemühungen, die Durchfahrt für die Handelsschifffahrt wiederherzustellen”, hieß es in der Mitteilung.

Der Einsatz erhöht die Gefahr einer neuen, direkten militärischen Konfrontation zwischen den USA und dem Iran in der strategisch wichtigen Meerenge. Zuvor hatte die Regierung in Teheran noch erklärt, sie habe ein US-Kriegsschiff an der Einfahrt in den Golf gehindert.

Die US-Streitkräfte unterstützen nach Angaben von CENTCOM das von US-Präsident Donald Trump angekündigte “Project Freedom”. Dieses zielt darauf ab, Handelsschiffe, die wegen des US-israelischen Krieges gegen den Iran im Golf festsitzen, in sichere Gewässer zu begleiten. Zudem blockieren die USA iranische Häfen. Trump hatte am Sonntag auf seiner Plattform Truth Social erklärt: “Wir haben diesen Ländern gesagt, dass wir ihre Schiffe sicher aus diesen gesperrten Wasserstraßen herausgeleiten werden, damit sie frei und ungehindert ihren Geschäften nachgehen können.”

CENTCOM-Kommandant Brad Cooper erklärte, die Unterstützung dieser defensiven Mission sei für die regionale Sicherheit und die Weltwirtschaft unerlässlich. Die USA würden dafür 15.000 Soldaten, mehr als 100 Flugzeuge sowie Kriegsschiffe und Drohnen einsetzen.

“Schnelle und entscheidende Warnung”

Am Montag in der Früh hatte der Iran noch erklärt, er habe ein US-Kriegsschiff an der Einfahrt in die Straße von Hormuz zur Umkehr gezwungen. Die iranische Marine teilte mit, sie habe “amerikanisch-zionistische” Kriegsschiffe durch eine “schnelle und entschiedene Warnung” an der Einfahrt gehindert. Ein ranghoher iranischer Insider sagte der Nachrichtenagentur Reuters, der Iran habe einen Warnschuss abgegeben. Es sei unklar, ob das Kriegsschiff beschädigt worden sei. Die halbamtliche iranische Nachrichtenagentur Fars meldete, zwei Raketen hätten das Schiff nahe dem Hafen von Jask am südlichen Eingang der Meerenge getroffen. CENTCOM wies die Berichte über einen Raketenangriff umgehend zurück und dementierte, dass ein Kriegsschiff getroffen worden sei.

Die iranische Militärführung forderte Handelsschiffe und Öltanker als Reaktion auf Trumps Ankündigung auf, jede Schiffsbewegung mit dem iranischen Militär abzustimmen. “Wir haben wiederholt gesagt, dass die Sicherheit der Straße von Hormuz in unseren Händen liegt”, erklärte Ali Abdollahi Aliabadi, der Leiter des vereinigten Kommandos der Streitkräfte. “Wir warnen davor, dass alle ausländischen Streitkräfte, insbesondere die aggressive US-Armee, angegriffen werden, wenn sie beabsichtigen, sich der Straße von Hormuz zu nähern und in sie einzufahren.”

Keine Entwarnung für Handelsschifffahrt im Allgemeinen

Die Containerreederei Hapag-Lloyd teilte am Montag mit, an ihrer Risikobewertung habe sich nichts geändert. Eine Durchfahrt durch die Meerenge sei weiterhin nicht möglich. Vier Schiffe des Unternehmens befänden sich noch im Golf. Zahlreiche Vertreter der Schifffahrts- und Ölindustrie erklärten, militärische Konvois seien keine Lösung. Sie forderten ein Ende der Feindseligkeiten und ein Friedensabkommen, damit die Sicherheit für die Schifffahrt wiederhergestellt wird. Hunderte Handelsschiffe und bis zu 20.000 Seeleute können die Meerenge der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) zufolge derzeit nicht passieren.

Die Ölpreise waren nach den ersten Berichten über die angebliche Umkehr des US-Kriegsschiffs zunächst um fünf Prozent gestiegen, lagen am frühen Nachmittag jedoch nur noch rund 2,5 Prozent im Plus. Der Iran hat seit Kriegsbeginn fast den gesamten Schiffsverkehr in den und aus dem Golf mit Ausnahme des eigenen blockiert. Normalerweise wird ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gastransporte über diese Route abgewickelt. Die zweimonatige Sperrung hat den globalen Handel schwer belastet und die Ölpreise um 50 Prozent oder mehr in die Höhe getrieben. Die Schifffahrtsbranche bezweifelt weiterhin, dass die Route sicher genutzt werden kann. Es gibt kaum Anzeichen für Fortschritte bei einer Verhandlungslösung im Konflikt zwischen Washington und dem Iran.

Emirate: Großbrand nach iranischem Drohnenangriff

In den Vereinigten Arabischen Emiraten brach Behördenangaben zufolge nach einem iranischen Drohnenangriff ein Großbrand aus. Betroffen ist eine Industriezone der Hafenstadt Fujairah, wie das Medienbüro der Küstenstadt berichtete. Zuvor berichtete die Armee der Vereinigten Arabischen Emirate, dass sie drei iranische Raketen abgefangen hatte. Eine weitere Rakete sei im Meer niedergegangen, hieß es in einer Erklärung des emiratischen Verteidigungsministeriums. In mehreren Regionen des Landes sei die Flugabwehr zu hören gewesen. Die Erklärung erfolgte kurz nachdem die Behörden mitgeteilt hatten, dass die Flugabwehr auf eine Bedrohung reagiere, und die Bevölkerung aufgefordert hatten, sich in Sicherheit zu bringen.

Es ist die erste Warnung des Golfstaates seit dem 8. April, als eine zwischen den USA und Iran vereinbarte zweiwöchige Waffenruhe begann, die von US-Präsident Donald Trump einseitig verlängert wurde. Die Vereinigten Arabischen Emirate waren unter den Golfstaaten besonders von iranischen Angriffen betroffen, mit denen Teheran seinerseits auf Angriffe der USA und Israels reagiert hatte.

Nutzer in den sozialen Medien hatten zuvor über den Start einer Rakete nahe der zentralen iranischen Metropole Isfahan berichtet. Von iranischer Seite gab es zunächst keine Bestätigung für Angriffe auf Ziele in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

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