Von: luk
Südtirol – Wildlebende Tiere und Pflanzen stehen in Südtirol zunehmend unter Druck. Darauf weist der Dachverband für Natur- und Umweltschutz in Südtirol anlässlich der Veröffentlichung des neuen Biodiversitätsmonitorings der EURAC hin. Die Studie zeige nüchtern und wissenschaftlich fundiert, dass sich der Zustand der biologischen Vielfalt im Land weiter verschlechtert.
Die Ergebnisse decken sich laut Dachverband mit dem Weltbiodiversitätsbericht von 2019: Vor allem intensive Landwirtschaft und der Klimawandel setzen der Artenvielfalt stark zu. Dass Südtirol davon nicht ausgenommen ist, sei in der Fachwelt seit Langem bekannt. Das nun vorgelegte Monitoring unter der Leitung von EURAC-Forscher Andreas Hilpold mache das Ausmaß des Problems jedoch besonders deutlich.
Zwar gebe es auf Landes- und Gemeindeebene Bemühungen, Lebensräume für Wildbienen, Schmetterlinge und Vögel zu verbessern, etwa durch Maßnahmen in der Stadtökologie. Gleichzeitig lasse die intensive landwirtschaftliche Nutzung vielerorts kaum Raum für ökologisch wertvolle Flächen. Der Dachverband verweist in diesem Zusammenhang auf jüngste Vorfälle, bei denen im Obervinschgau illegal Hecken gerodet oder in Natura-2000-Gebieten Gülle auf artenreiche Bergwiesen ausgebracht wurde.
Als positives Signal wertet der Dachverband, dass auch Vertreter des Südtiroler Bauernbundes inzwischen einen Ausgleich für die intensive Bewirtschaftung einräumen. Tatsächlich engagierten sich vor allem extensiv wirtschaftende Betriebe und Biobetriebe verstärkt für die Förderung der Biodiversität. Gleichzeitig nehme die Intensivierung in der Viehwirtschaft und im Obstbau weiter zu – mit teils gravierenden Folgen für die Artenvielfalt.
Der Dachverband und seine Mitgliedsorganisationen dokumentieren nach eigenen Angaben seit Jahren den fortschreitenden Verlust an Biodiversität. Einzelne Maßnahmen wie sogenannte Bienenstreifen seien dafür nicht ausreichend. Gefordert werden vielmehr strukturelle Veränderungen, darunter die konsequente Umsetzung der vorgesehenen ökologischen Ausgleichsflächen im Obstbau sowie rasche Fortschritte bei Düngeplänen in sensiblen Natura-2000-Gebieten.
“Ein paar angebrachte ‘Bienenstreifen’, wie von SBB-Obmann Gasser verkündet, retten die Artenvielfalt nicht wirklich, sie sind bestenfalls Kosmetik. Vielmehr sollte sich der Bauernbund darum bemühen, dass im Obstbau die empfohlenen fünf Prozent ökologische Ausgleichsflächen endlich realisiert werden, und dass die hausinterne Verzögerungspolitik in der Ausarbeitung von Düngeplänen in Natura 2000-Wiesen ein Ende nimmt“, bringt es die Vorsitzende des Dachverbandes Elisabeth Ladinser auf den Punkt.
Ohne eine umfassende und verbindliche Biodiversitätsstrategie aller Landnutzerinnen und Landnutzer – insbesondere der Landwirtschaft – werde das Artensterben auch in Südtirol ungebremst weitergehen, warnt der Dachverband.

Dachverband




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