Erste Inbetriebnahme im April

Vinschger Bahn: Elektrifizierung kostet 50 Prozent mehr als geplant

Dienstag, 10. März 2026 | 15:48 Uhr

Von: luk

Bozen – Die Modernisierung und Elektrifizierung der Vinschger Bahn wird bereits seit mehreren Jahren vorangetrieben. Dennoch bestehen weiterhin offene Fragen zum Zeitplan, zur Kostenentwicklung und zum aktuellen Projektfortschritt. Mit einer Landtagsanfrage hat der SVP-Abgeordnete Franz Locher nun konkrete Informationen zum Stand der Arbeiten eingefordert.

„Das Projekt läuft seit 2016. Es ist an der Zeit, den Nutzerinnen und Nutzern verbindlich mitzuteilen, wann die Arbeiten abgeschlossen sein werden“, betont Locher. Die Modernisierung der Vinschger Bahn sei ein Meilenstein für den öffentlichen Nahverkehr in Südtirol und werde nach ihrer Fertigstellung einen erheblichen Mehrwert bringen. Ein Großteil der Arbeiten sei bereits umgesetzt worden: Bahnsteigverlängerungen, Streckenbegradigungen sowie die Errichtung von rund 1.500 Masten wurden abgeschlossen. Als nächste Schritte stehen die Einführung des modernen Signalsystems sowie die Inbetriebnahme der neuen Niederflurzüge an. Seit der vollständigen Sperrung der Strecke Mals–Meran am 26. Oktober 2025 wurde ein umfangreicher Bus-Ersatzverkehr eingerichtet. Dieser bringe jedoch auch Einschränkungen und zusätzliche Reisezeiten für die Fahrgäste mit sich. Mit seiner Anfrage will Locher nun Klarheit über den weiteren Zeitplan und die Kostenentwicklung des Projekts schaffen. „Die Schiene soll im Sinne der Nachhaltigkeitsstrategie Südtirols zum Rückgrat des öffentlichen Verkehrs werden. Nur durch eine spürbare Reduzierung des Individualverkehrs können die Klimaziele erreicht werden“, so Locher. Dafür müssten zentrale Infrastrukturprojekte wie die Vinschger Bahn konsequent und vor allem zügig umgesetzt werden.

Wie steht es also konkret um die Wiedereröffnung der Strecke Mals–Meran? Laut Antwort des zuständigen Landesrats kann man im April mit einer ersten Inbetriebnahme rechnen, im Laufe des Jahres werden neue Zuggarnituren geliefert und eingesetzt. Die Zertifizierung des neuen Rollmaterials läuft bereits. Die Kosten für die Elektrifizierung sind inzwischen von ursprünglich 56 Millionen Euro im Jahr 2014 auf 85 Millionen Euro gestiegen. „Die veranschlagte Summe ist damit deutlich höher ausgefallen als ursprünglich geplant“, erklärt Locher.

Zwar werde mit der Inbetriebnahme der modernisierten Strecke das Ziel erreicht, Qualität, Attraktivität und Leistungsfähigkeit des öffentlichen Nahverkehrs deutlich zu verbessern. Für Verzögerungen zeigt der Abgeordnete dennoch wenig Verständnis. „Eine komplette Streckensperre ist immer ein großer Einschnitt. Deshalb muss sie sorgfältig geplant werden. Verschiedene Szenarien sollten möglichst früh berücksichtigt werden, um bei Problemen rasch reagieren und transparent kommunizieren zu können.“

Locher hofft nun, dass der aktuelle Zeitplan eingehalten wird und keine weiteren Kostensteigerungen entstehen. „Der Mehrwert dieser Bahnstrecke ist unbestritten. Umso wichtiger ist es, dass dieses Projekt nun möglichst bald abgeschlossen wird, damit die Vinschger Bahn ihren Beitrag zu einer nachhaltigen Verkehrsentwicklung in Südtirol leisten kann.“

Bezirk: Bozen, Vinschgau

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